24 Taten sind bereits verjährt

Es geht um Millionen: Unglaublicher Berliner Flüchtlings-Skandal

Zwei Berliner Wirte sollen Flüchtlingsgelder veruntreut haben. Millionenverdacht, Verjährungs-Drama, Prozesschaos. Jetzt steht nur noch einer vor Gericht.

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Der Angeklagte Marko T. (56) mit seinen Verteidigern vor dem Berliner Gericht.
Der Angeklagte Marko T. (56) mit seinen Verteidigern vor dem Berliner Gericht.Olaf Wagner

Zwei Berliner Wirte unter Verdacht: Zockten sie Flüchtlingsgelder in Millionenhöhe ab? Der Skandal: Der Fall liegt jahrelang bei der Justiz. Bis Verjährung droht.

Zweiter Angeklagter fehlte wegen Urlaub vor Gericht

Sie gelten als zwei Schwergewichte der Berliner Kneipenkultur: Marko T. (56) und Eiko S. (56). Die Anklage lautet auf gewerbsmäßigen Betrug und Untreue. Tatzeit: November 2015 bis August 2017. Es geht um 578.000 Euro sowie um Barabhebungen in Höhe von 1,1 Millionen Euro.

Erste Prozesshürde: S. ist nicht erschienen. Sein Anwalt: „Er ist in einen gebuchten und bezahlten Urlaub gefahren. Das hatte er dem Gericht auch mitgeteilt.“ Die Richterin entscheidet: „Abtrennung des Verfahrens gegen S. mit Blick auf die drohende Verjährung.“

Die Mühlen der Justiz mahlten langsam: Ermittlungsbeginn 2017. Seit Oktober 2022 liegt die Anklage vor. Drei Jahre wird der Prozess um insgesamt 1,7 Millionen Euro vor sich hergeschoben. Dann eine Verhandlung im Oktober 2025. Doch das geplante Zeitlimit ist zu eng – der erste Prozessanlauf geplatzt.

Der Angeklagte Marko T.(56) erschien allein vor Gericht.
Der Angeklagte Marko T.(56) erschien allein vor Gericht.Olaf Wagner

Nun steht Gastronom T. allein vor Gericht. Er und S. waren Verantwortliche in einem Verein, der eine Notunterkunft für Geflüchtete in Lichtenberg betrieb. Eine Turnhalle, 200 Betten, Essen in Boxen. Marko T.: „Ein Chaos, aber alle haben ihr Bestes gegeben.“ Unkompliziert hätten sie alles hergerichtet – „Einrichtung, Essen, Reinigung, Sozialarbeiter, Security“.

24 der 96 Taten sind bereits verjährt

Der Staatsanwalt aber geht von Abzocke aus: 18 angeblich vorsätzlich überhöhte Rechnungen für Reinigung und Nahrungsmittel sind in der Anklage aufgelistet. Außerdem sollen die Angeklagten 78 Barabhebungen vom Vereinskonto getätigt haben.

Doch von insgesamt 96 Taten in der Zeit von November 2015 bis August 2017 sind inzwischen 24 absolut verjährt, teilte die Richterin nun mit. Diese Vorwürfe sind damit vom Tisch – ohne ein Urteil. Ein nächster Punkt der Anklage würde am 1. Juli verjähren.

Das Verfahren gegen die beiden Wirte wird am 3. Juni fortgesetzt.
Das Verfahren gegen die beiden Wirte wird am 3. Juni fortgesetzt.Olaf Wagner

Mirko T. widerspricht der Anklage und meint, sie seien kreativ für die Flüchtlinge tätig gewesen bei korrekter Abrechnung. Der Gastronom: „Das Landesamt für Flüchtlinge forderte, dass Essen für Vollbelegung vorrätig war, aber nicht immer waren alle Betten belegt, wir mussten oft Essen wegschmeißen.“ Da hätten sie eben kurzerhand umbestellt – „weniger Boxen, dafür mehr Obst oder mal frisches Fleisch für den Grill im Gegenwert zum Eingesparten“. Putzaufwand? „Toiletten mussten mehrmals täglich gemacht werden.“

Und die Barabhebungen? „Wir mussten ständig Sachen bezahlen – Rasierklingen oder Windeln. Es waren horrende Summen für Hygieneartikel.“ Fortsetzung: 3. Juni.

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