Fünf Jahre nach dem letzten Start und der letzten Landung kommt Bewegung auf das Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel. Lange wirkte es so, als passiere auf dem riesigen Areal kaum etwas: keine Kräne, keine Neubauten. Der Eindruck täuschte. Die eigentliche Arbeit spielte sich in den vergangenen Jahren vor allem unter der Oberfläche ab.
55.000 Lkw-Ladungen Erde bewegt
Wie die Berliner Zeitung berichtet, wurden seit 2021 allein im ersten Bauabschnitt von Berlin TXL rund 620.000 Quadratmeter auf Kampfmittel untersucht. Dafür bewegten Spezialfirmen etwa 860.000 Kubikmeter Erde – laut Projektgesellschaft mehr als 55.000 Lkw-Ladungen.
Dabei kamen über 30.000 Munitionsteile ans Tageslicht. Darunter befanden sich eine 250-Kilo-Bombe sowie 61 bleiummantelte Artilleriegranaten aus dem 19. Jahrhundert.
Brustpanzer und Kanonenkugel am Flughafen gefunden
Besonders ungewöhnlich waren jedoch andere Funde: ein Brustpanzer aus der Zeit um 1870 und eine vollständig erhaltene Kanonenkugel mit rund 50 Zentimetern Durchmesser.
Damit wird auch klar, weshalb auf dem Gelände in Tegel über Jahre hinweg scheinbar kaum Fortschritte sichtbar waren. Neben aufwendigen Planungs- und Genehmigungsverfahren beanspruchte vor allem die Kampfmittelräumung enorme Zeit – eine Voraussetzung, bevor überhaupt Wohnungsbau starten kann.
Erste Wohnungen ab Ende 2028
Doch jetzt geht es in die nächste Phase. Schon im Herbst 2026 soll auf zwei Baufeldern am Kurt-Schumacher-Damm der Hochbau anlaufen.
Die landeseigene Degewo will gemeinsam mit der B&O-Gruppe zunächst 328 Wohnungen errichten. Die Hälfte der Einheiten wird gefördert. In diesem Segment sollen die Nettokaltmieten bei rund sieben Euro pro Quadratmeter starten. Die ersten Bewohner könnten Ende 2028 einziehen.
Langfristig ist deutlich mehr geplant: Im Schumacher-Quartier sollen auf 46 Hektar mehr als 5000 Wohnungen für über 10.000 Menschen entstehen.
Aus Terminal A wird ein Hochschulcampus
Auch das markante sechseckige Flughafengebäude erhält eine neue Aufgabe. Terminal A soll künftig von der Berliner Hochschule für Technik (BHT) genutzt werden. Rund 2500 Studierende sollen dort lernen und forschen. Der erste Spatenstich für den Umbau zum „Campus TXL“ ist für Ende Juli vorgesehen.
Geldsorgen bremsen Prestigeprojekt
Doch das Vorhaben steht unter finanziellem Druck. Nach Angaben der Berliner Zeitung könnte sich die Fertigstellung des Campus deutlich verzögern.

Statt einer Eröffnung im Jahr 2030 geht die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung inzwischen von einer Fertigstellung erst 2035 aus. Im Doppelhaushalt 2026/27 sind wesentliche Baumittel erst für die Zeit nach 2030 eingeplant. Zusätzliche Kosten in dreistelliger Millionenhöhe gelten als möglich.
Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey hatte deshalb vorgeschlagen, Geld aus dem Sondervermögen des Bundes für die Sanierung zu prüfen. Auch IHK-Präsident Sebastian Stietzel warnte bereits vor weiteren Verzögerungen.
Wer baut den Rest des Quartiers?
Offen bleibt außerdem, wer den Großteil der geplanten Wohnungen errichten wird. 5000 Wohnungen sind vorgsehen. Nur bei 300 steht auch der Bauherr schon fest: Die landeseigene degewo errichtet mit der B&O-Gruppe zunächst 328 Wohungen. Die Hälfte davon ist gefördert, die Nettokaltmiete soll bei rund sieben Euro pro Quadratmeter beginnen. Bezugsfertig sollen die ersten Wohnungen Ende 2028 sein.
Für die restlichen Wohnungen gibt es noch ein großes Fragezeichen. Mit der Gewobag soll sich eines der ursprünglich eingeplanten Wohnungsunternehmen aus dem Projekt zurückgezogen haben. In der Kritik steht auch die vorgeschriebene Holzbauweise, die als besonders teuer und aufwendig gilt.


