Rodung droht

Letzte kühle Wald-Insel in der Altstadt Köpenick soll zubetoniert werden

Für einen Parkplatz sollen 4000 Quadratmeter Wald in Köpenick gefällt werden. Wie sinnvoll ist das Vernichten des Amtswäldchens in Zeiten von  Hitze-Sommern?

Author - Stefanie Hildebrandt
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Die Altstadt Köpenick ist bereits stark verdichtet.
Die Altstadt Köpenick ist bereits stark verdichtet.IMAGO / Funke Foto Services

In Köpenick rumort es gewaltig: In der Altstadt soll ein kleines Waldstück verschwinden – für ebenerdige Parkplätze. Das sogenannte Amtswäldchen soll gerodet werden.

Betonwüste statt Amtswäldchen

Das verwilderte Wäldchen befindet sich in der Nähe der  Mittelpunktbibliothek Köpenick zwischen der eigentlichen Altstadt und der Müggelspree in unmittelbarer Nähe zum Wasser. Schon bald könnte hier eine Betonwüste entstehen, die im Bezirk keiner braucht.

Das Bezirksamt Treptow-Köpenick hat den vorhabenbezogenen Bebauungsplan 9‑30 VE bereits am 26. Mai beschlossen. Am 2. Juli soll die Bezirksverordnetenversammlung endgültig entscheiden.

Wald soll einem Supermarktparkplatz weichen

Geplant ist ein Supermarkt mit rund 45 Wohnungen in zwei Geschossen – allerdings auf bereits versiegelter Fläche. Die neuen Parkplätze hingegen würden mitten ins Wäldchen gebaut. Für viele ein Unding, wenn die letzte Kühlinsel in der stark verdichteten Altstadt Köpenick  veschwinden soll.

Protest gegen veraltete Planungen

Die Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (BLN) und mehrere Umweltverbände protestieren seit Jahren gegen das Vorhaben. Rund 4000 Quadratmeter Wald seien in den vergangenen Jahrzehnten dort entstanden – offiziell bestätigt von den Berliner Forsten und  damit eigentlich auch gesetzlich geschützt. 

„Das ist ein schwerer Eingriff in Natur und Landschaft“, heißt es zu dem Vorhaben aus der BLN. Besonders drastisch formuliert es Andrea Gerbode vom BUND Berlin: „Es ist unverantwortlich, das Wäldchen als letzte Kühlinsel abzuholzen und für Parkplätze zu asphaltieren.“

Steigende Belastung durch Hitze

Der Berliner Umweltgerechtigkeitsatlas zeigt seit Jahren steigende Hitzebelastung in der Köpenicker Altstadt. Gerade dort, wo enge Gassen und dichter Verkehr die Luft aufheizen, wirkt das Amtswäldchen wie ein natürlicher Temperaturpuffer. 

Die Zahlen des Statistischen Landesamts unterstreichen die Warnungen: 188 Hitzetote in den vergangenen drei Jahren – fast doppelt so viele wie Verkehrstote im gleichen Zeitraum. Andere Studien sprechen sogar von 219 Hitzetoten allein 2025.

Für die Umweltverbände ist klar: Wer in Zeiten von Klimaanpassungsgesetz und Hitzeaktionsplänen Wald rodet, handelt gegen die Interessen der Stadt.

Verzögerungen im Bauablauf drohen

Besonders brisant: Die Gutachten, auf denen der Bebauungsplan basiert, sind teils über zehn Jahre alt. Das waldfachliche Gutachten stammt aus 2021, basiert aber auf Daten von 2016. Zur Tierwelt gibt es lediglich eine Potenzialanalyse – obwohl Hinweise auf streng geschützte Vogel- und Fledermausarten vorliegen. 

Antje Stavorinus von der BLN fordert klare Konsequenzen: „Wir brauchen eine vollständige Kartierung von Brutvögeln, Fledermäusen und Säugetieren. Wenn das weiter unterlassen wird, drohen Verzögerungen im Bauablauf.“

Wohnungen – aber keine bezahlbaren

Der Bezirk argumentiert, dass mit dem Bau auch zusätzlicher  Wohnraum entstehen soll. Doch weniger als 5000 Quadratmeter Wohnfläche bedeuten: Das Berliner Modell der Kooperativen Baulandentwicklung greift nicht. Es entstehen somit keine mietpreisgebundenen Wohnungen.

Beim Ausbau seines Straßenbaumbestands steht Berlin ohnehin unter Zeitdruck. Bis Ende 2027 müssen nach aktuellem Stand tausende Nachpflanzungen erfolgen, um die Vorgaben des Klimaanpassungsgesetzes einzuhalten. Die Ersatzpflanzungen nach einer Rodung sollen entfallen. Stattdessen soll der Verlust an Stadtnatur durch Geldzahlungen abgegolten werden. Kann Berlin sich das leisten?

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