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Ruhlaer Tüschel: Die DDR‑Süßspeise aus Thüringen ist ein Geheimrezept

Haben Sie schonmal etwas von Ruhlaer Tüschel gehört? Hinter diesem schrägen Namen verbirgt sich ein besonderer Auflauf aus der Bergstadt Ruhla.

Author - Florian Thalmann
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Ruhlaer Tüschel ist ein süßer Auflauf von Kurt Drummer. Er ist einfach zubereitet und bietet sich auch am Sonntag als Leckerei zum Kaffeetrinken an.
Ruhlaer Tüschel ist ein süßer Auflauf von Kurt Drummer. Er ist einfach zubereitet und bietet sich auch am Sonntag als Leckerei zum Kaffeetrinken an.Illustration: Berliner KURIER

Es gibt viele regionale Rezepte, die schon in der DDR zubereitet wurden. Das Besondere: Während sie in der Region, aus der sie jeweils kommen, echte Klassiker sind, kennt man sie anderswo kaum. Haben Sie etwa schon einmal etwas von Ruhlaer Tüschel gehört? Hinter dem Namen verbirgt sich eine köstliche Süßspeise, die aus der Bergstadt Ruhla im Thüringer Wald stammt. DDR-Starkoch Kurt Drummer hat das Rezept für eines seiner Kochbücher zu Papier gebracht. Wir verraten, wie der süße Auflauf geht – und warum er so lecker ist.

Ruhlaer Tüschel ist ein süßer Auflauf aus Thüringen

Beim Ruhlaer Tüschel handelt es sich um eine Auflauf, in den alte Brötchen, Eier, Milch und Margarine kommen. Außerdem werden Kirschen für das fruchtige Aroma hinzugegeben. Klassisch wird Ruhlaer Tüschel süß serviert, allerdings gibt es auch herzhafte Varianten – hier werden die Kirschen weggelassen, stattdessen wird der „Tüschel“ mit Schinken und Salat serviert.

Beim süßen Klassiker hingegen wird der fertige Auflauf noch mit Zimt und Zucker bestreut. Er kann als leckere Süßspeise genossen werden, macht sich aber auch prima zum Kaffeetrinken am Wochenende. Und bietet dann die tolle Chance, Brötchen vom Frühstück zu verwerten.

Nur: Woher kommt die merkwürdige Bezeichnung „Tüschel“ – ist das im Thüringer Dialekt etwa eine Bezeichnung für Brötchen, wie sie in dem Auflauf verwendet werden? Nein, das ist falsch. „Tüschel“ geht laut Erläuterung von DDR-Koch Kurt Drummer auf das „vertuschen“ zurück.

Denn manchmal wurde bei der Zubereitung des Auflaufs auch mal ein Ei mehr oder weniger genommen, denn je nach Versorgungslage und Preis musste früher sparsam mit Eiern umgegangen werden. Wurden also weniger Eier verwendet, wurde das gern verheimlicht, also vertuscht. Und wie bereitet man ihn nun zu, den Ruhlaer Tüschel? Hier ist das Rezept von Kurt Drummer.

Zutaten für Ruhlaer Tüschel: Das brauchen sie dafür

Die Zutaten für das DDR-Rezept: 8 bis 12 Brötchen vom Vortag, 4 bis 6 Eier, 375 ml Milch, 1,5 EL Margarine, 500 g Sauer- oder Süßkirschen, Zucker und Zimt

Die Zubereitung: So backen Sie den Auflauf aus Thüringen

Zuerst schneiden Sie die Brötchen in grobe Würfel. Dann geben Sie sie in eine Schüssel. Übergießen Sie sie mit der Milch und lassen Sie sie für etwa zehn Minuten einweichen. Schlagen Sie in der Zwischenzeit die Eier in eine Schüssel und verquirlen Sie sie gut. Dann geben Sie die verquirlten Eier zu den Brötchen. Nun wird alles miteinander verrührt, aber nur vorsichtig und nicht so stark.

Schon Kurt Drummer, der TV-Koch der DDR, wusste genau, was schmeckt! In einem seiner Kochbücher haben wir auch Ruhlaer Tüschel gefunden. Was das ist? Wir verraten es im Rezept!
Schon Kurt Drummer, der TV-Koch der DDR, wusste genau, was schmeckt! In einem seiner Kochbücher haben wir auch Ruhlaer Tüschel gefunden. Was das ist? Wir verraten es im Rezept!Harry Haertel/imago

Streichen Sie nun eine feuerfeste Form, am besten eine ausreichend große Form, mit etwas Margarine aus. Füllen Sie die Brötchenmasse ein. Lassen Sie die Kirschen abtropfen und verteilen Sie sie auf dem Ruhlaer Tüschel. Dann kommt der Auflauf auch schon für etwa 25 bis 30 Minuten bei Mittelhitze in den Backofen. Die Oberfläche sollte schön goldbraun werden.

Nehmen Sie den Ruhlaer Tüschel dann aus dem Ofen, bestreuen Sie die Oberfläche mit Zimt und Zucker und servieren Sie ihn heiß. Tipp: Etwas Vanillesoße oder eine Kugel Vanilleeis passt fabelhaft dazu. So wird der Ruhlaer Tüschel aus Thüringen auch zum perfekten Dessert. Für das nächste Essen mit der Familie können Sie die Masse für den Tüschel auch in kleine Förmchen füllen, wie sie etwa für Ragout Fin verwendet werden. Guten Appetit und viel Freude mit dem Rezept!

Welche Gerichte aus der DDR bereiten Sie gern zu? Und kennen Sie noch Rezepte mit seltsamen Namen? Schicken Sie uns eine Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns darauf!