Richtig oder falsch?

„Geht mir auf den Zünder“: Steffen Baumgart zählt Union-Star an

Ein Spieler des 1. FC Union sollte nach dem Stuttgart-Spiel eigentlich der eiserne Held sein – und wird von seinem Trainer dennoch deutlich kritisiert.

Author - Sebastian Schmitt
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Union-Trainer Steffen Baumgart schimpft nach dem 1:1 beim VfB Stuttgart über den Nicht-Jubel von Woo-yeong Jeong.
Union-Trainer Steffen Baumgart schimpft nach dem 1:1 beim VfB Stuttgart über den Nicht-Jubel von Woo-yeong Jeong.Guenter Hofer/SchwabenPress/IMAGO

Manchmal sagt ein Nicht-Jubel mehr als tausend Worte. Und manchmal nervt genau das gewaltig. Das 1:1 des 1. FC Union Berlin beim VfB Stuttgart war sportlich ein weiterer Beweis dafür, warum diese Mannschaft gerade so schwer zu schlagen ist. Fünftes Spiel in Folge ohne Niederlage, wieder ein später Treffer, wieder Moral. Und trotzdem dreht sich nach Abpfiff alles um eine Szene, die eigentlich keine sein sollte.

Woo-yeong Jeong trifft. 83. Minute. Ausgleich. Punkt gerettet. Eigentlich der Moment für einen Schrei, für geballte Fäuste, für das, was Union gerade ausmacht: Widerstand, Emotion, Zusammenhalt. Stattdessen hebt Jeong die Arme, entschuldigend, fast verlegen. Kein Jubel. Kein Ausbruch. Und plötzlich geht es nicht mehr nur um Fußball, sondern um Haltung.

Um diese Szene geht es: Union-Stürmer Woo-yeong Jeong will nach seinem Tor zum 1:1 gegen Ex-Klub Stuttgart nicht jubeln und hebt entschuldigend beide Arme.
Um diese Szene geht es: Union-Stürmer Woo-yeong Jeong will nach seinem Tor zum 1:1 gegen Ex-Klub Stuttgart nicht jubeln und hebt entschuldigend beide Arme.Robin Rudel/Pressefoto Rudel/IMAGO

„Mir geht das auf den Zünder. Der ist bei Union, dann soll er jubeln, wenn er ein Tor macht“, poltert Baumgart. Unions Cheftrainer trifft dabei einen wunden Punkt. Denn nicht nur Baumgart ist das Jubelverbot gegen den Ex-Klub ein Dorn im Auge.

Union-Trainer Steffen Baumgart poltert los

Viele Fans empfinden das im Fußball ungeschriebene Gesetz, gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber nicht zu jubeln, als scheinheilig. Sie wollen keine einstudierten Gesten, keine halbherzigen Emotionen. Sie wollen Echtheit. Sie wollen Spieler, die zeigen, dass ihnen dieser Punkt wichtig ist. Andere wiederum sehen es als respektvoll an, nicht übermäßig zu jubeln, um die Wertschätzung für die frühere Zeit zu zeigen.

Geht doch: Woo-yeong Jeong freute sich natürlich über sein Tor gegen Stuttgart und jubelte nach Abpfiff vor den Fans des 1. FC Union Berlin.
Geht doch: Woo-yeong Jeong freute sich natürlich über sein Tor gegen Stuttgart und jubelte nach Abpfiff vor den Fans des 1. FC Union Berlin.Matthias Koch/IMAGO

Wie so oft hängt der Torjubel stark von der individuellen Beziehung zum Ex-Klub und von der Situation ab. Klar ist nur: Das Jubel-Thema liefert jede Menge Zündstoff. Wegen Jeong jetzt auch bei Union.

Union-Star Jeong spielte nur ein Jahr beim VfB, aber ...

Der Offensivspieler war im Sommer 2024 zunächst auf Leihbasis nach Köpenick gewechselt, nachdem er sich beim VfB im ersten Jahr nicht durchsetzen konnte. Ein Jahr später verpflichtete Union Jeong für etwas mehr als vier Millionen Euro – mehr oder weniger im Tausch mit Jamie Leweling, der Union im Sommer 2024 – ebenfalls nach einer einjährigen Leihe – in Richtung Stuttgart verließ.

Für Baumgart ist die Sache klar: „Dieses ganze Zurückhalten – Stuttgart hat damals die Entscheidung getroffen, ihn abzugeben. Wir sind froh, dass wir ihn haben.“

Baumgart kann auch ohne Jeong-Jubel lachen

Fakt ist: In Jeongs Kultur sind Höflichkeit und Zurückhaltung tief verankert. Und: Trotz des Respekts für seinen ehemaligen Arbeitgeber war Jeong bis in die Haarspitzen motiviert: „Mein Gefühl war super, auch wenn ich nicht gejubelt habe. Ich wollte hier unbedingt ein Tor machen und freue mich, dass wir einen Punkt geholt haben.“

Richtig böse war Baumgart auf seinen Topjoker Jeong natürlich nicht. Nach dem 2:2 gegen Mainz bescherte der Angreifer den Eisernen erneut als Einwechselspieler einen wichtigen Punkt. Baumgart: „Die, die reingekommen sind, haben nahtlos angeknüpft – und der Trainer hat deshalb ein Lächeln im Gesicht, auch wenn man es mir nicht immer ansieht.“