Eisernes Mobbing

Union Berlin sorgt für Wirbel: Wieder Ärger abseits des Rasens

Die Eisernen verpassen gegen St. Pauli einen wichtigen Sieg im Abstiegskampf – und teilen danach in den sozialen Medien gegen den VfL Wolfsburg aus.

Author - Sebastian Schmitt
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Steffen Baumgart wird über den Instagram-Beitrag des 1. FC Union Berlin nicht lachen. Der Union-Trainer war selbst beim VfL Wolfsburg aktiv.
Steffen Baumgart wird über den Instagram-Beitrag des 1. FC Union Berlin nicht lachen. Der Union-Trainer war selbst beim VfL Wolfsburg aktiv.IMAGO/O.Behrendt

Der 1. FC Union Berlin holt gegen den FC St. Pauli nur ein 1:1 (0:1) – und produziert danach trotzdem Schlagzeilen. Ein Social‑Media‑Post der Eisernen sorgt mal wieder für Gesprächsstoff. Der Ton: spitz. Die Wirkung: heikel. 

Union Berlin mit Instagram‑Post nach dem Remis

Union spielt nur Remis – und teilt trotzdem aus.

Kurz nach dem 1:1 gegen den FC St. Pauli sorgt ein Instagram‑Post für Aufsehen. Zu sehen: ein bekanntes Meme aus der US‑Serie „The Office“. Zwei Männer, die sich die Hand reichen – wie bei einem Deal. Darüber zwei Zeilen Text, klar und provokant gesetzt: links „Wolfsburg‑Abstieg“, rechts „St. Pauli einen Punkt schenken“.

Union Berlin will, dass der VfL Wolfsburg absteigt

Die Botschaft ist eindeutig. Und sie sitzt. Union stellt das eigene Remis fast schon als Geschenk dar. Ein Punkt für St. Pauli – und damit indirekt Hilfe für ein Szenario, das in Köpenick offenbar niemand traurig machen würde: Der VfL Wolfsburg spielt schon bald in der 2. Bundesliga.

Fakt ist: Der VfL Wolfsburg steckt tief in der Krise, ist für Union ein direkter Konkurrent im Kampf um den Klassenerhalt – und ein leichtes Mobbing-Opfer. Wolfsburg, das Produkt des VW‑Konzerns, ist schließerlich bei vielen Fußballfans nicht besonders beliebt.

Union Berlin polarisiert und steht in der Kritik

St. Pauli dagegen wird im Post fast augenzwinkernd verklärt. Kultklub, Sympathieträger, in diesem Fall der „Partner“ im Meme‑Deal. Einer, dem man den Punkt gönnt – oder ihn eben „schenkt“.

Union-Stürmer Jeong Woo-Yeong fand genau wie seine Mitspielern kaum eine Lücke gegen den FC St. Pauli.
Union-Stürmer Jeong Woo-Yeong fand genau wie seine Mitspielern kaum eine Lücke gegen den FC St. Pauli.IMAGO/Michelle Luka

Fakt ist auch: Es ist nicht das erste Mal, dass die Social‑Media‑Abteilung der Eisernen bewusst provoziert. Immer wieder gab es in der Vergangenheit Beiträge, die aneckten. Über das Frankfurter Bahnhofsviertel oder über eine eingestürzte Dresdner Brücke. Mal humorvoll, mal grenzwertig, mal drüber.

Union Berlin verpasst gegen St. Pauli Befreiungsschlag

Klar ist ebenfalls: Über Geschmack lässt sich streiten. Während einige Fans den Humor feiern, wirkt der Beitrag für andere deplatziert. Zu viel Ironie, zu wenig Demut. Vor allem, weil Union selbst mitten im Abstiegskampf stecktund sportlich wenig Grund zum Spötteln hat.

Mittelstürmer Andrej Ilic rieb sich wie immer für den 1. FC Union Berlin auf. Den Serbe hing viel in der Luft, traf aber per Kopf zum 1:1 gegen den FC St. Pauli.
Mittelstürmer Andrej Ilic rieb sich wie immer für den 1. FC Union Berlin auf. Den Serbe hing viel in der Luft, traf aber per Kopf zum 1:1 gegen den FC St. Pauli.IMAGO/Michelle Luka

Beim 1:1 gegen St. Pauli zeigt Union Einsatz, aber erneut zu wenig Durchschlagskraft. Viel Aufwand, wenig Ertrag. Ein Traumtor bringt die Gäste in Führung, Ilic gleicht nach der Pause per Kopf aus – mehr gelingt nicht.

Abstiegskampf kennt keine Ablenkung

Und genau das ist das Problem. Denn ein Sieg hätte ein Befreiungsschlag sein können. Stattdessen bleibt es beim Punkt. Zu wenig im Abstiegskampf. Trainer Steffen Baumgart: „Ich bin nicht ganz zufrieden. Vor dem Spiel hätten wir natürlich gerne mehr gehabt. Es ist aber ein ein Teilerfolg, den wir gerne mitnehmen.“

Damit werden die nächsten beiden Spiele gegen Heidenheim (Sonnabend, 15.30 Uhr, Sky) und gegen den in Köpenick durch den Kakao gezogenen VfL Wolfsburg entscheidend.

Union hat es in der eigenen Hand – aber nur, wenn der Fokus stimmt. Auf dem Platz. Nicht auf Instagram.