Skisprung-Skandal

Skistar packt über verbotene Penis-Tricksereien aus

Mika Vermeulen enthüllt bizarre Betrugsmaschen im Skispringen: Mit künstlich vergrößertem Schrittmaß sollen Springer Vorteile beim Anzug bekommen.

Author - Stefan Henseke
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Der Österreicher Mika Vermeulen geht im Weltcup als Skilangläufer an den Start.
Der Österreicher Mika Vermeulen geht im Weltcup als Skilangläufer an den Start.Geir Olsen/ NTB/AFP

Es kommt also doch auf die Länge an: Der einstige österreichische Nordisch-Kombinierer und heutige Langläufer Mika Vermeulen berichtet über Betrügereien in der Skisprung-Szene. Viele Skispringer  würden bei der Größe ihres Penis tricksen, um sich Vorteile zu verschaffen, erzählt er in einem Podcast.

Der Trick: Je größer, je voluminöser der Penis erscheint, desto großzügiger darf der Skisprunganzug geschnitten werden – und ein Mehr an Stoff sorgt wiederum für bessere Flugeigenschaften und damit für größere Weite beim Skispringen.

Skispringer stopfen sich Plastilin in die Unterwäsche

In dem norwegischen Podcast „Skirious Problems“ berichtet Vermeulen über seine Erfahrungen als Nordisch Kombinierter. „Die Leute haben ständig betrogen. Sie stopften tonnenweise Plastilin in ihre Unterwäsche, um einen größeren Schritt zu erzielen.“

Bis 2018 war der heute 26-Jährige Nordisch Kombinierter und mehrfacher Juniorenweltmeister, ehe er zum Langlauf wechselte. Und zur Nordischen Kombination gehört auch das Skispringen. Damals wäre die Trickserei üblich gewesen. Als er das erste Mal vermessen wurde, hätten ihm die älteren und erfahreneren Springer geraten: „Es ist sehr wichtig, dass du deinen Penis mit Klebeband festklebst, denn so wird dein Schrittmaß ein oder zwei Zentimeter niedriger.“

Immer wieder gibt es im Skispringen Skandale um Tricksereien bei den Anzügen. Erst in der vergangenen Saison flogen die Norweger auf. Gegenseitige Vorwürfe und Beschuldigungen machten auch während der Vierschanzentournee die Runde, die Diskussionen um unzulässiges Material häufen sich.

Der Slowene Timi Zajc, der zum Tournee-Auftakt eigentlich Platz 2 belegte, wurde kurz darauf wegen eines zu kurzen Sprunganzugs disqualifiziert. Nachdem er in Garmisch-Partenkirchen wegen des gleichen Verstoßes aufflog, wurde er disqualifiziert und von der Tour ausgeschlossen. Der ehemalige Tournee-Sieger Sven Hannawald sagte wütend bei Sport1: „Da habe ich zwei Worte für: respektlos und dumm! Das beschreibt genau das, was dieser Typ ist.“

An seinem Anzug stimmt etwas nicht: Timi Zajc wurde bei der Vierschanzentournee disqualifiziert.
An seinem Anzug stimmt etwas nicht: Timi Zajc wurde bei der Vierschanzentournee disqualifiziert.Thomas Bachun/Gepa/imago

Mika Vermeulen findet in dem Podcast klare Worte über die Tricksereien: „Ich kann das mit hundertprozentiger Sicherheit sagen: Alle, die beim Skispringen und in der Nordischen Kombination disqualifiziert werden, betrügen absichtlich.“ Und sie rechtfertigten das einfach damit, dass sie sagen: „Ja, ja, aber alle anderen machen das auch.“

Auch in dieser Saison Jahr: Trickser enttarnt

Trotz verschärfter Regeln nach dem Norwegen-Skandal aus dem letzten Jahr werden auch in dieser Saison immer wieder Trickser enttarnt. So gab es in diesem Jahr auch schon eine in den Socken eingelegte zweite Sohle bei der Norwegerin Anna Odine Strom, einen zu kurzen Anzug bei Norwegens Halvor Egner Granerud oder die Skier des Polen Pawel Wasek, die plötzlich unrechtmäßig mit Fluor gewachst worden waren.

Vermeulen springt heute nicht mehr über die Schanzen und ist nur noch Langläufer. In diesem Jahr hofft er auf einen Start bei den Olympischen Winterspielen in Italien.