Am Spreeufer in Charlottenburg bahnt sich ein neuer Hauptstadt‑Krach an. Zehn kerngesunde Rosskastanien sollen fallen und das ausgerechnet mitten in einer Phase, in der Berlin jeden Quadratmeter Schatten braucht. Der Grund ist geradezu ein Treppenwitz! Der landeseigene Energieversorger BEW baut am Heizkraftwerk Charlottenburg einen klimafreundlichen Energiepark. Dafür müssen die Kastanien weichen.
Bäume müssen für die Energiewende sterben
Für die 750‑Millionen‑Euro‑Runderneuerung des Kraftwerks braucht die BEW eine Fläche für Büro‑, Aufenthalts- und Sanitärcontainer. Und die steht aus Sicht des Unternehmens nur dort zur Verfügung, wo heute die Kastanien stehen.
Drei neue Gasturbinen, vier Elektro‑Heißwassererzeuger und weitere Anlagen sollen bis 2028 entstehen. Ein Mammutprojekt, das für den Kohleausstieg und die klimafreundliche Fernwärme Berlins entscheidend sein soll.

Bäume fällen für die Energiewende? Da wächst der Widerstand schneller als die Container aufgestellt werden könnten. Der Verein BaumEntscheid hat eine Petition gestartet und einen Offenen Brief veröffentlicht. Die Initiative betont, dass es sich um vitale Rosskastanien handelt. Und das ist bei dieser Baumart in Berlin leider eine Seltenheit.
Die BEW verspricht zwar Ersatzpflanzungen von 19 Bäumen, doch die könnten die klimarelevanten Funktionen der alten Riesen auf Jahrzehnte nicht ersetzen, warnt der Verein.
Auch das Bezirksamt Charlottenburg‑Wilmersdorf stellt sich quer und fordert eine erneute, gründliche Suche nach Alternativen. Die BEW wiederum bleibt bei ihrer Linie. Eine Sprecherin erklärte der Berliner Morgenpost, man sei sich der Bedeutung jedes gesunden Baumes bewusst, sehe aber „nach Prüfung aller realistischen Möglichkeiten“ keine andere Lösung. Ob die Sägen tatsächlich angesetzt werden, ist allerdings noch offen.


