Die Aussichten

Zu warm, mit Extremwetter-Gefahr:  El Niño sorgt für Zickzack-Sommer 2026

El Niño heizt Deutschland ein. Meteorologen warnen vor Hitze, Unwettern und abrupten Wetter-Wechseln.

Author - Stefan Henseke
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Zu warm und wechselhaft: So soll der Sommer 2026 nach ersten Langfristprognosen werden.
Zu warm und wechselhaft: So soll der Sommer 2026 nach ersten Langfristprognosen werden.Christian Ohde/imago

El Niño ist im Anmarsch. Auch konservative Wettermodelle sind sich einig, dass das Klimaphänomen aus dem Pazifik in diesem Jahr die Temperaturen weltweit hoch treiben wird. Deutschland wird das ebenfalls zu spüren bekommen. In einer Prognose für die kommenden Monate spricht Meterologe Dominik Jung von wetter.net von einem Sommer 2026, der zu warm, sehr wechselhaft und unberechenbar ausfallen wird.

El-Niño-Ereignis: Fatale Folgen für alle Regionen

Selbst der Deutsche Wetterdienst (DWD), der bei solchen Langfristprognosen immer sehr zurückhaltend ist, spricht davon, dass ein El-Niño-Ereignis in diesem Jahr sehr wahrscheinlich sei.

Laut deren Berechnungen wird der Pazifik in diesem Jahr ein Grad zu warm. Schon ab plus 0,5 Grad Abweichung spricht man von einem El-Niño-Ereignis, erklärt DWD. Besonders gefährlich: Es gibt auch Wettermodelle, die plus 4 Grad möglich halten. Die Folgen wären weltweit fatal.

Ein zu warmer Pazifik verändert das Wetter rund um den Globus. Es gibt „verheerende Überschwemmungen an der Westküste Südamerikas, ausgeprägte Dürren in Indonesien, Australien und im südlichen Afrika, intensivierte Starkregenereignisse am Horn von Afrika“, wie Jung in einer Wetterkolumne für die Frankfurter Rundschau schreibt.

Europa ist weit weg. Aber: „Erhöhte Nordatlantik-Meerestemperaturen in Kombination mit einem El-Niño-Signal können die Wahrscheinlichkeit für anomal warme Sommer in Mitteleuropa statistisch erhöhen“, schreibt Dominik Jung. Wie 2021, als durch Starkregen das Ahrtal verwüstet wurde.

Auch schwacher Jetstream macht Wetter-Probleme

Was sagen die langfristigen Wettermodelle über den kommenden Sommer 2026? Er wird zu 81 Prozent zu warm, sagt der Meteorologe von wetter.net in seiner aktuellen Prognose. Ein erster Trend zeige an, dass es ein bis zwei Grad über normal wird.

Die Wahrscheinlichkeit von andauernder, großer Hitze über 40 Grad ist zum Glück gering (maximal 5 bis 10 Prozent), dieser Sommer wird uns aber trotzdem zu schaffen machen, erklärt Jung.

Das liegt nicht nur an El Niño. Gleich mehrere Wetter-Phänomene sorgen in Kombination für Probleme: ein schwacher Jetstream, eine überhitzte Arktis, Blocking-Wetterlagen und zu warme Meere.

Alle Faktoren verstärken sich gegenseitig. Einer der wichtigsten Gründe: Der Jetstream ist in diesem Jahr wahrscheinlich eher schwächer. Das heißt: Wetterwechsel gehen nur sehr langsam vonstatten. Ist es erstmal sehr heiß und warm, bleibt es auch so. Dann aber kommt es wieder zu abrupten Wechseln.

Durch die überhitzte Aktis verändert sich die Zirkulation, die zu warmen Meere liefern mehr Energie für Gewitter.

Das sah man im vergangenen Jahr schon am Mittelmeer. Alles schaukelt sich hoch. Ein warmes Mittelmeer, warme Ozeane, mehr Verdunstung, mehr Wolkenbildung, mehr Feuchtigkeit in der Atmosphäre, mehr Potenzial für heftige Gewitter und heftige Unwetter.

Zickzack-Sommer mit intensiven Hitzephasen

Dominik Jung spricht von einem Zickzack-Sommer in Deutschland. Mit intensiven Hitzephasen über 30 Grad und abrupten Temperatureinbrüchen. „Das ist das, was in diesem Sommer vermehrt auf uns zukommen wird.“ Von Sonnencreme auf Regenjacke in einer Woche.

Längere Hitzephasen seien durchaus möglich, aber immer wieder unterbrochen durch heftige Unwetterphasen und kühlere Phasen. So ein Hin und Her, wie Jung sagt.

Auch die Gefahr von Hagel steigt in diesem Jahr: Unwetterphasen sind wahrscheinlich. Im letzten El-Niño-Jahr (2021) gingt dieser Hasgel in Tübingen runter.
Auch die Gefahr von Hagel steigt in diesem Jahr: Unwetterphasen sind wahrscheinlich. Im letzten El-Niño-Jahr (2021) gingt dieser Hasgel in Tübingen runter.Dennis Duddek/Eibner Pressefoto(imago

Bei den Niederschlägen sich sich die Langfristprognosen noch sehr uneins. 43 Prozent der Experten sagen, die Regenwahrscheinlichkeit für den Sommer 2026 sei normal. 33 Prozent sagen, dieser Sommer wird zu trocken, für 24 Prozent wird er zu nass. Dominik Jung sagt aber, dass wir davon ausgehen müssen, öfter mit Starkregenphasen wie damals im Ahrtal zu tun haben werden. In einer Region Deutschlands kann es zu nass sein, während es woanders zu trocken ist.

Laut Dominik Jung erwartet uns also ein überdurchschnittlich warmer Sommer (Hitzephasen mit 30 Grad plus x tauchen immer wieder auf), der wechselhaft statt stabil (Zickzackmuster mit starken Temperatursprüngen) ist und einen Extremwetter-Risiko (regionale Starkregen) mit sich bringt.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com