Es ist ein Jubiläum, auf das die einen mit Freude zurückblicken – und das andere niemals im Leben feiern würden: Am 7. März vor 80 Jahren wurde die Freie Deutsche Jugend (FDJ) gegründet. Die Jugendorganisation gehörte in der DDR zum Alltag, war Freizeitclub und politisches Instrument in einem. Wer in der DDR aufwuchs, kam an der FDJ kaum vorbei. Wir werfen einen Blick zurück und zeigen Bilder aus der Geschichte der FDJ.
FDJ gehörte in der DDR für viele zum Alltag
Gegründet wurde die FDJ nach dem Zweiten Weltkrieg. In der jungen DDR sollte sie sich zu einer Massenorganisation entwickeln und für alle Jungen und Mädchen offen sein. Politik spielte eine zentrale Rolle, denn die FDJ verstand sich als „zuverlässiger Helfer und Kampfreserve der Partei der Arbeiterklasse“. Gleichzeitig bot sie aber auch Dinge, die Jugendliche wirklich interessierten: Veranstaltungen, Reisen, Musik, Sport. Genau diese Mischung machte sie so präsent im Alltag.
Mitglied wurden Kinder meist in der frühen Jugend mit der Mitgliedschaft in der Pionierorganisation „Ernst Thälmann“, die an die FDJ angegliedert war. Dort waren sie erst als Jungpioniere, später als Thälmannpioniere aktiv. Schon damals wurde die Kleidung der Mitglieder zu einem wichtigen Erkennungszeichen. Zum Outfit gehörten die weiße Pionierbluse sowie ein blaues und später rotes Halstuch. In der achten Klasse folgte dann der große Schritt in die FDJ, die weiße Bluse wurde zum Blauhemd.

In den 80er-Jahren waren rund 80 Prozent der jungen Menschen zwischen 14 und 25 Jahren Mitglied in der FDJ. Das blaue Hemd mit dem Emblem mit der aufgehenden Sonne hing in den Kleiderschränken in den meisten Jugendzimmern in der DDR. Offiziell war die Mitgliedschaft freiwillig, praktisch aber oft selbstverständlich. Das ist der Grund, warum viele mit gemischten Gefühlen auf die FDJ zurückblicken.

FDJ sollte überparteiliche Jugendorganisation sein
Zwar sollte sie zu einer überparteilichen Jugendorganisation werden, allerdings half sie vor allem dabei, junge Leute an die SED zu binden und ideologisch zu schulen. Wer sich dagegen stellte, hatte mit Nachteilen zu rechnen – wer etwa studieren wollte, kam in den meisten Fällen um eine Mitgliedschaft in der FDJ nicht herum.
Für die einen war die Mitgliedschaft eine Qual und gehörte unfreiwillig und gezwungenermaßen zum Alltag in der DDR. Andere verbanden mit der Mitgliedschaft in der FDJ einen wichtigen Schritt auf dem Weg zum Erwachsenwerden – und eine ordentliche Portion Stolz.

Die andere Seite der Medaille: Die FDJ wollte und sollte den Alltag der Jugendlichen attraktiver machen. Es wurden zwar politische Aktionen und Arbeitseinsätze organisiert, aber auch Freizeitangebote, beispielsweise in den Jugendclubs der FDJ. Die Jugendorganisation hatte sogar ein eigenes Reisebüro namens „Jugendtourist“, das Reisen vor allem nach Osteuropa organisierte.
Ab 1980 wurden sogar Reisen ins nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet angeboten, die aber limitiert waren und vom Ministerium für Staatssicherheit überprüft und überwacht wurden. Auch zahlreiche Jugendhotels gehörten zum Dunstkreis der FDJ. Und der Einflusskreis der FDJ war noch größer: Sie mischte auch beim Jugendfernsehen im Fernsehen der DDR mit, organisierte große Jugendtreffen, etwa die sogenannten Pfingstreffen, und hielt die Hände über die „Messe der Meister von Morgen“, das „Jugend forscht“ der DDR. Auch am Bau der Druschba-Trasse in der Sowjetunion wirkte die FDJ mit - es war ein sogenanntes Zentrales Jugendobjekt. Für die meisten, die mitmachten, war es ein großes Abenteuer und zugleich ein Knochenjob fern der Heimat, der allerdings bestens bezahlt wurde.


Mitglieder der FDJ erzählen unterschiedliche Geschichten
Wenn man heute mit Menschen spricht, die in der DDR jung waren, hört man sehr unterschiedliche Geschichten. Einige erinnern sich an politische Vorgaben und Druck. Andere denken an Zeltlager, Diskos, Freundschaften und vielleicht die erste Liebe. Die Wahrheit ist für jeden eine andere. Die FDJ war ein Produkt ihrer Zeit – eng verwoben mit der politischen Realität der DDR, bot aber zugleich Orte, an denen Jugendliche sich trafen, lachten, diskutierten und Erfahrungen sammelten.




