Berlins Kultursenatorin Sarah Wedl‑Wilson (56) räumt ihren Posten auf eigenen Wunsch hin. Nach der massiven Kritik des Berliner Landesrechnungshofs an der Vergabe von Fördermitteln gegen Antisemitismus hat die parteilose Politikerin den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) jetzt um ihre Entlassung gebeten. Zuvor hatte der Rechnungshof mehrere Förderentscheidungen in Millionenhöhe als rechtswidrig eingestuft und die Kulturverwaltung schwer belastet.
Wedl-Wilson tritt zurück, auf eigenen Wunsch hin
Der Rechnungshof kam zu einem eindeutigen Urteil: Das Verfahren zur Vergabe der Mittel sei „evident rechtswidrig“ gewesen. Betroffen sind alle 13 Förderbescheide, die im vergangenen Jahr erteilt wurden. Der Bericht setzt die Hausleitung der Kulturverwaltung erheblich unter Druck – politisch wie organisatorisch.

Schon zuvor hatten mehrere mit dem Vorgang vertraute Quellen erklärt, dass ein Rücktritt der Senatorin unmittelbar bevorstehen könnte. Nun ist klar: Wedl‑Wilson zieht selbst die Konsequenzen.
Kai Wegner selbst erklärt in einer offiziellen Mitteilung am Freitagvormittag: „Die Senatorin für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, Sarah Wedl-Wilson, hat nach dem Rechnungshofbericht heute um ihre Entlassung aus dem Amt gebeten.“
Bürgermeister stellt sich weiterhin hinter Wedl-Wilson
Wegner betont weiter: „Sarah Wedl-Wilson übernimmt politisch und persönlich Verantwortung – dafür gebührt ihr Respekt. Ich danke Sarah Wedl-Wilson sehr für ihren herausragenden Einsatz für die Berliner Kultur in den vergangenen drei Jahren.“

Sie habe als Staatssekretärin und seit 2025 auch als Senatorin stets einen offenen und vertrauensvollen Austausch mit den Kulturschaffenden in Berlin geführt und den Kulturdialog in vorbildlicher Weise umgesetzt.
Wegner: „Werden im Kampf gegen Antisemitismus in Berlin nicht nachlassen“
„Ihr ist es gelungen, auch in herausfordernden Zeiten die Qualität der Berliner Kunst und Kultur zu fördern und zu stärken. Sarah Wedl-Wilson hat alles dafür getan, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserer Stadt zu stärken und gleichzeitig Antisemitismus in Berlin zu bekämpfen“, erklärt er weiter.
„Die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen
Zusammenhalt wird durch den von Sarah Wedl-Wilson gestarteten Prozess nun sicherstellen, dass es eine rechtssichere Förderkulisse bei Projekten gegen Antisemitismus geben wird.“ Abschließend betont der Regierende: „Denn auch das ist sicher: Wir werden im Kampf gegen Antisemitismus in Berlin nicht nachlassen.“
Rechnungshof rügt massive Mängel in der Kulturverwaltung
Auslöser der Eskalation ist ein am Donnerstag veröffentlichter Prüfbericht des Landesrechnungshofs. Die Prüfer bemängeln hier gravierende Defizite bei internen Abläufen: Entscheidungen seien nicht ausreichend dokumentiert, Kontrollen ungenügend durchgeführt worden. Zudem habe die Kulturverwaltung gegen die Landeshaushaltsordnung und weitere Regeln verstoßen.
Die geprüften Vorhaben stammen von einer Liste mit 18 Projekten, für deren Förderung sich vor allem die CDU‑Fraktion bei der Kulturverwaltung starkgemacht hatte. Grünen und Linken zufolge geschah dies in unzulässiger Weise. Am Ende bewilligte Wedl‑Wilson die Mittel trotzdem – setzte die Unterschrift gegen den politischen Widerstand der Opposition.
Entlassung des Staatssekretärs reicht politisch nicht aus
Bereits am Dienstag reagierte Wedl‑Wilson und entließ ihren Staatssekretär Oliver Friederici. In politischen Kreisen wurde dieser Schritt jedoch schnell als unzureichend bewertet, teils fiel der Begriff „Bauernopfer“. Die Verantwortung für die Vorgänge rückte damit immer stärker in Richtung der Senatorin selbst.

Für Kai Wegner ist der Abgang ein weiterer Rückschlag. Wedl‑Wilson ist nach Ex-Kultursenator Joe Chialo bereits die zweite Amtsinhaberin, die ihr Amt vorzeitig abgibt. Insgesamt ist sie das dritte Mitglied seines Senats, das nicht bis zum regulären Ende im Amt bleibt.


