Im Winter bleibt die Bude kalt: Gesundheitsexperten finden das sogar richtig!
Im Winter bleibt die Bude kalt: Gesundheitsexperten finden das sogar richtig! imago

Kaum ein Politiker, der sich noch nicht mit Vorschlägen zur Bewältigung des Gas-Mangels zu Wort gemeldet hat: Kürzer duschen, fordert Bundeswirtschaftsminister Habeck (Grüne) und geht selbst mit gutem Beispiel voran. Heizung zwei Grad runter, appelliert die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen.

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Rechtsprechung gibt Mietern Anspruch auf 20 bis 22 Grad in der Wohnung

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Misstrauen erweckt diese Forderung bei Mietern, weil sie auch von Wohnungsunternehmen gestellt wird, die sich im Winter ohnehin häufig mit Mängelklagen konfrontiert sehen, wenn die Wohnung zu kalt ist. Eine Raumtemperatur von 20 bis 22 Grad sei im Winter einzuhalten, so die gültige Rechtsprechung. In vielen Wohnungen läuft die Heizung auf Hochtouren, weil die Frage der Behaglichkeit sehr unterschiedlich beantwortet wird: Manchen reichen 18 Grad, ihnen macht es nichts aus, im Pulli oder mit einer Decke auf der Couch zu sitzen. Andere frösteln bereits bei Werten unterhalb von 25 Grad.

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Angesichts von ausbleibenden Gas-Lieferungen sind aber jetzt schon Einschränkungen absehbar. Selbst wenn eine gesetzliche Drosselung der Raum-Temperatur wohl nicht kommen wird, stellen sich viele Verbraucher jetzt schon darauf ein, dass die Bude im Winter eher kühl bleiben wird. Wie kühl sie sein sollte, um dennoch gesund durch die kalte Jahreszeit zu kommen, dazu gibt es mehrere Experten-Stimmen.

Gesundheitsexperten halten auch Temperaturen unterhalb von 20 Grad für akzeptabel

Schon vor der Gas-Krise riet das Umweltbundesamt (UBA) von zu hohen Raumtemperaturen ab: „möglichst nicht mehr als 20 Grad Celsius“ sollte die Temperatur im Wohnbereich betragen. Das Schlafzimmer könne mit 17 Grad deutlich kühler bleiben, in der Küche reichen demnach 18 Grad völlig aus. Das UBA will diese Richttemperatur nicht zur Leitlinie machen, entscheidend sei vielmehr die „individuelle Behaglichkeitstemperatur“.

Mit diesem Begriff kann Internist Professor Stephan Vavricka allerdings wenig anfangen. „Eigentlich wäre es gesund, wenn wir täglich vor Kälte zittern, denn dabei wird Fettgewebe abgebaut“, so der Facharzt für Innere Medizin am Zentrum für Gastroenterologie und Hepatologie in Zürich. „Die Temperatur, die wir subjektiv als angenehm empfinden, liegt fast immer höher als das, was gut und gesund ist“, so Vavricka. Allerdings räumt er ein, dass Menschen eine unterschiedlich ausgeprägte Fähigkeit haben, Wärme zu produzieren. So könnten dickere Menschen leichter Wärme produzieren als dünnere.

Mediziner erklärt, warum Frauen tatsächlich mehr frieren als Männer

Leonard Fraunberger von der Universität Erlangen-Nürnberg bestätigt das Klischee, dass Frauen frieren häufiger als Männer. Denn ob einem kalt ist oder nicht, hängt vor allem von der Muskelmasse ab. Männer haben in aller Regel vor allem im Oberkörperbereich deutlich ausgeprägtere Muskeln. „Mehr Muskeln produzieren mehr Wärme.“

Daneben gebe es aber Faktoren, die man selbst in der Hand hat: Einen großen Einfluss hat zum Beispiel, ob man gut geschlafen, genug gegessen und sich ausreichend bewegt hat. „Eine niedrigere Raumtemperatur wäre aus medizinischer Sicht für viele Menschen gut“, sagt Internist und Sportmediziner Fraunberger: Es könnte die Menschen motivieren, sich mehr zu bewegen und sich gesünder zu ernähren. „Damit schlagen Sie zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie tun was fürs Klima und für Ihr Immunsystem, denn regelmäßige Bewegung stärkt die Abwehrkräfte.“