Kurier-Interview

Senay Gueler rechnet ab: „Diese harten Strafen erwarten die Dubai-Influencer“

Senay Gueler berichtet über die Raketenangriffe in Dubai und erklärt, warum vor allem die Influencer aktuell in der Kritik stehen.

Author - Julia Nothacker
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Senay Gueler ist für einen neuen Job nach Dubai gegangen.
Senay Gueler ist für einen neuen Job nach Dubai gegangen.Markus Wächter/Berliner Zeitung

Er ist DJ, Schauspieler, Tattoo-Model – und jetzt auch Unternehmer: Senay Gueler (49), der Mann mit dem markanten Rauschebart, den vielen Tattoos und der Aura eines Großstadt-Rebellen. Kaum ein anderer Künstler verkörpert Berlin so wie er - und das, obwohl Senay nicht mal gebürtig aus der Hauptstadt kommt.

Überraschend hat Senay Gueler vor einigen Monaten seinen Lebensmittelpunkt nach Dubai verlegt. Ein neuer Job hat ihn in die Golfmetropole gezogen. Er mache jetzt etwas „mit Hand und Fuß“, sagt er dem Berliner KURIER.

Der 49- Jährige war bei den Raketen- und Drohnenangriffen aus dem Iran hautnah dabei. Wie er über die vielen Influencer denkt, die seit einigen Wochen fast schon gebetsmühlenartig von der großen Sicherheit in Dubai sprechen, hat er uns im Interview erzählt.

Senay Gueler erlebte dramatische Tage in Dubai

Senay Gueler hat es am vergangenen Wochenende gerade so noch raus aus Dubai geschafft. Am vergangenen Montag wurde der Flughafen nämlich erneut gesperrt, nachdem eine Drohne ein Treibstofflager getroffen und einen Brand ausgelöst hat.

Jetzt bleibt Senay erstmal ein paar Wochen in Berlin – um Zeit mit seiner Familie zu verbringen, die nicht mit nach Dubai gegangen ist. Eigentlich wollte der DJ nur eine Woche bleiben und dann zurück nach Dubai. Doch der Aufenthalt wird spontan verlängert.

Sein Unternehmen für Datenanalysen im Bereich Sport und Ernährung, das er zusammen mit einem Freund gegründet hat, pausiert aktuell.

Als die Raketen- und Drohnenangriffe losgingen, war Senay zunächst schockiert.

„Tatsächlich kamen die Raketen zuerst, wir haben also erst die Abschüsse gehört. Erst danach kam die Meldung, was eigentlich los ist. Für jemanden, der das nicht kennt - ich war noch nie in einem Kriegsgebiet -, war das schon sehr befremdlich und auch ein Stück weit beängstigend. Es waren extrem viele Raketen und Drohnen, die abgeschossen wurden. Die werden zwar relativ weit oben abgeschossen, aber man spürt die Druckwelle und die Hitze. Die Fenster wackeln. Und man hört natürlich auch den lauten Knall. Die ersten zwei, drei Tage waren schon echt heftig“, sagt er. Eine Drohne sei sogar direkt gegenüber von ihm in ein Hochhaus abgestürzt.

Senay Gueler im Gespräch mit Berliner-Kurier-Reporterin Julia Nothacker.
Senay Gueler im Gespräch mit Berliner-Kurier-Reporterin Julia Nothacker.Markus Wächter/Berliner Zeitung

Trotzdem ist es Senay Gueler wichtig zu betonen, dass es seiner Meinung nach keinen Grund gebe, in Panik zu verfallen. „Ich möchte das nicht überdramatisieren. Ja, es ist beängstigend, aber: Wenn ich mir vorstelle, wie die Menschen in der Ukraine, in Israel und in Iran damit leben müssen, ist das eine andere Nummer. Ich fühle mich recht sicher, auch deswegen, weil die Technik in den Emiraten sehr fortgeschritten ist.“

Dubai-Influencer in der Kritik: Zensur, Social-Media-Regeln und drohende Strafen

Tatsache ist aber auch, dass  Dubai und vor allem seine Influencer in den vergangenen Wochen stark in die Kritik geraten sind. „Zuerst Steuerflüchtling und jetzt wieder nach Deutschland wollen“, so der Tenor.

Senay sagt dazu: „Ich habe mir das in den letzten Wochen viel angeschaut. Ich habe mir angesehen, was gepostet wurde und habe auch die ganze Häme aus Deutschland mitbekommen. Bei vielen denke ich, dass es Schadenfreude ist. Schadenfreude ist was typisch Deutsches. Wenn du aus einem Land evakuiert wirst, musst du auch zahlen. Das finde ich auch nicht schlimm. Was ich allerdings schlimm finde, ist, wenn Leute sagen: ‚Ihr habt euch das ausgesucht, ihr bleibt jetzt gefälligst da!‘ Anstatt ein bisschen Mitgefühl zu zeigen, wird immer sofort auf die Leute mit dem Finger gezeigt und gesagt: ‚Die haben es nicht anders verdient.‘“

Senay Gueler kommt trotz Dubai-Auswanderung immer wieder nach Berlin zurück, seine Familie lebt dort.
Senay Gueler kommt trotz Dubai-Auswanderung immer wieder nach Berlin zurück, seine Familie lebt dort.Markus Wächter/Berliner Zeitung

Doch auch die Regierung von Dubai ist umstritten. Es heißt, die Influencer hätten einen Maulkorb verpasst bekommen und würden starke Dubai-Propaganda betreiben. „Es gibt in Dubai strenge Gesetze, was Social Media angeht. Es dürfen keine Fake-News verbreitet werden. Das heißt, du darfst nicht irgendwelche Videos hochladen, die nicht belegt sind. Du darfst kein Material von öffentlichen Gebäuden posten. Du darfst keine Raketen filmen und posten. Da waren einige Leute zu schnell mit dem Posten und haben sich dadurch selbst ein Ei gelegt. Die haben das teilweise so ausgeschlachtet und für sich selbst genutzt, dass sie gar nicht über die Konsequenzen nachgedacht haben. Ich denke, dass die Emirate das nicht vergessen werden. Viele Leute werden die Quittung dafür kassieren. Vielleicht wird ihnen die Influencer-Lizenz entzogen oder sie kassieren empfindliche Strafen“, erklärt Senay.

Weiter sagt er: „Du darfst auch keine Leute beleidigen. Es geht nicht nur um die Regierung, dass man die nicht kritisieren darf. Man darf sich generell nicht negativ im Netz über andere Menschen äußern. All das, was wir von hier kennen – das Mobbing, die Beleidigungen, die Morddrohungen, die Verschwörungstheorien – gibt es dort nicht.  Solche Sachen werden dort nicht gepostet, weil es harte Strafen dafür gibt. Für Hetze im Netz kannst du locker ein Jahr in den Knast gehen oder 20.000 Euro Strafe zahlen. Ich denke, einige werden sich da noch umgucken.“

Influencer-Trend in Dubai: Warum alle das gleiche Scheich‑Video posten

Auffallend war, dass viele Influencer das gleiche Video mit Dubai-Herrscher Scheich Muhammad bin Raschid Al Maktum gepostet haben, um zu signalisieren, dass sie keine Angst haben.

Senay weiß, warum: „Dass viele Influencer das gleiche Video und den gleichen Song genommen haben, hat einen ganz einfachen Grund: Es ist ein Trend. Influencer sind nun mal so. Gibt es einen Trend, der funktioniert, wird der sofort aufgenommen.“ Es gibt also keinen „Email-Verteiler von der Regierung“, in dem Influencer Vorgaben für ihre Reels bekommen? Genau dieses Gerücht machte die Runde.

Senay Gueler will nicht sein Leben lang in Dubai bleiben.
Senay Gueler will nicht sein Leben lang in Dubai bleiben.Markus Wächter/Berliner Zeitung

Senay Gueler lebt aktuell gerne in Dubai, die Vereinigten Arabischen Emirate waren aber nie sein Traumziel. Auf lange Sicht will er wieder zurückkommen, trotzdem reißt der Unternehmer aufgrund der aktuellen Situation nicht sofort alle Zelte ab.

Es sei dort zwar nicht alles Gold, was glänzt, sagt Senay, aber er schätzt in Dubai die unkomplizierte Bürokratie, die fortgeschrittene Digitalisierung, die hohe Sicherheit und die enorme Sauberkeit. „Hat mich das alles ein bisschen erschreckt? Ja, definitiv. Fühle ich mich deswegen unsicher da unten? Nein. Da gibt es andere Länder, in denen die Gefahr viel höher ist, dass dir was passiert. Will ich da mein ganzes Leben lang bleiben? Definitiv nicht. Das ist jetzt nicht das Land, in dem ich den Rest meines Lebens verbringen will.“

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