Mit seinen ulkigen Rollen hat er sich in der Film- und Fernsehwelt etabliert. Schauspieler Milan Peschel ist in der DDR aufgewachsen und schwelgt im Interview mit dem KURIER in DDR-Erinnerungen. Vor allem eines fehlt dem TV-Star heute: Die Solidarität.
Früher war die Gesellschaft solidarischer
Milan Peschel wuchs in Ost-Berlin auf, absolvierte von 1986 eine Ausbildung als Theatertischler an der Deutschen Staatsoper Berlin und arbeitete bis Anfang der 90er Jahre als Bühnentechniker an der Volksbühne Berlin. Sein Schauspieldurchbruch kam erst einige Jahre später.
Der TV-Star erlebte hautnah mit, wie es sich anfühlte, mit wenig auszukommen, nicht in einer Konsumgesellschaft zu leben und sich für andere einzusetzen. Im Gespräch mit dem KURIER gibt er zu: „Ich hatte schon das Gefühl, in einer etwas solidarischeren Gesellschaft zu leben. Mir fehlt heutzutage das Solidarische. Man war dadurch zusammen, dass sich alle in einer ähnlichen Situation befunden haben, in ähnlichen Zwängen.“ Heute erscheint ihm das nicht mehr so.
Vielmehr denkt jeder an sich selbst, an sein Leben, sein Geld und sein Glück. Das fällt ihm besonders in seinem Stadtviertel auf. „Allein die Durchmischung der Stadtviertel war eine andere. Da, wo ich lebe, im Prenzlauer Berg, wird immer vom Kiez geredet, aber das ist kein Kiez. Das ist eine Ansammlung von Eigentümern. Wo jeder Angst hat, sein Eigentum zu verlieren und sich auch so verhält auf der Straße, als würde ihm alles gehören.“

Für Peschel ist klar: „Besitz macht unfrei!“ Je mehr der Mensch besitzt, umso unfreier und ungerechter wird er gegenüber anderen Menschen, findet der Schauspieler. Genauso vermisst er auch die Einfachheit: „Mein Aufwachsen in der DDR ist ohne Telefon erfolgt. Wir hatten lange Zeit nicht mal eins zu Hause. Wenn ich Freunde anrufen wollte, musste ich zur Telefonzelle gehen, was natürlich sehr unbequem, anstrengend und nervig ist.“
Milan Peschel legt Wer auf das Miteinander
Weiter erzählt er: „Aber wer nichts erlebt, und dazu zähle ich auch durchaus negative Erfahrungen, der erfährt und lernt auch nichts. Manchmal sind Situationen, die unkomfortabel sind, vielleicht doch die Situationen, die uns in irgendeiner Form weiterbringen.“



