Russland könnte schon im Juli die Lieferung von Gas nach Deutschland durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 stoppen. imago/Zuma Wire

Russland hat seine Gaslieferungen über die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 bereits stark gedrosselt. Mit flauem Gefühl schauen Branche und Regierung auf den 11. Juli. Denn dann beginnen die jährlichen Routine-Wartungsarbeiten an der Gasverbindung nach Deutschland. Doch diesmal stellt sich die Frage, ob Russland den Gashahn nach zehn Tagen auch tatsächlich wieder aufdreht.

Haben wir schon im Herbst Gasmangel?

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, hält es für möglich, dass Russland nach den mehrtägigen Arbeiten den Gashammer endgültig fallen lässt und die Lieferung komplett kappt.

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„Wir können es nicht ausschließen“, sagte Müller am Freitag im ARD-„Morgenmagazin“. Darum habe die Bundesnetzagentur verschiedene Szenarien berechnet. „Die meisten Szenarien sind nicht schön und bedeuten entweder zu wenig Gas am Ende des Winters oder aber schon – ganz schwierige Situation – im Herbst oder Winter.“

Verdreifachung des Gaspreises möglich

Der Chef der Bundesnetzagentur erwartet „riesige Preissprünge“ bei Gas in Deutschland. „Verdoppeln bis verdreifachen kann je nach Gebäude drin sein“, so Müller. Derzeit würden noch die Gaspreissteigerungen des vergangenen Herbstes und damit aus der Zeit vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine weitergegeben, schon dies bedeute Preiserhöhungen für Kunden um teilweise 30, 50 oder 80 Prozent.

Mit einfachen Tricks Energiesparen

Daher sollten die Bürger Geld zurücklegen und Richtung Herbst mit den Vermietern reden, rät er und ruft zum Energiesparen auf. „Dazu gehört auch der Pulli, der Duschkopf, die Heizung ein bisschen runterstellen, all das hilft.“

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Die Bundesregierung hatte am Donnerstag die zweite der drei Stufen ausgerufen, die Alarmstufe. Ob und wann die nächste Stufe ausgerufen werden muss, auf der die Bundesnetzagentur über die Gasverteilung an Privathaushalte und Industrie entscheidet, ist unklar.

Um dem drohenden Gasmangel zu entgehen, wird auch eine Laufzeitverlängerung für die drei letzten Atomkraftwerke in Deutschland über das Jahresende hinaus debattiert. Die FDP will die Meiler am Netz lassen, Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) ist strikt dagegen und hält dies allein technisch für unmöglich.

Diskussion um längere Laufzeit für Atomkraftwerke

Gegenwind bekommt er da allerdings jetzt von Sachverständigen des Tüv Süd. Von „routinemäßigen Instandsetzungsmaßnahmen“ abgesehen seien zumindest im AKW Isar 2 keine Maßnahmen nötig, um den Weiterbetrieb zu gewährleisten, heißt es in ihrem Prüfungsbericht.