Die guten alten Fahrscheine aus Papier sind bald Geschichte. Ebenso die Fahrkartenautomaten, die die BVG komplett abschaffen will. Fest steht auch schon, welches neue Gerätesystem es ermöglichen soll, wie Fahrgäste in Zukunft ohne Ticket in Bussen, Straßen- und U-Bahnen vorwärts kommen werden. Der KURIER erklärt es.
BVG setzt auf Scanner statt auf Fahrkartenautomaten
Das Zauberwort heißt Validator. Eine Art Scanner, der im Regelfall nur etwas größer als ein ganz normales Smartphone ist und ab 2029 nach und nach in allen Bussen, Straßen- und U-Bahnen in Berlin zum Einsatz kommen und auch die Fahrgäste zur Kasse bitten kann. Denn die BVG will zwar die Fahrkartenautomaten abschaffen, aber nicht die Fahrpreise.
„Ein kleines Gerät mit großer Wirkung“, sagt BVG-Vertriebschef Michael Beer. Denn der Validator ist nicht nur ein Entwerter (wie das Gerät übersetzt heißt) sondern auch Fahrkartenautomat und Lesegerät von Geldkarten und Smartphones in einem. Für die Anschaffung eines solchen Systems hat jetzt die Ausschreibung bei der BVG begonnen.
Laut Beer ist die Benutzung ein Kinderspiel. „Fahrgäste halten künftig einfach ihre Bankkarte vor ein Gerät: den Validator. Das Ticket wird in einer Cloud hinterlegt und kann bei einer Kontrolle verifiziert werden“, erklärt er auf seinem LinkedIn-Account. „Unser Ziel ist klar: Wir wollen den Ticketkauf für unsere Fahrgäste einfacher, digitaler und komfortabler machen. Schnell, papierlos und intuitiv.“
Neues BVG-System: Fahrgäste sollten die Fakten kennen
Doch so einfach ist es dann doch nicht. Bei diesem Gerätesystem, das nun die Fahrkartenautomaten bei der BVG ablösen soll, passiert schon eine ganze Menge mehr. Das Kennen dieser Fakten ist für die Fahrgäste nicht ganz unwichtig.
Zunächst: Der Validator kann nicht nur Geldkarten, sondern auch die BVG-Guthabenkarte, Smartphones und Smartwatches erkennen, QR-Codes scannen, Fahrten registrieren und Daten an zentrale Computersysteme der Verkehrsunternehmen senden. Da sind jede Menge persönliche Daten unterwegs.
Der Berliner Fahrgastverband Igeb mahnt daher: „Der BVG muss klar sein, dass sie mit unseren sensiblen Daten sehr sorgsam umgehen und sie in ihrem System sicher verwahren muss“, sagt Igeb-Sprecher Christian Linow dem KURIER. „Das bedeutet: Die BVG darf nicht über Drittanbieter das neue Vertriebssystem betreiben, der möglicherweise die Daten unsicher verwahrt, so dass es im schlimmsten Fall zu einem Datenleck kommt. So etwas darf auf keinen Fall passieren.“
Solche Scanner-Systeme funktionieren bereits in Großbritannien, Skandinavien oder Belgien. Die Fahrgäste steigen in die Bahn oder in den Bus ein, ohne vorher eine Fahrkarte kaufen zu müssen. Sie halten die Geldkarte (bzw. gültige Abo-Chipkarte) oder das Handy kurz vor das Display des Scanners. Es piept, das Licht auf dem Display wird grün und man darf mitfahren.

Ein System, das jeder kennt, der einmal in Brüssel mit der Straßenbahn oder mit dem Bus gefahren ist. Der Fahrpreis (2,40 Euro) wird einem auch nicht gleich vom Bankkonto abgezogen. Im Gegenteil.
Wer an einem Tag sehr viel mit den Öffis fährt, bei dem greift der sogenannte „Tagesdeckel“ (in Brüssel maximal 8,50 Euro). Sobald diese Grenze erreicht ist, kosten alle weiteren Fahrten an diesem Tag nichts mehr.
Scanner-System aus Brüssel wäre Vorbild für BVG
So ein System wäre auch bei der BVG denkbar. „Dafür müsste man allerdings das bisherige komplizierte Tarifsystem mit den A-, B- und C-Zonen vereinfachen“, sagt der Igeb-Sprecher.
Warum? „Dieses Scanner-System klingt modern, aber im riesigen Berliner Tarifdschungel ist es ein Konstruktionsfehler“, sagt Linow. „Ein Automat, der nur registriert, wo ich einsteige, aber nicht, wohin ich fahre, müsste eigentlich Gedanken lesen können.
Solange die BVG keine Telepathie erfindet, führt ein blinder Check-in unweigerlich ins Chaos auf dem Rücken der Fahrgäste. Deswegen muss die Tarifstruktur dafür dringend im gesamten VBB vereinfacht werden.“
Scanner statt Automat: BVG schafft das nicht im Alleingang
Allerdings gibt’s bei solchen Systemen auch eine andere Lösung. Bei modernen Scannern checkt sich der Fahrgast mit Geldkarte oder Handy beim Einstieg ein – und beim Ausstieg wieder aus. Das System weiß dann auch, wohin ich gefahren bin – und kann dann am Ende den Fahrpreis festlegen.
Auch diese Variante hat einen Haken. „Dieses Ein- und Auschecken: Das wird ein schönes Gedränge, vor allem an den Ein- und Ausstiegen der Straßenbahnen geben“, sagt Igeb-Sprecher Linow.





