Die Altstadt von Köpenick ist eine der schönsten Ecken Berlins. Kopfsteinpflaster, kleine Läden, Cafés, Touristen am Wasser. Doch seit Anfang 2025 dominiert hier etwas anderes: Bauzäune, Rohre, Bagger und aufgerissene Straßen. Und die schlechte Nachricht lautet: Das Ende ist noch längst nicht in Sicht.
Halbes Jahr länger Bauarbeiten
Eigentlich sollten die umfangreichen Bauarbeiten von BVG und den Berliner Wasserbetrieben im September 2027 abgeschlossen sein. Nun wird daraus nichts. Nach aktuellem Stand soll erst im Frühjahr 2028 Schluss mit der Buddelei sein.
Für viele Anwohner ist das ärgerlich. Für manche Geschäftsleute wird es sogar existenziell bedrohlich.
Eine von ihnen ist Anke Schifer. Sie betreibt das beliebte Café „Milchkaffee“ in der Köpenicker Kirchstraße. Seit Dezember 2025 ist der komplette Straßenzug vor ihrem Laden gesperrt. Wer heute zu ihr möchte, muss Umwege in Kauf nehmen. Viele machen sich erst gar nicht auf den Weg.
„Wir haben extreme Umsatzeinbußen. Wegen des Baustellenlärms, des Drecks und des Schienenersatzverkehrs kommen weniger Kunden, auch weniger Touristen“, sagt Schifer dem Tagesspiegel.
Warum die Baustelle länger dauert
Seit Februar 2025 arbeiten die BVG und die Berliner Wasserbetriebe in einer gemeinsamen Großaktion in der Altstadt. Erneuert werden alte Trinkwasser- und Abwasserleitungen, außerdem Gleise und Weichen der Straßenbahn. Mehrere Haltestellen werden gleichzeitig barrierefrei umgebaut.
Wer durch die Altstadt läuft, sieht die Folgen jeden Tag: aufgerissene Straßen, Absperrungen und Umleitungen. Ein einziges Wirrwarr aus rot-weißen Absperrungen, die Fußgänger zwingen, weite Wege zu laufen und die viele Geschäfte vom Kundenstrom abschneiden.
Dass die Bauarbeiten nun länger dauern sollen, liegt laut BVG am ungewöhnlich langen und harten Winter, der nicht nur hier den Zeitplan durcheinandergebracht hat. Bei Minusgraden kann am Erdreich nicht gearbeitet werden, auch Asphalt- und Betonarbeiten sind nicht möglich. Dazu kommt ein Problem, das erst während der Arbeiten entdeckt wurde.
Mehr Abwasser als berechnet
Die Berliner Wasserbetriebe erneuern derzeit rund 1,2 Kilometer Trinkwasserleitungen sowie Regen- und Schmutzwasserkanäle. Dabei stellte sich heraus, dass die Kanäle deutlich stärker belastet sind als ursprünglich angenommen, berichtet der Tagesspiegel weiter.

„Letztere führen mehr Abwasser als ursprünglich berechnet, deshalb müssen wir für die Bauzeit eine oberirdische Interimsleitung legen“, sagt Pressesprecherin Astrid Hackenesch-Rump.
Der zusätzliche Aufwand kostet Zeit. Nach Angaben der Wasserbetriebe werden allein Aufbau, Nutzung und Rückbau der provisorischen Leitung vier bis sechs Monate in Anspruch nehmen. Die Leitung soll auf Betonfundamenten über Straßen und Gehwege geführt werden.
Kaum ist die Baustelle weg, kommt die nächste
Sollte der neue Zeitplan halten, können die Köpenicker im Frühjahr 2028 erst einmal aufatmen. Aber nicht lange. Denn ab 2030 stehen schon die nächsten Einschränkungen ins Haus. Dann sollen die Bauarbeiten an der historischen Langen Brücke beginnen.


