Umfrage

Soll Kai Wegner zurücktreten? Das denken die Berliner

Berlins Regierender Kai Wegner (CDU) steht wegen seiner Tennisstunde zu Beginn des Blackouts im Südwesten der Stadt  in der Kritik.

Author - Stefan Doerr
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Berlins Regierender Kai Wegner steht im Kreuzfeuer der Kritik.
Berlins Regierender Kai Wegner steht im Kreuzfeuer der Kritik.IMAGO/Stefan Zeitz

Mitten im Winter saßen rund 100.000 Menschen im Südwesten Berlins im Dunkeln: Wegen eines Brandanschlags auf das Berliner Stromnetz fielen Heizungen aus, Internet und Mobilfunk gingen ebenfalls nicht, Geschäfte und Tankstellen blieben geschlossen. Ins Kreuzfeuer der Kritik geriet Berlins Regierender Kai Wegner (CDU), weil er in der Krise Tennis spielen ging und das auf Nachfrage nicht angegeben hatte. Die Berliner nehmen ihm das bitter übel, wie eine Umfrage zeigt.

Wegner verschwieg Tennisstunde

Berlin hatte nach dem Brandanschlag am Samstag, 3. Januar, eine Großschadenslage ausgerufen, Notunterkünfte eingerichtet und die Bundeswehr um Hilfe gebeten. Erst nach mehreren Tagen konnten am Mittwoch wieder alle Haushalte versorgt werden.

Kai Wegner dagegen stand wenige Stunden nach Beginn des längsten Blackouts der Berliner Nachkriegsgeschichte auf dem Tennisplatz – mit Lebensgefährtin und Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU). Doch diese Sportstunde gab er erst Tage später zu. „Mir war an diesem Tag wichtig, dass ich eine Stunde Sport mache“, sagte Wegner später. „Ich musste abschalten. Ich musste herunterkommen. Ich musste meine Gedanken fassen und ordnen.“

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) spielte mit Lebensgefährtin Katharina Günther-Wünsch (CDU) mitten in der Stromkrise Tennis.
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) spielte mit Lebensgefährtin Katharina Günther-Wünsch (CDU) mitten in der Stromkrise Tennis.Fabian Sommer/dpa

Soll Wegner zurücktreten?

Die Berliner nehmen das dem Regierenden sehr übel. In einer Umfrage des Instituts Insa für die Bild-Zeitung wurde gefragt: „Wie bewerten Sie das Krisenmanagement der Berliner Landesregierung nach dem Stromausfall in dieser Woche?“ Befragt wurden 1005 Wahlberechtigte in ganz Deutschland, nicht nur in Berlin. 59 Prozent antworten demnach mit „schlecht“, 21 Prozent mit „gut“. Die anderen machten keine Angabe.

Grüne und FDP waren über Wegners Tennis-Skandal so empört, dass sie Wegners Rücktritt forderten. Doch da zieht offenbar keine Mehrheit in Berlin mit. In der Insa-Umfrage für die Bild-Zeitung wollen 41 Prozent, dass Wegner seinen Posten räumt, 37 Prozent sind dagegen, bei 19 Prozent Enthaltungen.

Ehrenamtliche Mitarbeiter des DRK bauen während des Stromausfalls im Südwesten Berlins in einer Notunterkunft Feldbetten auf.
Ehrenamtliche Mitarbeiter des DRK bauen während des Stromausfalls im Südwesten Berlins in einer Notunterkunft Feldbetten auf.Sebastian Gollnow/dpa

Keine Entschuldigung von Kai Wegner

Wegner selbst sieht ebenfalls keinen Grund für einen Rücktritt. Die Fraktion stärkte dem Spitzenkandidaten für die Wahl eines neuen Berliner Landesparlaments im September den Rücken, und Wegner bleibt standhaft. „Es gibt ja keinen Grund zur Entschuldigung, wenn man eine Krise anderthalb Tage vorher beendet“, sagte der CDU-Spitzenkandidat. „Wir haben das gut hinbekommen.“ Doch dass er von dem einstündigen Sporttermin zu Beginn des Stromausfalls tagelang nichts gesagt hat, sieht er nach eigenen Worten als Fehler an.

Ermittlungen gegen „Vulkangruppe“

Die eigentlichen Reparaturarbeiten nach dem Blackout in Lichterfelde werden noch Monate in Anspruch nehmen. Laut Stromnetz Berlin wurde eine zweite provisorische Hochspannungsleitung in Betrieb genommen, die das betroffene Gebiet mit Strom versorgt. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat die Ermittlungen übernommen. In einem Bekennerschreiben hatte eine der linksextremistischen „Vulkangruppen“, die seit 2011 vor allem in Berlin und Brandenburg immer wieder Brandanschläge auf die öffentliche Infrastruktur verübt haben sollen, die Tat für sich reklamiert.

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