Bestechlichkeits-Skandal

Berliner Ex-Senatorin (SPD) kassiert trotz Verurteilung noch 60.000 Euro von Steuerzahlern

Dilek Kalayci (SPD) wurde wegen Bestechlichkeit verurteilt und verliert deshalb einen Großteil ihrer Altersvorsorge – aber nicht alles davon.

Author - Sharone Treskow
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Die ehemalige Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci hat wegen eines Gerichtsurteils rund 80.000 Euro pro Jahr verloren.
Die ehemalige Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci hat wegen eines Gerichtsurteils rund 80.000 Euro pro Jahr verloren.Christian-Ditsch / Imago

Berlin zieht Konsequenzen: Die frühere Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci verliert nach ihrer Verurteilung wegen Bestechlichkeit endgültig ihr Ruhegehalt. Nach dem Gerichtsurteil von 2025 setzt sich für die SPD-Politikerin der politische Absturz nun weiter fort.

Kalayci verliert 80.000 Euro im Jahr

Die Entscheidung fiel nach monatelanger Prüfung durch das zuständige Landesverwaltungsamt. Der Tagesspiegel berichtet. Die Behörde, die dem Haus von Finanzsenator Stefan Evers (CDU) untersteht, bestätigte lediglich, dass man die „gesetzlichen Regelungen“ sowie die daraus folgenden Maßnahmen umgesetzt habe.

Details bleiben aufgrund „personenbezogener Daten“ unter Verschluss. Klar ist jedoch: Kalayci muss nicht nur auf künftige Zahlungen verzichten, sondern auch Gelder zurückzahlen, die sie noch nach Rechtskraft des Urteils im Dezember 2025 erhalten hatte. Schätzungen des Bundes der Steuerzahler zufolge lag das monatliche Ruhegehalt bei mindestens 6700 Euro. Das macht rund 80.000 Euro im Jahr.

 Dilek Kalayci hat ihren Anspruch auf ein Ruhegehalt als ehemalige Senatorin verloren.
Dilek Kalayci hat ihren Anspruch auf ein Ruhegehalt als ehemalige Senatorin verloren.Berlinfoto / Imago

Die juristische Grundlage für diesen Schritt ist eindeutig. Laut Landesbeamtenversorgungsgesetz verlieren ehemalige Regierungsmitglieder ihre Versorgungsansprüche, wenn sie wegen bestimmter Straftaten verurteilt werden. Bereits bei einer Freiheitsstrafe von einem Jahr – oder bei Delikten wie Bestechlichkeit ab sechs Monaten – greifen diese Regeln. Kalayci war zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden.

Bestechlichkeit führt zu drastischen Konsequenzen

Auslöser des Verfahrens war ein Vorgang aus dem Jahr 2019: Eine Werbeagentur hatte die Hochzeit der damaligen Senatorin organisiert – ohne Rechnung zu stellen. Ein Jahr später erhielt eben diese Agentur einen millionenschweren Auftrag aus Kalaycis Gesundheitsverwaltung. Konkret ging es um eine Kampagne für die Pflegebranche im Wert von 250.000 Euro. Nach Überzeugung des Berliner Landgerichts nahm Kalayci persönlich Einfluss auf die Vergabe.

Für das Gericht ein klarer Fall: Kalayci hat sich bestechlich gezeigt.
Für das Gericht ein klarer Fall: Kalayci hat sich bestechlich gezeigt.Reto Klar / Imago

Im April 2025 fiel schließlich das Urteil: schuldig der Bestechlichkeit. Das Gericht verhängte eine Bewährungsstrafe, die nun weitreichende finanzielle Folgen nach sich zieht. Mit der Aberkennung des Ruhegehalts verliert Kalayci eine zentrale Einnahmequelle aus ihrer Zeit als Senatorin.

Gesetz sorgt für Verlust der Beamtenrechte

Die rechtliche Konstruktion ist klar geregelt: Wird einem Beamten oder einer vergleichbaren Amtsperson das Beamtenverhältnis aberkannt, betrifft das auch den Status im Ruhestand. Damit endet automatisch der Anspruch auf Versorgungsbezüge. Genau dieser Mechanismus griff nun im Fall der früheren Berliner Spitzenpolitikerin.

Kalayci war vom 1. Dezember 2016 bis zum 21. Dezember 2021 Gesundheitssenatorin von Berlin – genau in der Hochphase der Corona-Pandemie.
Kalayci war vom 1. Dezember 2016 bis zum 21. Dezember 2021 Gesundheitssenatorin von Berlin – genau in der Hochphase der Corona-Pandemie.Berlinfoto / Imago

Kalaycis politische Karriere hatte einst vielversprechend begonnen. Bereits 2001 zog sie erstmals ins Abgeordnetenhaus ein. Von November 2011 bis Dezember 2021 gehörte sie dem Berliner Senat an, zunächst als Arbeitssenatorin, später als Gesundheitssenatorin – ein einflussreiches Amt, das sie über Jahre prägte.

Teil der Bezüge bleibt bestehen – auf Kosten der Steuerzahler

Ganz ohne Einnahmen steht Kalayci allerdings nicht da. Und das dürfte bei vielen Menschen für Aufregung sorgen. Denn trotz des Verlusts des Ruhegehalts bleibt ihr ein anderer Anspruch erhalten: die Abgeordnetenaltersentschädigung. Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler beläuft sich diese auf rund 5000 Euro monatlich und steht ihr weiterhin vollständig zu.

Die Ex-Gesundheitssenatorin bekommt trotz ihrer Verurteilung also noch 60.000 Euro pro Jahr – die indirekt aus öffentlichen Mitteln stammen und letztlich vom Steuerzahler kassiert werden. Ist das fair?  Schicken Sie uns einen Leserbrief mit Ihrer Meinung per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.