Mitten im Winter saßen rund 100.000 Menschen im Südwesten Berlins im Dunkeln: Wegen eines Brandanschlags auf das Berliner Stromnetz fielen Heizungen aus, Internet und Mobilfunk gingen ebenfalls nicht, Geschäfte und Tankstellen blieben geschlossen. Ins Kreuzfeuer der Kritik geriet Berlins Regierender Kai Wegner (CDU), weil er in der Krise Tennis spielen ging und das auf Nachfrage nicht angegeben hatte. Die Berliner nehmen ihm das bitter übel, wie eine Umfrage zeigt.
Wegner verschwieg Tennisstunde
Berlin hatte nach dem Brandanschlag am Samstag, 3. Januar, eine Großschadenslage ausgerufen, Notunterkünfte eingerichtet und die Bundeswehr um Hilfe gebeten. Erst nach mehreren Tagen konnten am Mittwoch wieder alle Haushalte versorgt werden.
Kai Wegner dagegen stand wenige Stunden nach Beginn des längsten Blackouts der Berliner Nachkriegsgeschichte auf dem Tennisplatz – mit Lebensgefährtin und Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU). Doch diese Sportstunde gab er erst Tage später zu. „Mir war an diesem Tag wichtig, dass ich eine Stunde Sport mache“, sagte Wegner später. „Ich musste abschalten. Ich musste herunterkommen. Ich musste meine Gedanken fassen und ordnen.“

Soll Wegner zurücktreten?
Die Berliner nehmen das dem Regierenden sehr übel. In einer Umfrage des Instituts Insa für die Bild-Zeitung wurde gefragt: „Wie bewerten Sie das Krisenmanagement der Berliner Landesregierung nach dem Stromausfall in dieser Woche?“ Befragt wurden 1005 Wahlberechtigte in ganz Deutschland, nicht nur in Berlin. 59 Prozent antworten demnach mit „schlecht“, 21 Prozent mit „gut“. Die anderen machten keine Angabe.
Grüne und FDP waren über Wegners Tennis-Skandal so empört, dass sie Wegners Rücktritt forderten. Doch da zieht offenbar keine Mehrheit in Berlin mit. In der Insa-Umfrage für die Bild-Zeitung wollen 41 Prozent, dass Wegner seinen Posten räumt, 37 Prozent sind dagegen, bei 19 Prozent Enthaltungen.

Keine Entschuldigung von Kai Wegner
Wegner selbst sieht ebenfalls keinen Grund für einen Rücktritt. Die Fraktion stärkte dem Spitzenkandidaten für die Wahl eines neuen Berliner Landesparlaments im September den Rücken, und Wegner bleibt standhaft. „Es gibt ja keinen Grund zur Entschuldigung, wenn man eine Krise anderthalb Tage vorher beendet“, sagte der CDU-Spitzenkandidat. „Wir haben das gut hinbekommen.“ Doch dass er von dem einstündigen Sporttermin zu Beginn des Stromausfalls tagelang nichts gesagt hat, sieht er nach eigenen Worten als Fehler an.



