Die Urlaubsfreude beginnt oft am Flughafen und endet nicht selten vor Gericht. Wenn Maschinen stundenlang verspätet starten oder ganz am Boden bleiben, geht es für viele Reisende um Entschädigung. Auch die Klagen über den Berliner Flughafen BER wachsen rasant.
Flut von Beschwerden über den Flughafen BER
19.239 Klagen von Fluggästen über Verspätungen und Flugabsagen am BER gingen beim Amtsgericht Wusterhausen im vergangenen Jahr ein. Das sind rund 5000 mehr als 2024. Mit dem Berg an Klagen liegt Berlin bei der Unzufriedenheit der Fluggäste bundesweit mit an der Spitze. Nur in Köln (22.491 Verfahren) und Frankfurt am Main (19.374 Klagen) gab es noch mehr Beschwerden.
Für das Amtsgericht Königs Wusterhausen werden die Verfahren rund um den BER zum wachsenden Problem. Inzwischen machen sie 93 Prozent aller Zivilklagen an dem Gericht aus. „Die steigenden Eingangszahlen stellen das Amtsgericht Königs Wusterhausen dauerhaft vor erhebliche Herausforderungen, insbesondere hinsichtlich des Personalbedarfs“, sagte ein Gerichtssprecher.

Reisende können ihre Ansprüche entweder am Sitz der Fluggesellschaft oder am Abflugort einklagen. Immer häufiger nutzen Passagiere dafür spezialisierte Online-Portale, die Forderungen gebündelt durchsetzen. Die Folge: Deutschlandweit steigt die Zahl der Klagen. Die Entschädigungsverfahren an 19 Gerichten mit großen Flughäfen summierten sich im vergangenen Jahr auf mehr als 121.000 Fälle. Das sind 44 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren.
In Königs Wusterhausen versuchen sich die Richter mit Künstlicher Intelligenz (KI) zu behelfen, um die Klageflut zu bewältigen. Seit Februar 2025 unterstützt dort die KI-Anwendung „Kai“ die Bearbeitung von Fluggastrechtsfällen. Das System analysiert Massenverfahren und stellt Informationen schneller bereit. Klar ist aber auch: „Aufgaben und Prüfungspflicht der Richter“ ersetzt die Technik nicht.


