Gefahr in Ost-Berlin

Jeanette Biedermanns traurige DDR-Kindheit: Wie die Stasi ihre Familie jagte

Jeanette Biedermann spricht offen über die dramatische DDR‑Flucht ihrer Eltern und den Weg in die Freiheit.

Author - Julia Nothacker
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Jeanette Biedermann verbrachte ihre Kindheit in der DDR.
Jeanette Biedermann verbrachte ihre Kindheit in der DDR.IMAGO/Marc John

Es ist eine Geschichte, die man eher in einem Politthriller vermuten würde als im Leben einer der bekanntesten deutschen Sängerinnen: Jeanette Biedermann spricht immer offener über die düstere Vergangenheit ihrer Familie in der DDR – und darüber, wie ihre Eltern unter Lebensgefahr die Flucht wagten.

Jeanette Biedermann enthüllt ihre DDR‑Vergangenheit

Jeanette erzählte sowohl in der TV-Show „Sing meinen Song“ im Jahr 2019 als auch in der VOX-Doku „30 Jahre ohne Mauer – wir sind geflohen“ von ihrer Vergangenheit in der DDR.

Bis zu ihrem neunten Lebensjahr lebte Jeanette mit ihren Eltern in Ost-Berlin. Doch das Regime setzte die Familie zunehmend unter Druck. 1988 stellten ihre Eltern einen Ausreiseantrag – ein Schritt, der im DDR-System drakonische Konsequenzen nach sich zog.

„Mein Vater wurde verprügelt, als er von der Kneipe nach Hause kam, und dann wurden ihm seine ganzen Papiere gestohlen – es waren Leute von der Stasi“, erzählte Jeanette.

Als ihr Vater zur Polizei ging, bekam er eiskalt zu hören, er solle „zur Polizei im Westen“ gehen – eine klare Drohung, die zeigte, dass die Familie nun schutzlos war.

Die ganze Wahrheit über die dramatische DDR‑Flucht der Familie Biedermann

Besonders perfide: Man drohte den Eltern sogar damit, Jeanette könne etwas zustoßen. „‚Wir wissen, wo ihr Kind zur Schule geht‘. Das war dann der Moment, wo mein Vater über Nacht zu meiner Mutter gesagt hat, wir müssen hier weg. Wenn es an unser Kind geht, müssen wir hier weg.“

Jeanette Biedermann erwartet ihr erstes Kind.
Jeanette Biedermann erwartet ihr erstes Kind.Star-Media/Imago

Jeanettes Eltern erzählten ihr, sie würden einen harmlosen „Tagesausflug nach Prag“ machen. Dass dies in Wahrheit der Beginn einer riskanten Flucht war, erfuhr sie erst später. Die Eltern wollten verhindern, dass das Kind im entscheidenden Moment ein unvorsichtiges Wort sagte – denn das hätte für die Familie Gefängnis oder Schlimmeres bedeutet.

In der Prager Botschaft warteten damals Tausende DDR-Bürger auf Ausreise. Jeanette berichtete, sie habe die Situation als Abenteuer wahrgenommen – ohne zu begreifen, wie gefährlich die Lage wirklich war. Drei Tage verbrachte sie mit ihrer Mutter in der völlig überfüllten Botschaft, während ihr Vater draußen bleiben musste und um seine Familie bangte. Die Zustände in der Botschaft waren extrem.

Wie Jeanette Biedermanns Familie in den Westen gelangte

Schließlich kam die lang ersehnte Nachricht: Die Botschaftsflüchtlinge durften in den Westen ausreisen. Doch auch die Zugfahrt war gefährlich – Jeanettes Eltern erzählten später, dass offenbar Stasi-Beamte schlafenden Passagieren Kinder weggenommen hätten. Deshalb blieben sie die gesamte Fahrt hindurch wach, um ihr Kind zu schützen.

Für Jeanette ist die DDR-Flucht ihrer Eltern nicht nur ein historisches Kapitel, sondern ein Teil ihres Wesens. Die Flucht aus der DDR war ein Kapitel voller Angst, Mut, Risiko – und einer Elternliebe, die stark genug war, ein ganzes Regime herauszufordern.

Kannten Sie die Geschichte von Jeanette Biedermann bereits? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.