Kai Wegner stehen unruhige Monate bevor. Vier Monate vor der Berlin-Wahl gerät der Regierende Bürgermeister immer stärker unter Druck – und der nächste Abgang in seinem engsten Umfeld sorgt jetzt für neuen Ärger.
Digitalchef weg nach 69 Tagen – neuer Rückschlag für Wegner
Der Staatssekretär für Digitalisierung, Matthias Hundt, hat nach nur 69 Tagen im Amt um seine Entlassung gebeten. Der Rückzug kommt abrupt, aber überraschend ist er wohl nicht: Zweifel an angeblich geschönten Stationen in seinem Lebenslauf sowie Ermittlungen im Zusammenhang mit früheren Firmeninsolvenzen hatten seinen Ruf zuletzt massiv belastet.

Dabei sollte Hundt die Berliner Verwaltung modernisieren. Doch der Neustart wurde zum Schnellschuss: Nach dem überraschenden Wechsel der bisherigen Digitalchefin Martina Klement nach Brandenburg präsentierte Wegner binnen weniger Tage einen Nachfolger.
Laut eigenen Aussagen kam Wegners Entscheidung für Hundt in „nur 15 Sekunden“ zustande – Zeit für gründliche Prüfungen blieb offenbar nicht. Nun ist der Posten schon wieder vakant.
Rücktritte im Senat häufen sich – mehrere Top-Posten betroffen
Der Fall Hundt reiht sich ein in eine Serie von Personalproblemen, die den Senat seit dem Amtsantritt des CDU-Politikers im April 2023 begleiten.
Besonders auffällig: Gleich mehrere Spitzenposten mussten neu besetzt werden. Bereits 2024 verlor Wegner mit Verkehrssenatorin Manja Schreiner eine zentrale Figur, nachdem deren Doktortitel wegen Plagiatsvorwürfen aberkannt worden war. Der Druck wurde zu groß und sie trat zurück.

Im Kulturbereich folgte ein doppelter Paukenschlag. Zunächst legte Kultursenator Joe Chialo 2025 sein Amt nieder – offiziell wegen der umstrittenen Sparpolitik. Doch damit war die Baustelle nicht erledigt: Seine Nachfolgerin Sarah Wedl‑Wilson musste 2026 ebenfalls gehen, nachdem ein Rechnungshofbericht schwere Vorwürfe wegen rechtswidriger Förderpraxis erhoben hatte.
Es sieht schlecht aus für Kai Wegner
Damit sind bereits mehrere Schlüsselpositionen während Wegners Amtszeit vorzeitig neu besetzt worden. Auch auf Ebene der Staatssekretäre gab es Bewegung: Schon 2023 musste eine Sport-Staatssekretärin ihren Posten räumen. Nun fällt mit Hundt ein weiterer wichtiger Mann im innersten Machtzirkel.
Für Wegner kommt die Serie der Abgänge zur denkbar schlechtesten Zeit. Denn die Hauptstadt steuert auf die nächste Wahl zu, gleichzeitig sinken die Umfragewerte der CDU (nur rund 19 Prozent), und politische Baustellen – etwa sein umstrittener Umgang mit dem großen Stromausfall Anfang des Jahres – sorgen zusätzlich für Kritik.
Wahlkampf unter Druck – Personalchaos wird zum Risiko
Das Bild, das sich ergibt, ist heikel: wichtige Posten, die nicht lange besetzt bleiben, Personalentscheidungen unter Zeitdruck – und immer neue Schlagzeilen über Rücktritte und Entlassungen. Für den Regierungschef ist das gefährlich, denn Stabilität gilt in Krisenzeiten als politisches Kapital.

Der Abgang des Digitalchefs wirkt dabei wie ein Symbol: Ausgerechnet in einem Bereich, der für Berlin als Zukunftsprojekt gilt, herrscht erneut Unruhe. Und je näher die Wahl rückt, desto mehr stellt sich die Frage, ob Wegner die Kontrolle über sein Team behalten kann – oder ob weitere Abgänge folgen.


