Sind die Deutschen ein Volk von Blaumachern? Für Friedrich Merz (70, CDU) ist die Sache klar. Deswegen nimmt der Bundeskanzler die telefonische Krankschreibung ins Visier.
Die Deutschen kommen im Schnitt auf 14,5 Krankentage. Zu viel, findet Merz, der den Blaumachern an den Kragen will: „Das sind fast drei Wochen, in denen die Menschen in Deutschland aus Krankheitsgründen nicht arbeiten. Ist das wirklich richtig? Ist das wirklich notwendig?“
Die Merz-Lösung: Man müsse Anreize schaffen, dass die Menschen ihrer Beschäftigung nachgingen. Die telefonische Krankschreibung ist dem Kanzler dabei ein Dorn im Auge. Diese gilt seit 2021; die Union drängt auf eine Abschaffung. Merz: „Während der Coronazeit begründet richtig, heute immer noch?“
Merz fordert höhere volkswirtschaftliche Leistung
Der Kanzler weiter: „Am Ende des Tages muss stehen, dass wir alle zusammen in dieser Bundesrepublik Deutschland eine höhere volkswirtschaftliche Leistung gemeinsam erreichen, als wir sie gegenwärtig erreichen.“

CSU-Chef Markus Söder ist ebenfalls offen für eine Abschaffung und meinte zuletzt: „Das Blaumachen muss reduziert werden.“ Im Koalitionsvertrag von Union und SPD ist zumindest schon von Korrekturen die Rede, Merz will sich zu diesem Thema nun mit der SPD austauschen. Bei Linken und BSW stoßen seine Aussagen unterdessen auf Kritik.
Linken-Bundesgeschäftsführer Janis Ehling (41) kann die CDU/CSU nicht verstehen: „Wer den hohen Krankenstand beklagt, sollte über Überlastung, Personalmangel und krankmachende Arbeitsbedingungen reden, statt Beschäftigten fehlende Arbeitsmoral zu unterstellen.“
Linke und BSW kritisieren die Aussagen der Regierung
Der BSW-Vorsitzende Fabio De Masi (45) sagt: „Das Problem der deutschen Wirtschaft ist nicht der Krankenstand derjenigen, die den Laden am Laufen halten, sondern die miserable Wirtschaftspolitik mit hohen Energiepreisen und kaputter Infrastruktur.“

Laut Statistischem Bundesamt waren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland 2024 durchschnittlich 14,8 Arbeitstage krank gemeldet. Das ist ein Anstieg um 3,6 Krankheitstage im Vergleich zu 2021. 2007 lagen die Fehlzeiten im Übrigen bei 8,1 Tagen.
Zunahme der Krankschreibungen durch elektronischer AU
Die Zunahme der Krankschreibungen soll auch eine direkte Folge auf die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung 2022 sein. Damit würden Krankmeldungen vollständiger erfasst.




