Warnstreik der IG Metall – Gewerkschaften sollen teils auf Lohnerhöhungen verzichten, wenn die Einmalzahlung kommt.
Warnstreik der IG Metall – Gewerkschaften sollen teils auf Lohnerhöhungen verzichten, wenn die Einmalzahlung kommt. dpa/Moritz Frankenberg

Die Lebenshaltungskosten steigen fast täglich. Um dies auszugleichen, müssten die Löhne massiv steigen. Doch dies würde die Rekord-Inflation weiter antreiben. Um diese Lohn-Preis-Spirale zu verhindern, plant Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) jetzt eine steuerfreie Einmalzahlung durch die Arbeitgeber als Ausgleich für die gestiegenen Energiekosten.

Lesen Sie auch: „Deep Fake“: So legte der falsche Klitschko halb Europa rein – und das weiß man über seine Motive >>

Im Gegenzug sollen die Gewerkschaften in ihren Tarifrunden auf einen Teil der Lohnsteigerungen verzichten, wie Bild am Sonntag berichtet. Die Sonderzahlung solle im nächsten Jahr überwiesen werden. Über die Pläne will die Bundesregierung gemeinsam mit Arbeitgebern und Arbeitnehmern am 4. Juli beraten.

Rentner bleiben bei Sonderzahlung vorerst außen vor

Scholz hatte diese sogenannte konzertierte Aktion Anfang Juni angekündigt. Die Idee, die steigenden Preise mit Einmalzahlungen auszugleichen, hat auch SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich ins Gespräch gebracht, der allerdings gleich betonte: „Wir werden nicht alles abfedern können.“

Lesen Sie auch: Chaos an deutschen Flughäfen: Jetzt sollen ausländische Hilfskräfte den Urlaub retten!

Für die Einmalzahlung spricht aus Regierungssicht laut Bild auch, dass sie schnell bei den Bürgern ankommt und Mitarbeiter mit geringen und mittleren Löhnen am stärksten profitieren. Da aber nur noch 43 Prozent der Beschäftigten nach Tarifvertrag bezahlt werden, brauche es für die Mehrheit der Beschäftigten ohne Lohnbindung und für Rentner mit geringen Bezügen noch gesonderte Lösungen, heißt es in dem Bericht weiter. Daran werde derzeit gearbeitet, hieß es.

Volkswirte fordern gezielte Hilfen für Bedürftige

Im Mai war die Inflation auf 7,9 Prozent geklettert – der höchste Stand seit den 1970er-Jahren. Mit dem Steuernachlass beim Tanken, dem 9-Euro-Ticket, einer Energiepreispauschale im September/Oktober sowie weiteren Maßnahmen versucht die Regierung bereits, die Bürger zu entlasten.

Volkswirte fordern jedoch, Hilfen gezielter einzusetzen. „Man muss das bei denjenigen abfedern, die diese Härten nicht tragen können“, mahnte die „Wirtschaftsweise“ Veronika Grimm mit Blick auf den mäßigen Erfolg des Tankrabatts. Auch Volkswirt Marc Schattenberg von Deutsche Bank Research kritisierte: „Die Unterstützung für die bedürftigen Haushalte könnte noch gezielter ausfallen als zuletzt.“

FDP will keine Schulden aufhäufen

Und Gegenwind für die SPD-Pläne gibt es auch innerhalb der Ampel-Koalition von der FDP. Finanzminister Christian Lindner machte klar, dass sich weitere Entlastungsmaßnahmen „zwingend im Rahmen der Schuldenbremse bewegen“ müssten. Lindner legt dem Kabinett seinen Haushaltsentwurf am 1. Juli vor, drei Tage vor dem geplanten Gipfel mit Arbeitgebern und Gewerkschaften.