Arbeiten trotz Krankschreibung?

Ehrenamt gab ihr Kraft – jetzt kämpft die Polizistin wieder für Frauen

Krebsdiagnose, Krankschreibung, Ehrenamt: Angelique Yumusak erklärt, warum Engagement ihr durch die schwerste Zeit geholfen hat.

Author - Sebastian Karkos
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Angelique Yumusak geht es nach überstandener Krebserkrankung wieder gut.
Angelique Yumusak geht es nach überstandener Krebserkrankung wieder gut.Thomas Meyer/OSTKREUZ

Es war eine Routineuntersuchung. Doch für Angelique Yumusak (49) endete sie im Januar 2025 mit der Schockdiagnose Krebs. „Mir hat es den Boden unter den Füßen weggezogen“, sagt sie zum Berliner KURIER. Darüber zu sprechen fällt ihr schwer. Dennoch will sie ihre Geschichte erzählen – um anderen Frauen Mut zu machen. Kraft hat der Polizistin in der schwierigen Zeit vor allem eines gegeben: ihr Ehrenamt. Sie ist Bundesfrauenbeauftragte der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) – mit Leib und Seele.

Darf man trotzdem mit Krankschreibung arbeiten?

Yumusak liebt ihren Job. Er ist er nicht nur ein Geldverdienst. Auch während ihrer Krebserkrankung trug sie die Arbeit durch den Alltag. „Ich habe gearbeitet, ehrenamtlich. Das hat mir gut getan und mich vom Krebs abgelenkt.“ Aber: Arbeiten, ehrenamtlich? Geht das überhaupt? Das Thema sorgt für Aufsehen.

So machte Anfang April machte der Fall von Uta Francisco dos Santos Schlagzeilen. Als leitende Mitarbeiterin der Finanzverwaltung war sie mehr als anderthalb Jahre krankgeschrieben, wollte sich dennoch als Kandidatin für das Bürgermeisteramt in Berlin‑Mitte aufstellen lassen.

Yumusak ergreift Partei für sie, sagt: „Es gibt Stimmen, die sagen: Das geht nicht. Aber da wird mir zu schnell eine Wertung vorgenommen.“

Auch sie engagierte sich während ihrer schweren Krankheit ehrenamtlich. Sie hatte zahlreiche Tätigkeiten und sagt: „Ich bin nachweislich krank, ja! Aber soll ich deshalb wirklich nicht mehr an dem teilnehmen dürfen, was meinen Lebensinhalt ausgemacht hat? Und zwar selbst dann nicht, wenn das ärztlich begleitet und begutachtet wird?“

Angelique Yumusak setzt sich vor allem für die Belange der weiblichen Polizisten ein.
Angelique Yumusak setzt sich vor allem für die Belange der weiblichen Polizisten ein.IMAGO

Sie fährt fort: „Krank zu sein und gleichzeitig ein Ehrenamt auszuüben, etwa als Fußballtrainer, der zweimal pro Woche eine Jugendmannschaft trainiert und am Wochenende auf dem Platz steht, schließt sich doch nicht aus. Im Gegenteil: Das kann einen anderen, stabilisierenden Fokus geben.“

Arbeitgeber war über ihr Engagement informiert

Ihr Arbeitgeber, die Polizei, war während ihrer Krankschreibung informiert. Yumusak erklärt: „Sie wussten Bescheid und haben mich unterstützt. Denn wenn ein Engagement medizinisch eingeordnet ist, dazu gibt es auch entsprechende Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts, und der Genesung dient, dann sollte alles darangesetzt werden, genau das zu ermöglichen.“

Über ihre Krankheit sprach sie im vergangenen Jahr dennoch kaum. Der Grund: „Ich hatte diese Angst, dass ich nur noch über den Krebs definiert werde. Dass ich abgewertet werde und am Ende alles verliere, was ich mir aufgebaut habe.“

Seit vier Jahren ist Angelique Yumusak Bundesfrauenbeauftragte der Deutschen Polizeigewerkschaft.
Seit vier Jahren ist Angelique Yumusak Bundesfrauenbeauftragte der Deutschen Polizeigewerkschaft.Thomas Meyer/OSTKREUZ

Die ehrenamtliche Arbeit war für die dreifache Mutter keine Belastung, sondern eine Kraftquelle: „Ich wusste, dass ich während meiner Behandlungsphasen nicht alle Termine wahrnehmen kann. Ich habe rund zwei Drittel absagen müssen, weil ich gemerkt habe: Das tut mir in dem Moment nicht gut.“

Yumusak gibt zu: „Natürlich gab es Phasen, in denen es mir nicht gut ging, in denen es schwer war, mich aufzuraffen und das Haus zu verlassen. Im Endeffekt hat das Ehrenamt aber einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass es mir besser ging – und dass ich zum Beispiel nicht in eine Depression oder andere problematische Bereiche abgerutscht bin.“

Sie ist überzeugt: „Für mich war das Ehrenamt wirklich das Beste, was mir passieren konnte. Die Termine waren auch mit den Ärzten abgestimmt. Die Frage lautete immer: Ist es gut, diesen Termin wahrzunehmen? Für mich hatte diese Arbeit einen klaren Mehrwert.“

Angelique Yumusak trägt ihren Sohn auf den Armen.
Angelique Yumusak trägt ihren Sohn auf den Armen.Steffen Knobloch

Immer an ihrer Seite in dieser schweren Zeit: ihre Familie. „Ich bin dreifache Mutter. Gesund zu werden stand für mich immer im Fokus. Für meine Kinder habe ich alles gemacht, damit sie nicht sehen, wie schlecht es mir geht. Um mich abzulenken, hat das Ehrenamt mir gut getan. Es hat mir Halt gegeben im Alltag und mich von meine Ängsten abgelenkt.“

Yumusak möchte Frauenbeauftragte bleiben

Heute geht es Angelique Yumusak wieder gut. „Ja, alle Werte sind durchweg positiv.“ In ihren Dienstalltag als Polizistin ist in diesem Jahr zurückgekehrt. Jetzt will sie auch ihr Amt als Frauenbeauftragte der Polizeigewerkschaft fortsetzen.

Am Montag wird gewählt. Yumusak sagt: „Ich fühle mich besonders motiviert, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass ich dieses Amt nicht allein ausübe. Gemeinsam mit Frauen aus allen Bundesländern tragen wir diese Aufgabe. Dieses Netzwerk von Frauen innerhalb unserer Gewerkschaft hat sich auf eine Weise entwickelt, die ich nur ungern aufgeben würde. Und genau dieses Feedback bekomme ich auch zurück: Es ist beeindruckend, welche Schwesternschaft wir hier aufgebaut haben.“

Für Yumusak ist klar: Wer krank ist, darf trotzdem kämpfen – für sich und für andere.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Darf man sich während einer Krankschreibung ehrenamtlich engagieren? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com