Neue Sorgen für Tausende BVG-Fahrgäste im Berliner Südosten: Während die Altstadt Köpenick noch bis mindestens 2027 Baustelle bleibt, kündigt sich bereits das nächste Großprojekt an. Der Neubau der Langen Brücke könnte rund vier Jahre dauern – und nach aktuellem Stand soll in dieser Zeit keine Straßenbahn über die wichtige Verbindung fahren.
Nach der Altstadt-Baustelle kommt nächste Belastungsprobe
Viele Köpenicker hatten gehofft, dass nach dem Ende der Bauarbeiten in der Altstadt endlich wieder Normalität einkehrt. Doch daraus wird nichts.
Bei einer Informationsveranstaltung zur Zukunft der Langen Brücke wurde deutlich, welche Dimension das neue Vorhaben hat. Die Brücke verbindet die Köpenicker Altstadt mit der Köllnischen Vorstadt und Spindlersfeld. Täglich nutzen Autos, Busse, Straßenbahnen, Radfahrer und Fußgänger die zentrale Verkehrsachse über die Dahme.
Fällt diese Verbindung teilweise weg, hat das Auswirkungen auf den gesamten Berliner Südosten.
Warum die Lange Brücke neu gebaut werden muss
Die historische Lange Brücke stammt aus dem Jahr 1891. Bereits 1994 wurden zusätzliche Behelfsbrücken errichtet, die ursprünglich nur als Übergangslösung gedacht waren. Nun soll die komplette Konstruktion ersetzt werden.
Geplant ist ein Neubau aus drei Teilbauwerken. Während auf den äußeren Brücken der Straßenverkehr sowie Rad- und Fußverkehr geführt werden sollen, ist in der Mitte ein eigener Bereich für Busse und Straßenbahnen vorgesehen.
Besonders kompliziert: Unter der Brücke verlaufen wichtige Leitungen für Wasser, Abwasser, Strom und Telekommunikation. Diese Infrastruktur muss während der Bauarbeiten berücksichtigt oder verlegt werden.

Der größte Schock für BVG-Fahrgäste: Keine Tram über die Brücke
Der wohl kritischste Punkt betrifft den Straßenbahnverkehr. Nach aktuellem Planungsstand kann während der Bauzeit keine Straßenbahn über die Lange Brücke fahren. Verschiedene Varianten wurden geprüft – darunter ein eingleisiger Betrieb oder ein Pendelverkehr. Doch die Planer kamen zu dem Ergebnis, dass dies unter den gegebenen Bedingungen nicht umsetzbar ist.
Gründe sind unter anderem: die beengten Platzverhältnisse, der Abriss der alten Brücke, die aufwendige Leitungsverlegung sowie der Neubau der einzelnen Brückenteile.
Für Tausende Fahrgäste bedeutet das, sie müssen sich auf jahrelange Änderungen im Nahverkehr einstellen.
Zeitplan für die Bauarbeiten
Bis die Arbeiten beginnen, wird mehr Zeit vergehen als zuletzt angekündigt. Am Mittwoch wurde der neue Zeitplan vorgestellt. Demnach soll das Planfeststellungsverfahren im nächsten und übernächsten Jahr stattfinden.
2029 werden die Ausschreibungsunterlagen erstellt. Die Baudurchführung ist für 2030 bis 2034 vorgesehen, hieß es weiter.
BVG-Ersatzverkehr wird zur entscheidenden Frage
Statt der Straßenbahn soll ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet werden.
Wie die Ersatzlinien genau verlaufen werden, ist aber bislang noch offen. Nach derzeitigen Überlegungen könnten Busse zwischen der Köllnischen Vorstadt und wichtigen Zielen wie dem S-Bahnhof Köpenick, der Wendenschloßstraße und dem Krankenhaus Köpenick verkehren.
Genau hier sehen viele Anwohner das größte Risiko des Projekts.
Denn vier Jahre Ersatzverkehr sind etwas anderes als eine kurzfristige Baustelle. Ein Provisorium reicht dafür nicht aus.
Tausende Pendler könnten betroffen sein
Schon heute sorgen Baustellen und Umleitungen in Köpenick immer wieder für Verzögerungen im Verkehr. Wenn die Straßenbahn tatsächlich über Jahre ausfällt, drohen längere Fahrtzeiten, zusätzliche Umstiege, und mehr Verkehr auf den Ausweichrouten.
Gerade für Menschen, die täglich zwischen Köpenick, Spindlersfeld und der Köllnischen Vorstadt unterwegs sind, könnte die Bauzeit zur echten Geduldsprobe werden.
Nach dem Neubau aber werden die Köpenicker moderne Verkehrsflächen nutzen können: Mit je zwei Fahrstreifen pro Richtung, 2,50 Meter breiten Radwegen, 3,20 Meter breiten Gehwegen, einer dauerhaft zweigleisigen Straßenbahntrasse und neuen Uferwegen unter der Brücke wird die Lange Brücke fit für die Zukunft.


