Naher Osten

Iran-Krieg: Kerosinpreise verdoppeln sich und Flugreisen werden teurer

Passagiere müssen mit steigenden Ticketpreisen rechnen, während Airlines ihre Strategien anpassen.

Author - Sebastian Krause
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Als Folge des Iran-Kriegs könnten mehrere Flugzeuge in nächster Zeit am Boden bleiben.
Als Folge des Iran-Kriegs könnten mehrere Flugzeuge in nächster Zeit am Boden bleiben.Bernd von Jutrczenka/dpa

Der Iran-Krieg trifft den internationalen Luftverkehr nach nur einem Monat hart. Verdoppelte Kerosinpreise, kaum noch nutzbare Drehkreuze am Arabischen Golf und ein deutlich verringertes Flugangebot in Richtung Asien sind die Folgen.

Passagiere bekommen die teureren Preise zu spüren

Weil der Öl-Transport durch die Straße von Hormus gestört ist, wird Kerosin knapp und teuer. Das bekommen die Passagiere zu spüren, Ticketpreise dürften weiter steigen.

Airlines sehen bereits eine gedämpfte Nachfrage

Zur ersten großen Reisewelle des Jahres verweisen viele Airlines in Europa noch auf ihre Kontrakte, mit denen sie sich längerfristig günstigere Treibstoffpreise gesichert haben. Der Branchenriese Ryanair erklärt: „Wir sind für die nächsten zwölf Monate bei einem Preis von 67 Dollar pro Barrel gut abgesichert, sodass sich dies weder auf unsere Kosten noch auf unsere günstigen Flugpreise auswirken wird.“

Doch die Lage verändert die Reiseströme bereits spürbar: Easyjet bestätigt zumindest eine „vorübergehend gedämpfte Nachfrage“, die einige Wochen anhalten werde. Betroffen seien vor allem Ziele im östlichen Mittelmeerraum, während Spanien von einer höheren Nachfrage profitiere.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr intern prüfen, ob man vorerst 20 oder gar 40 Flugzeuge am Boden stehen lassen könne.
Lufthansa-Chef Carsten Spohr intern prüfen, ob man vorerst 20 oder gar 40 Flugzeuge am Boden stehen lassen könne.Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Erste Strecken werden bereits gestrichen

Ähnliches ist vom Reiseveranstalter TUI oder der Lufthansa-Tochter Eurowings zu hören. Die berichten von einem überraschenden Mallorca-Boom nach einem verhaltenen Buchungsstart. Und auch Südeuropa seien zusätzliche Flüge schnell ausgebucht.

Gleichzeitig zeigt sich: Nicht jede Airline ist so gut gegen steigende Spritkosten abgesichert. Die skandinavische SAS kündigt an, allein im April wegen des teuren Kerosins mindestens 1.000 weniger lukrative Strecken zu streichen. Die lettische Air Baltic kämpft mit kaum gedämpften Kerosin-Preisen.

Die Gesellschaften am Golf haben rund die Hälfte des Gesamtverkehrs zwischen Europa und Asien abgezogen.

Heinrich Großbongardt, Luftfahrtexperte

Fernreisen sind besonders hart betroffen

Am schärfsten sind die Folgen bislang auf der Fernstrecke. Raketenangriffe und Bombardierungen in der Nahost-Region sorgen dafür, dass globale Drehkreuze wie Doha, Abu Dhabi und Dubai auf unabsehbare Zeit ausfallen. Golf-Carrier wie Qatar Airways oder Gulf Air parken ihre Maschinen deshalb sogar auf dem spanischen Wüsten-Flughafen Teruel, der zuletzt in der Corona-Krise eine Blütezeit erlebt hat.

„Die Gesellschaften am Golf haben rund die Hälfte des Gesamtverkehrs zwischen Europa und Asien abgezogen“, beschreibt Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt die Situation vor dem Krieg. Und genau diese Kapazitäten fehlen jetzt am Markt. Wer trotzdem etwa nach Thailand oder Australien reisen will, muss tief in die Tasche greifen.

Lufthansa prüft, Flugzeuge stehen zu lassen

Eigentlich wäre das eine lohnende Sonderkonjunktur für Europas größten Luftverkehrskonzern Lufthansa, der prompt Sonder-Direktflüge angekündigt hat. In die Kriegsregion Nahost will man den Sommer über nicht mehr fliegen, aus operativen Gründen, wie es heißt. Die nicht benötigten Flugzeuge sollen stattdessen auf anderen Routen Geld verdienen, etwa in Europa und in Richtung Indien.

Doch obwohl der Lufthansa-Konzern seinen Treibstoffbedarf nach eigenen Angaben bis zu 80 Prozent abgesichert hat, stellt man sich auch dort auf weiter steigende Ticketpreise ein. Es besteht die Sorge, dass dauerhaft weniger Menschen ins Flugzeug steigen könnten. Nach Informationen des „Handelsblatts“ lässt Lufthansa-Chef Carsten Spohr intern prüfen, ob man vorerst 20 oder gar 40 Flugzeuge am Boden stehen lassen könne.

Wegen des Iran-Kriegs sind zum Beispiel arabische Flughäfen wie hier in Katar derzeit nicht gefragt.
Wegen des Iran-Kriegs sind zum Beispiel arabische Flughäfen wie hier in Katar derzeit nicht gefragt.Stringer/dpa

Lufthansa-Belegschaft droht Kurzarbeit

Zuerst würde dies spritfressende Jets treffen, die ohnehin kurz vor der Ausmusterung stehen. Auf der Streichliste stünden dann nicht die neuen Angebote, sondern Europastrecken, auf denen derzeit kaum noch Geld verdient werde. Die Belegschaft wird vorsorglich bereits auf mögliche Kurzarbeit vorbereitet.

Teurer werden Tickets aber nicht nur wegen der kaum zu befriedigenden Nachfrage: Viele Airlines nutzen zudem das altbekannte Instrument der Kerosinzuschläge, die bei Gesellschaften der Lufthansa Group und anderen im Posten „International Surcharge“ versteckt sind und je nach Ziel stark variieren können.

So verteuern sich die Preise bei den Tickets

Gerade in höheren Buchungsklassen kommen auf der Langstrecke schnell mehrere hundert Euro zusammen, die pauschal auf variable Tarife aufgeschlagen werden. In der Holzklasse kostet ein Return-Ticket nach New York mit einem Zuschlag von 258 Euro rund 50 Euro mehr als vor der Krise.

Und selbst die geplante Entlastung durch die Politik dürfte kaum durchschlagen: Angesichts der Preistreiber Kerosin und verknapptes Angebot könnte die Absenkung der deutschen Ticketsteuer ein Tropfen auf den heißen Stein bleiben.

Branchenverband fordert weitere Entlastungen

Laut Kabinettsbeschluss will der Staat pro Start von einem deutschen Flughafen zwischen 2,50 und 11,40 Euro weniger Steuern kassieren – ein Betrag, der in der Ticketkalkulation mit ihren vielen Variablen schnell untergehen kann. Ob diese Entlastung tatsächlich bei den Passagieren ankommt, ist offen. Der Branchenverband BDL verlangt jedenfalls weitere Kostenentlastungen.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com