Die Festivalsaison läuft auf Hochtouren und auch rund um Berlin zieht es Tausende auf Open-Air-Gelände, etwa aktuell zur Fusion. Bis zu 40 Grad, viel Bewegung, wenig Schlaf, oft kaum Schatten und begrenztes Wasser. Dazu kommen Alkohol und andere Substanzen. Ein Mediziner der Berliner Ärztekammer warnt: Hitze kann lebensgefährlich sein – und Alkohol und Drogen erhöhen das Risiko deutlich.
Hitze ist lebensgefährlich
Die Temperaturen steigen, die Belastung für den Körper ebenfalls. Was oft als lästig abgetan wird, kann ernsthafte Folgen haben. Ole Eggert, Pressesprecher und Stabsstellenleiter der Ärztekammer Berlin, äußert sich im KURIER mit klaren Worten: „Hitze kann nicht nur gefährlich für die Gesundheit sein – sie kann töten.“

Besonders problematisch ist, dass sich viele sicher fühlen. Vor allem junge Menschen sehen sich oft nicht als Risikogruppe. Genau darin liegt die Gefahr. Eggert: „Hitze in dem aktuellen Ausmaß ist für alle Menschen gefährlich, auch für junge Menschen. Das darf nicht unterschätzt werden.“ Denn extreme Hitze kann nicht nur zu Kreislaufproblemen führen, sondern im schlimmsten Fall tödlich enden.
Kritische Kombination: Hitze, Alkohol und Drogen
Eine besondere Rolle spielen Alkohol oder Drogen, denn sie verschärfen die Situation deutlich. „Die Kombination aus Alkohol und Drogen macht extreme Hitze noch viel gefährlicher“, sagt Eggert. Der Grund: Substanzen wie Alkohol, Kokain, Amphetamine, Ecstasy (MDMA) oder Designerdrogen stören die körpereigene Temperaturregulation massiv. Bei ohnehin schon hohen Temperaturen führt dies dann schnell zu Dehydration, Nierenversagen oder gar tödlichen Hitzeschlägen.

Das Problem beginnt bereits im Kopf. Bewusstsein und Urteilsvermögen werden beeinträchtigt und Warnsignale des Körpers werden nicht richtig eingeordnet oder komplett übersehen. Es kommt zu Fehleinschätzungen.
Körper verliert die Kontrolle
Hinzu kommt die harntreibende Wirkung von Alkohol auf den Körper. Das heißt: Der Körper verliert zusätzlich Flüssigkeit, obwohl er bei Hitze eigentlich viel mehr braucht. Das Ergebnis ist eine gefährliche Spirale. Der Körper kann sich schlechter abkühlen, der Kreislauf wird instabil.
Die Folgen können ernst sein. „Dadurch steigt das Risiko von ernsthaften Hitzeerkrankungen wie Hitzekrämpfen, Hitzeerschöpfung und dem lebensgefährlichen Hitzschlag“, so Eggert. Ein Hitzschlag ist ein medizinischer Notfall. Hier zählt jede Minute. Besonders gefährlich ist, dass die Symptome oft zu spät erkannt werden.

„Warnzeichen wie Schwindel, Bewusstseinsveränderungen und ein Anstieg der Körpertemperatur werden in dieser Konstellation oft nicht oder zu spät wahrgenommen“, erklärt der Mediziner. Wer betroffen ist, merkt häufig selbst nicht rechtzeitig, wie ernst die Situation ist.
Pflichten für Festivalbesucher und Veranstalter
Deshalb kommt es nicht nur auf das eigene Verhalten an. Gerade bei Festivals oder großen Veranstaltungen ist entscheidend, dass alle aufeinander achten. Wenn jemand plötzlich schwankt, verwirrt wirkt oder nicht mehr reagiert, sollte sofort gehandelt werden. Schnelle Hilfe kann im Ernstfall Leben retten. Die Empfehlungen sind einfach, aber entscheidend: ausreichend trinken, direkte Sonne meiden, Warnzeichen ernst nehmen und bei Problemen sofort reagieren.

Nicht nur Besucher stehen in der Pflicht. Auch Veranstalter müssen vorsorgen. Großveranstaltungen sollten deshalb über ein klares Hitzeschutzkonzept verfügen. Dazu gehören ausreichend Wasser, Schattenbereiche und medizinische Versorgung. „Bei Warnungen des Deutschen Wetterdienstes muss geprüft werden, welche Maßnahmen bis hin zur Absage der Veranstaltung notwendig sind“, so Eggert.
Die Botschaft der Ärztekammer ist deutlich: Hitze ist kein harmloses Sommerproblem, denn gerade in Kombination mit Alkohol und Drogen kann sie schnell zur Gefahr werden. Wer vorbereitet ist und aufmerksam bleibt, kann sich und andere schützen.


