Kritik an Kiezbewohnern

TV-Star Milan Peschel spricht Klartext: Diese DDR-Eigenschaft fehlt ihm heute!

Schauspieler Milan Peschel erinnert sich an die DDR und kritisiert heute die fehlende Solidarität, das Besitzdenken und die Veränderungen in seinem Kiez.

Author - Mariella Mandurino
Teilen
Milan Peschel wuchs in der DDR auf und kennt die Unterschiede zwischen Ost und West.
Milan Peschel wuchs in der DDR auf und kennt die Unterschiede zwischen Ost und West.Imago

Mit seinen ulkigen Rollen hat er sich in der Film- und Fernsehwelt etabliert. Schauspieler Milan Peschel ist in der DDR aufgewachsen und schwelgt im Interview mit dem KURIER in DDR-Erinnerungen. Vor allem eines fehlt dem TV-Star heute: Die Solidarität.

Früher war die Gesellschaft solidarischer

Milan Peschel wuchs in Ost-Berlin auf, absolvierte von 1986 eine Ausbildung als Theatertischler an der Deutschen Staatsoper Berlin und arbeitete bis Anfang der 90er Jahre als Bühnentechniker an der Volksbühne Berlin. Sein Schauspieldurchbruch kam erst einige Jahre später.

Der TV-Star erlebte hautnah mit, wie es sich anfühlte, mit wenig auszukommen, nicht in einer Konsumgesellschaft zu leben und sich für andere einzusetzen. Im Gespräch mit dem KURIER gibt er zu: „Ich hatte schon das Gefühl, in einer etwas solidarischeren Gesellschaft zu leben. Mir fehlt heutzutage das Solidarische. Man war dadurch zusammen, dass sich alle in einer ähnlichen Situation befunden haben, in ähnlichen Zwängen.“ Heute erscheint ihm das nicht mehr so.

Vielmehr denkt jeder an sich selbst, an sein Leben, sein Geld und sein Glück. Das fällt ihm besonders in seinem Stadtviertel auf. „Allein die Durchmischung der Stadtviertel war eine andere. Da, wo ich lebe, im Prenzlauer Berg, wird immer vom Kiez geredet, aber das ist kein Kiez. Das ist eine Ansammlung von Eigentümern. Wo jeder Angst hat, sein Eigentum zu verlieren und sich auch so verhält auf der Straße, als würde ihm alles gehören.“

Als Kommissar Danowski spielt Milan Peschel (r.) zusammen mit Sebastian Bezzel (l.) in dem Film „Danowski – Neunauge“ mit.
Als Kommissar Danowski spielt Milan Peschel (r.) zusammen mit Sebastian Bezzel (l.) in dem Film „Danowski – Neunauge“ mit.Georges Pauly

Für Peschel ist klar: „Besitz macht unfrei!“ Je mehr der Mensch besitzt, umso unfreier und ungerechter wird er gegenüber anderen Menschen, findet der Schauspieler. Genauso vermisst er auch die Einfachheit: „Mein Aufwachsen in der DDR ist ohne Telefon erfolgt. Wir hatten lange Zeit nicht mal eins zu Hause. Wenn ich Freunde anrufen wollte, musste ich zur Telefonzelle gehen, was natürlich sehr unbequem, anstrengend und nervig ist.“

Milan Peschel legt Wer auf das Miteinander

Weiter erzählt er: „Aber wer nichts erlebt, und dazu zähle ich auch durchaus negative Erfahrungen, der erfährt und lernt auch nichts. Manchmal sind Situationen, die unkomfortabel sind, vielleicht doch die Situationen, die uns in irgendeiner Form weiterbringen.“

Milan Peschel spielt gerne ulkige und humorvolle Rollen. Hier ist er in der Rolle des Kommissar Danowski.
Milan Peschel spielt gerne ulkige und humorvolle Rollen. Hier ist er in der Rolle des Kommissar Danowski.Georges Pauly

Bis heute lebt der Schauspieler im Osten, nicht, weil er dem Osten treu bleiben will, sondern weil er sich selbst treu bleibt. Milan Peschel lebt nach dem Motto: „Es geht nicht um Ost und West, sondern wie man miteinander umgeht.“ So lebt er auch die Schauspielerei.

In seiner Rolle als Kommissar Danowski kehrt Milan Peschel im neuen Film „Danowski – Neunauge“ nach Hamburg zurück und ist den Verbrechern dicht auf der Spur. Der Film läuft am Montagabend, den 11. Mai, um 20.15 Uhr im ZDF.

Finden auch Sie, dass Solidarität und Einfachheit abgebaut haben? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com