Alarmierende Zahlen aus der Hauptstadt. Immer häufiger greifen Täter in Berlin zur Schusswaffe oder drohen damit. Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr 1119 Fälle – ein Anstieg um satte 68 Prozent. Immerhin: Laut neuer Kriminalstatistik gab es insgesamt deutlich weniger Straftaten.
Polizeistatistik zeigt: Viele drohen mit der Schusswaffe
In mehr als der Hälfte der Fälle blieb es bei Schusswaffen-Delikten bei Drohungen. Doch in 515 Fällen wurde tatsächlich geschossen. Zum Vergleich: 2024 waren es noch 363 Schuss-Vorfälle. Ein Teil des Anstiegs hängt auch damit zusammen, dass seit 2025 genauer erfasst wird, wenn bei Straftaten Waffen eingesetzt werden.
Iris Spranger (SPD) spricht allerdings von einem klaren Warnsignal: „Für illegalen Waffenbesitz und bewaffnete Auseinandersetzungen gilt in Berlin: Null Toleranz.“ Wenn Konflikte mit Schusswaffen ausgetragen würden, sei „eine rote Linie überschritten“. Erst vergangene Nacht fielen in Kreuzberg Schüsse, zwei Männer wurden verletzt. Warum geschossen wurde, ist noch unklar.

Beim Kampf gegen Messerangriffe sieht der Senat dagegen erste Erfolge. In den neuen Waffen- und Messerverbotszonen rund um den Görlitzer Park, das Kottbusser Tor und den Leopoldplatz sind Messertaten laut Senat um 25 bis 45 Prozent gesunken. Trotzdem bleibt das Problem groß. 3599 Fälle wurden insgesamt registriert – ein Plus von 5,5 Prozent. Bei etwa der Hälfte handelte es sich allerdings nur um Drohungen.
Maßnahmen gegen Messergewalt zeigen laut Polizei Erfolg
Die Polizei ermittelte 1906 Verdächtige: 86 Prozent waren Männer, 56 Prozent ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Vier verurteilten Messertätern wurde laut Spranger der Führerschein entzogen, neun weitere mussten zur medizinisch-psychologischen Untersuchung. Außerdem wurde fünf Menschen das Tragen von Messern verboten, in weiteren 26 Fällen werde das überprüft.

Insgesamt registrierte die Berliner Polizei 502.743 Straftaten – das waren 36.306 Fälle oder 6,7 Prozent weniger als 2024. Ein Erfolg, denn damit ist Berlin, mit Ausnahme der Corona-Jahre, insgesamt so sicher wie seit zehn Jahren nicht. Allerdings lag die Aufklärungsquote bei 44,9 Prozent, heißt: mehr als jedes zweite Verbrechen bleibt ungeklärt.
Gewalt gegen Frauen laut Kriminalstatistik stark gestiegen
Sorgen bereitet weiterhin auch die Gewalt im Alltag. Die Zahl der Gewalttaten wie Körperverletzungen lag in der Statistik bei rund 80.500 Fällen. Davon waren 20.160 Menschen Opfer von Partnerschafts- und Familiengewalt, ein Plus von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 70 Prozent der Opfer waren Frauen. Auch Sexualdelikte nahmen zu. 8652 Fälle der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung zählt die Polizei. Ein skandalöser Anstieg von 16 Prozent.




