Das geht gar nicht!

Laschet lacht, Wegner spielt Tennis! Politiker-Skandale im Krisenmodus

Kai Wegner spielt während des Stromausfalls Tennis und sorgt damit für einen gewaltigen Aufschrei. Solche Ausrutscher in der Politik sind keine Seltenheit.

Author - Sebastian Krause
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Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat eingeräumt, am Samstag während des Stromausfalls Tennis gespielt zu haben.
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat eingeräumt, am Samstag während des Stromausfalls Tennis gespielt zu haben.dpa

Berlin hat in den vergangenen Tagen mal wieder die Schlagzeilen bestimmt. Nach dem Brandanschlag auf die Stromversorgung im Südwesten der Stadt saßen Zehntausende Menschen seit Samstagfrüh im Dunkeln.

Spätestens seit Mittwoch ist klar: Beim Krisenmanagement lief nicht alles glatt. Kai Wegner, der Regierende Bürgermeister, musste sich fragen lassen, ob er am ersten Tag des großflächigen Stromausfalls die Lage ernst genug genommen hat. Denn wie jetzt herauskam, hatte der CDU-Politiker Samstagmittag, mehrere Stunden nach Beginn des Stromausfalls, eine Stunde lang auf dem Tennisplatz verbracht.

Am Sonntag noch hatte er auf eine Journalistenfrage zum Tagesablauf am Samstag das Tennisspiel nicht erwähnt. Schon kommt Kritik auf – und manche Erinnerung an andere Fälle, in denen das Verhalten von Politikern in Krisenlagen für Ärger sorgte. Der Berliner KURIER blickt auf legendäre Politiker-Patzer zurück.

Armin Laschet lacht im Flutgebiet

Der damalige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Unionskanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) besuchte im Juli 2021 das Hochwassergebiet in Erftstadt. Während Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor Fernsehkameras den zahlreichen Opfern der verheerenden Katastrophe sein Mitgefühl aussprach, war im Hintergrund zu sehen, wie Laschet im Gespräch mit anderen lachte.

Armin Laschet (CDU), damaliger Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, lacht, während Bundespräsident Steinmeier (nicht im Bild) ein Pressestatement gibt. Der Lacher im Flutgebiet trug dem damaligen Unions-Kanzlerkandidaten viel Kritik ein.
Armin Laschet (CDU), damaliger Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, lacht, während Bundespräsident Steinmeier (nicht im Bild) ein Pressestatement gibt. Der Lacher im Flutgebiet trug dem damaligen Unions-Kanzlerkandidaten viel Kritik ein.Marius Becker/dpa

Die Szene kostete ihn viele Sympathien. Zwei Monate später verlor die Union die Bundestagswahl.

Anne Spiegel macht bald nach der Flut Urlaub

Wegen der Ahrtal-Flutkatastrophe trat die Grünen-Politikerin Anne Spiegel im April 2022 als Bundesfamilienministerin zurück. Zuvor war sie als rheinland-pfälzische Landesumweltministerin für den Hochwasserschutz zuständig gewesen – und zehn Tage nach der Flut zu einem vierwöchigen Familienurlaub nach Frankreich aufgebrochen.

Anne Spiegel (Bündnis 90/Die Grünen), damalige Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, muss nach Kritik ihr Amt räumen.
Anne Spiegel (Bündnis 90/Die Grünen), damalige Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, muss nach Kritik ihr Amt räumen.Kay Nietfeld/dpa

Die Kritik daran führte letztlich zu ihrem Rücktritt vom neuen Amt.

Christine Lambrecht und das Foto ihres Sohnes

Nach monatelanger Kritik an ihrer Amtsführung trat Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) im Januar 2023 von ihrem Amt zurück. Negativ ausgelegt wurde ihr unter anderem ein Foto, das ihren Sohn bei der Mitreise im von ihr genutzten Bundeswehrhubschrauber zeigt.

Christine Lambrecht irritiert mit einer Silvester-Ansprache auf Instagram. Sie ist dabei kaum zu verstehen.
Christine Lambrecht irritiert mit einer Silvester-Ansprache auf Instagram. Sie ist dabei kaum zu verstehen.Christine Lambrecht/Instagram

Zudem irritierte sie mit einer Neujahrsbotschaft auf Instagram, in der sie, begleitet von Silvesterfeuerwerk, über den Ukraine-Krieg sprach.

Rudolf Scharping lässt sich im Swimmingpool fotografieren

Ein Vorgänger Lambrechts, Rudolf Scharping (SPD), stolperte über Homestory-Fotos, die ihn mit seiner neuen Lebensgefährtin im Swimmingpool auf Mallorca zeigten. Die Bunte veröffentlichte die Bilder zu einer Zeit, in der die Regierung über die Entsendung deutscher Soldaten nach Mazedonien entscheiden musste. Von da an wurde Scharping in der Öffentlichkeit besonders kritisch beäugt.

Rudolf Scharping (SPD), früherer Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, fällt unter anderem über die Mallorca-Affäre.
Rudolf Scharping (SPD), früherer Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, fällt unter anderem über die Mallorca-Affäre.Arne Dedert/dpa

Die Mallorca-Affäre war einer von mehreren Gründen für Scharpings Entlassung im Juli 2002.

Edmund Stoiber lässt Blumen hinrichten

Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber ist vielen mit seiner legendären „Transrapid-Rede“ von 2006 in Erinnerung geblieben. Dabei setzte er alle Gesetze der Logik, Grammatik und Geografie außer Kraft. Stoiber hatte in seiner langen Zeit aber noch mehr zu bieten.

Hartmut Mehdorn (l.) und Edmund Stoiber auf der Versuchsanlage des Transrapid-Hochgeschwindigkeitszugs.
Hartmut Mehdorn (l.) und Edmund Stoiber auf der Versuchsanlage des Transrapid-Hochgeschwindigkeitszugs.Sven Simon Hartmut/imago

Legendär ist auch sein Wunsch nach einem „kleinen Sprühen“ in die „gludernde Lot“ sowie die Offenbarung, dass er im Garten auch mal gerne „vielleicht eine Blume hinrichte“.

Massenvernichter Guido Westerwelle

September 2010: Es sollte die große Antrittsrede von Bundesaußenminister Guido Westerwelle vor der Uno-Vollversammlung sein. Der FDP-Politiker wollte unter anderem für einen Sitz Deutschlands im Uno-Sicherheitsrat werben.

Der damalige Bundesaußenminister Guido Westerwelle spricht im September 2010 vor der Uno-Vollversammlung.
Der damalige Bundesaußenminister Guido Westerwelle spricht im September 2010 vor der Uno-Vollversammlung.Ute Grabowsky/photothek.net

Doch es kam anders: Westerwelle forderte „die Einrichtung einer Zone für Massenvernichtungswaffen im Nahen Osten“ als „große Chance für Frieden und Sicherheit in dieser Region“. Dumm nur, dass da ein kleines Wort fehlte („frei von Massenvernichtungswaffen“).

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