Grüner Innenhof zubetoniert?

Streit um den Ilsekiez: Warum Anwohner jubeln und HOWOGE auf die Bremse tritt

Die HOWOGE wollte elf Häuser in grünen Innenhöfen bauen, nun hat das Bezirksamt die Verlängerung der Baugenehmigungen für einen Großteil der Häuser verweigert.

Author - Stefanie Hildebrandt
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Idyllischer Innenhof im Lichtenberger Ilsekiez: Hier sollten elf Häuser gebaut werden.
Idyllischer Innenhof im Lichtenberger Ilsekiez: Hier sollten elf Häuser gebaut werden.Rettet den Ilsekiez

Überraschende Wende im Streit um die umstrittene Nachverdichtung im Karlshorster Ilsekiez! Das Bezirksamt Lichtenberg hat die beantragte Verlängerung der Baugenehmigungen für den Großteil des Wohnungsbauvorhabens der landeseigenen HOWOGE abgelehnt. Stattdessen soll das Bebauungsplanverfahren 11-125 überarbeitet und weitergeführt werden. Die Anwohner sprechen von einem Paukenschlag!

Nur Randbebabuung im Innenhof noch denkbar

Die Entscheidung wurde in der letzten Bezirksverordnetenversammlung (BVV) vor der Sommerpause bekannt gegeben. Lichtenbergs Bezirksstadträtin Camilla Schuler (Linke) teilte mit, dass die Anträge der HOWOGE für die Häuser 1 bis 9 nicht verlängert werden. Nach derzeitiger Einschätzung kämen lediglich zwei Gebäude am Rand des Areals für eine Bebauung infrage.

Projekt deutlich geschrumpft

Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft plant seit Jahren die Errichtung von insgesamt 237 Wohnungen im Ilsekiez. Die Pläne stoßen jedoch bei vielen Anwohnern auf massiven Widerstand. Kritiker befürchten den Verlust der grünen Innenhöfe sowie zusätzliche Belastungen für Verkehr und Infrastruktur. 

Nach Angaben der Linken begründet das Bezirksamt seine Entscheidung jetzt unter anderem mit einer unzureichenden Berücksichtigung des sogenannten Einfügungsgebots. Dieses soll sicherstellen, dass sich Neubauten in bestehende Wohngebiete einfügen und Anwohner vor „unzumutbaren Beeinträchtigungen“ geschützt werden.

Zudem habe sich das Umfeld seit Einreichung der Bauanträge verändert. Verwiesen wird auf weitere Wohnungsbauprojekte in der Nachbarschaft, die Auswirkungen auf Verkehr, Nahversorgung und öffentliche Infrastruktur hätten. Deshalb sei „eine neue Betrachtung des veränderten Umfelds“ erforderlich.

Verdichtung in Karlshorst: Hier sollen Innenhöfe für Neubauten weichen.
Verdichtung in Karlshorst: Hier sollen Innenhöfe für Neubauten weichen.Volkmar Otto

Die Bürgerinitiative „Rettet den Ilsekiez“ wertete die Entscheidung als „Paukenschlag“ und sprach von einer „fundamentalen Kehrtwende“. Aus Sicht der Initiative müsse ein Großteil des geplanten Bauvorhabens nun grundlegend neu bewertet werden.

HOWOGE wollte elf Häuser bauen

Die HOWOGE hatte Anfang 2023 fünf Bauanträge für insgesamt elf Gebäude eingereicht. Die Genehmigungen waren damals vom ehemaligen Lichtenberger Baustadtrat Kevin Hönicke (SPD) erteilt worden. Gegen die jetzige Entscheidung kann die Wohnungsgesellschaft Widerspruch bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung einlegen.

Der Konflikt um die Nachverdichtung im Ilsekiez schwelt bereits seit 2017. Immer wieder gingen Anwohner gegen die Pläne auf die Straße. Zuletzt demonstrierten im November vergangenen Jahres mehr als 200 Menschen für den Erhalt der grünen Innenhöfe in Karlshorst. Rückenwind erhielten die Gegner des Projekts zudem durch einen Erfolg des Naturschutzbundes BUND in einem naturschutzrechtlichen Verfahren gegen die HOWOGE, das das Vorhaben bereits verzögert hatte. 

Mit der aktuellen Entscheidung ist das Vorhaben zwar nicht endgültig gestoppt. Für die HOWOGE bedeutet sie jedoch einen empfindlichen Rückschlag – und für die Gegner der Nachverdichtung neuen Rückenwind.

Liebe Leser, wie ist Ihre Meinung zum Thema? Sollten neue Wohungen in Innenhöfen gebaut werden? Bitte schreiben Sie uns:leser-bk@berlinerverlag.com