Am Wochenende stehen die bisher heißesten Tage des Jahres bevor. Und auch in der kommenden Woche geht es laut Prognosen munter weiter mit Werten, die über 30 Grad liegen. Ganz Deutschland schwitzt und stöhnt! Die Hitze ist eine extreme Belastung – aber nicht nur für den Körper, sondern auch für die Psyche. Besonders heftig ist es für alle, die sich Tag für Tag mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit quälen. Viele Menschen auf engstem Raum, dazu die aufgestaute Wärme – und irgendein Deo versagt immer. Die schlechte Nachricht: Da müssen wir durch!
Hitze-Knigge für die Öffis: Berliner, benehmt euch!
In Berlins U-Bahnen, S-Bahnen-Straßenbahnen und Bussen geht es für viele unerträglich zu. Es wäre leichter, wenn sich jeder an ein paar einfache Regeln halten könnte – und wenn wir in der Lage wären, mehr Rücksicht aufeinander zu nehmen. KURIER-Reporter haben deshalb aufgeschrieben, was sie bei Hitze in den Öffis der Hauptstadt ganz besonders stört. Hier ist der ultimative Knigge für die besonders heißen Tage – mit Dingen, die in Bus und Bahn jetzt unbedingt unterlassen werden müssen!

Hitze-Regel Nummer 1: Haltet Abstand, bitte!
Es ist heiß, das Hemd klebt am Körper, der Zugwind in der U2 ist nichts als ein warmer Hauch. Wenn man in so einem Zustand erschöpft auf das bunte Muster sinkt, gibt es wenig Schlimmeres als einen zweiten, o der dritten Körper, der sich an der nächsten Station distanzlos in die letzte Lücke neben einem presst. Arme anlegen, sonst schmatzen die feuchten Gliedmaßen noch aneinander. Dicht an dicht Schwitzen, das geht noch nicht mal in der Sauna. Abstand halten wäre das Gebot der Stunde.
Doch zwei Beürfnisse prallen in der Sommer-Bahn oft aufeinder. Sitzen und Raum haben. Und weil ich so ungern so dicht beeiander sitze und schwitze, nehme ich, wenn es irgendwie geht an heißen Tagen das Rad. Dabei wähle ich meine Routen so aus, dass sie zu einem guten Teil im Schatten verlaufen. Der Fahrtwind kühlt und ich anhalten und mich auf eine Bank setzten, wann ich will. Allein. Stefanie Hildebrandt

Hitze-Regel Nummer 2: Fenster auf, bitte!
Die S-Bahn im Sommer ist keine reine Beförderung mehr – sie ist vor allem ein fahrendes Schwitzbad. Klimaanlage? Fehlanzeige. Was bleibt, ist der kleine, kostbare Luftzug, den offene Fenster wenigstens im Ansatz versprechen. Wer also einsteigt und ein geschlossenes Fenster vorfindet, das die Vorgänger aus rätselhaften Gründen nicht aufgeklappt haben: Einfach machen. Kein Drama, kein Zögern – Fenstergriff runter, Seele atmen lassen.
Ein kleiner Handgriff, ein großer Dienst an allen Mitreisenden, die gerade zwischen Schweiß, Hitze und dem zweifelhaften Parfüm der Sitznachbarn ums Überleben kämpfen. Und wer sich trotzdem dagegen sperrt, ein Fenster zu öffnen: Bitte einmal tief durchatmen – die Luft, die ihr gerade einatmet, haben die letzten zwanzig Fahrgäste schon vor euch gehabt. Wollt ihr das wirklich? Was ist falsch mit euch? Sharone Treskow

Hitze-Regel Nummer 3: Essen verboten!
30 Grad, kein Lüftchen, die Fenster lassen sich mal wieder nur einen Spalt öffnen und ne Klimaanlage gibts sowieso nicht. Und dann steigt jemand mit einem saftigen Döner oder einem fettigen Burger in die Bahn. Es beginnt oft harmlos: ein leises Knistern von Papier, ein vorsichtiges Auspacken, um ja keine Aufmerksamkeit zu erregen. Doch dann kommt die Welle. Knoblauchsoße, warmes Fleisch und Zwiebeln! Die Gerüche entfalten sich nicht dezent im persönlichen Radius, sondern sie legen sich im Nu wie ein schwerer Teppich über den gesamten Wagon.
Spätestens, wenn sich der Duft mit der ohnehin schon stehenden Hitze und dem Schweißgeruch der Mitfahrenden vermischt, wird aus einer normalen Fahrt ein absoluter Härtetest. Während der eine genüsslich kaut, versuchen andere krampfhaft, durch den Mund zu atmen. In genau solchen Momenten frage ich mich: Haben wir kollektiv verlernt, Rücksicht zu nehmen? Denn was vielleicht für die eine Person nach einem schnellen Snack aussieht, ist für alle anderen in diesem überhitzten Waggon schlicht eine geruchsintensive Zumutung, bei der so mancher wegen Sauerstoffmangel mit Kreislaufkollaps reagiert. Paula Hitzemann

Hitze-Regel Nummer 4: Passt auf eure Achseln auf!
Die Bahntür geht auf, zahlreiche Menschen strömen heraus und trotzdem stehen alle verbliebenen eng an eng. Es ist wie bei einem Konzert, nur, dass die gute Musik fehlt. Alle neuen Fahrgäste steigen ein, ein Piepen ertönt, die Türen schließen sich und der Horror beginnt.
Ich stehe mitten zwischen großen Kerlen, die ihre Arme mit unrasierten Achseln ausstrecken und nur ein loses T-Shirt oder Tanktop tragen. Der Schweiß durch die Hitze läuft nicht nur über meine Stirn, sondern auch durch ihre Achseln, die sie mir in mein Gesicht halten. Ich bin klein, sie sind groß und nehmen keine Rücksicht. Es ist einfach nur ekelhaft.
Soll ich euch meinen Achselschweißgeruch auch mal direkt vors Gesicht halten? Wir müssen endlich mal wieder anfangen mehr auf unsere Mitmenschen zu achten. Ja, jeder schwitzt, aber man muss es doch nicht buchstäblich jedem unter die Nase reiben. Seid bitte rücksichtsvoller. Mariella Mandurino

Hitze-Regel Nummer 5: Vorsichtig mit Parfum!
Ich weiß ein gutes Parfum ja zu schätzen - meine kleine, aber feine Sammlung ist der Beweis. Aber ich bin auch eine große Verfechterin davon, dass nicht jedes Parfum zu jedem Anlass passt. Wie oft bin ich schon, schwitzend und erschöpft von der Hitze, in eine volle Bahn gestiegen, und habe von einem aggressiven, vanilligen Gourmand-Duft den Todesstoß in Richtung Kopfschmerzen bekommen? Ich kann es nicht mehr an meinen Händen abzählen.
Ob man es persönlich mag, ist ja durchaus Geschmackssache. Offensichtlich findet es halb Berlin ganz toll, zu jeder Jahreszeit einen schweren Süßigkeiten-Duft zu tragen. Aber, liebe Parfum-Enthusiasten, bevor ihr euch morgens in eine dicke Wolke von Tom Fords „Lost Cherry“ o.ä. hüllt: Stellt euch doch einmal kurz die Frage, ob sich die Personen in einer vollen, nach Schweiß riechenden U-Bahn, die gezwungen sind, eine halbe Stunde lang neben euch zu stehen, genauso über den Duft freuen. Jana Hollstein

Hitze-Regel Nummer 6: Zieht euch bitte etwas an!
Neulich bin ich mit der Straßenbahn durch Lichtenberg gefahren. Nicht weit von mir entfernt hatte es sich eine junge Frau auf einem der gepolsterten Sitze gemütlich gemacht. Der Wärme entsprechend fiel ihre Kleidung nur sehr knapp aus – genau genommen trug sie ein Miniröckchen, das nicht mehr war als ein etwas breiterer Gürtel. Gut ersichtlich war dadurch nicht nur, dass sie unter dem Röckchen höchstens einen Hauch von Nichts trug. Sondern auch, dass sie mit ihrem – entschuldigen Sie meine Ausdrucksweise – kompletten nackten Arsch auf dem Sitz fläzte.




