Sie gehören zu den berühmtesten TV-Familien Deutschlands – doch sie gelangten auf zweifelhafte Weise zum Ruhm: Über Jahrzehnte begleitete ein Team von Stern TV Familie Ritter aus Köthen durch ihren Alltag. Mutter Karin Ritter und ihre Kinder lebten in einer Sozialsiedlung, fielen durch Gewalt und Verwahrlosung auf. 1994 waren sie erstmals im Fernsehen zu sehen – mit einem Skandal-Interview, das Geschichte schreiben sollte.
Skandal-Interview mit Familie Ritter schockte alle
Nachdem drei der vier Söhne von Karin Ritter eine Familie in der Nachbarschaft überfallen hatten, drehte ein Kamerateam einen ersten Beitrag über Familie Ritter. Es sind Aufnahmen, die ganz Deutschland schockieren sollten, die zugleich den Auftakt für eine beispiellose Fernsehkarriere bildeten. Ein Interview, in dem schon die Kinder der Familie Ritter aus Köthen zeigen, welches Gedankengut in ihnen steckt.
Am 30. März 1994 wurde das erste Interview mit den Kindern aufgezeichnet. Die Reporter besuchten damals ein Obdachlosenheim am Stadtrand von Köthen, trafen dort erstmals die Familie. Die Kinder von Karin Ritter – René, Norman, Andy und Christopher – waren den Einwohnern in der Umgebung schon bestens bekannt. „Die kommen hier mit Beil und Spaten. Die haben ein Auto zerschlagen, das hätten Sie mal sehen müssen“, sagte ein Nachbar. Eine Frau berichtete, sie könnte ihre Kinder nicht zum Spielen rausschicken. „Weil sie verdroschen werden von den Kindern.“

Eine Nachbarin namens Bärbel Rabe berichtete, sie sei von den Kindern angegriffen worden. Die Kinder rissen Holzlatten aus dem Geländer im Flur, schlugen damit auf Ehemann Willi Rabe ein. Stunden später verwüsteten sie die Wohnung der Rabes., die Familie konnte sich nur mit viel Mühe in einem anderen Zimmer der Wohnung verbarrikadieren. In einem Interview kündigte der kleine Norman Ritter später weitere Gewalt an. „Der haue ich noch ein paar“, sagte er in Bezug zu Bärbel Raabe. „Was willst du mit der Frau machen?“, fragte der Reporter. Norman Ritter: „Totmachen.“
Die Söhne der Familie Ritter schlugen in der Schule zu
Auch in die Schule gingen die Söhne der Familie Ritter damals schon mit Holzlatten, griffen damit Schüler und sogar Lehrer an. „Es gibt Angst – sowohl bei den Schülern dieser Schule als auch bei den Kollegen.“ Nur: Woher kam die Gewalt? Regelmäßig gingen bei Familie Ritter damals Mitglieder der Skinhead-Szene ein und aus, dokumentieren die Filme. Im Interview mit den Kindern zeigt sich das ganze Ausmaß.

„Was willst du mal werden, wenn du groß bist?“, fragt der Reporter den kleinen Norman Ritter. „Skinhead“, antwortet er voller Überzeugung. Was er daran gut finde? „Die Baseballschläger und die schwarzen Uniformen.“ René Ritter erklärt, dass sie es seien, die die Deutschen gegen Ausländer verteidigen. „Die tun die ganze Arbeit wegnehmen“, sagt er. Seine Eltern hätten keine Arbeit – und daran seien die Ausländer schuld.
René Ritter will sogar Babys „kaputtschlagen“
Doch das Gespräch geht weiter. Er selbst kenne keinen Ausländer – und er wolle auch keinen kennenlernen. „Wenn du einen kennenlernst …“, fängt der Reporter an. „Den schlage ich blau“, sagt René weiter. „Den schlage ich blau“, wiederholt er. Dann noch einmal: „Den schlage ich blau. Weil ich die nicht leiden kann.“ Auch ein Kind würde er schlagen, auch ein Mädchen. „Bloß weil es Ausländer sind.“ Sogar ein Baby würde er „kaputtschlagen“, sagt er, grinst ein teuflisches Grinsen.
Es sind Aufnahmen, die zeigen, wie sehr sich das Gedankengut der Familie bereits in den Kindern festgesetzt hat. Familienoberhaupt Karin Ritter, die bereits im Jahr 2021 an Lungenkrebs starb, suchte immer gern den Konflikt. Als die Kinder nach dem gewalttätigen Angriff gegen die Nachbarin in einer Einrichtung untergebracht wurden, war sie es, die sie am nächsten Tag von dort abholte.
Familie Ritter aus Köthen: Das sagte das Jugendamt
„Mit der Familie Ritter hat es nie eine wirklich gute Zusammenarbeit gegeben“, sagte Peter Grimm, Leiter des Jugendamtes Anhalt-Bitterfeld. Die Familie habe „eine gewisse Beratungsresistenz“ entwickelt. „Die Familie Ritter hat es gelernt, immer, wenn es für sie wichtig war, zum Beispiel in gerichtlichen Anhörungen, uns ein Stück entgegenzukommen. Aber sobald das durch war, war auch das Thema durch.“ Es sei vorhersehbar gewesen, was aus den Mitgliedern der Familie wurde.




