Im deutschen Einzelhandel bahnt sich der nächste große Umbruch an. Die halbautomatisierte Mini-Supermarktkette Tante Enso will offenbar kräftig wachsen und bis zu 36 Supermärkte des angeschlagenen Konkurrenten Tegut übernehmen.
Bundeskartellamt muss Übernahme noch zustimmen
Das Unternehmen bestätigte nach Gesprächen mit dem Mutterkonzern, der Schweizer Genossenschaft Migros Zürich, entsprechende Pläne. Noch ist der Deal allerdings nicht in trockenen Tüchern. Die Übernahme steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch das Bundeskartellamt.
36 Standorte in Thüringen, Hessen und Bayern betroffen
Betroffen wären nach Angaben von Tante Enso insgesamt 36 Standorte in Thüringen, Hessen und Bayern. Welche Filialen genau dazugehören, soll im Laufe dieser Woche bekannt gegeben werden. Kommt der Kauf zustande, sollen die Märkte schrittweise auf das Tante-Enso-Konzept umgestellt werden.
Für die Beschäftigten soll die Übernahme vor allem Sicherheit bringen. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben mit viel Engagement diese Märkte betrieben und bekommen durch Tante Enso eine Perspektive für ihre weitere Zukunft“, sagte Geschäftsführer und Gesellschafter Thomas Gutberlet. Brisant: Er war bis 2024 selbst Geschäftsführer von Tegut und kennt die Strukturen der Kette genau.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben mit viel Engagement diese Märkte betrieben und bekommen durch Tante Enso eine Perspektive für ihre weitere Zukunft.
Handelskonzern will sich aus Deutschland zurückziehen
Hintergrund der möglichen Übernahme ist der geplante Rückzug von Migros aus dem deutschen Markt. Der Handelskonzern hatte bereits im März angekündigt, Tegut verkaufen zu wollen. Die Kette wird nun unter mehreren Interessenten aufgeteilt. Rund 200 Märkte sollen an Edeka gehen, während die Rewe-Gruppe Interesse an bis zu 40 Filialen angemeldet hat.
Auch Aldi Nord prüft laut Brancheninformationen einzelne Standorte. Alle diese Transaktionen müssen ebenfalls noch von den Wettbewerbshütern genehmigt werden. Klar ist jedoch schon jetzt: Die Marke Tegut soll künftig verschwinden. Wie viele Standorte am Ende tatsächlich weiterbetrieben werden, ist offen.

Tante Enso häufig in kleineren Orten präsent
Tante Enso will dabei von einem Markt profitieren, der seit Jahren unter Druck steht – vor allem im ländlichen Raum. Das Unternehmen mit Sitz in Bremen betreibt deutschlandweit knapp 90 halbautomatisierte Mini-Supermärkte. Das hybride Konzept setzt auf rund um die Uhr geöffnete Läden, die nur zu bestimmten Zeiten mit Personal besetzt sind. Zielgruppe sind insbesondere kleinere Orte, in denen klassische Supermärkte häufig nicht mehr wirtschaftlich arbeiten können.
Tegut blickt auf eine lange Geschichte zurück. Die Kette wurde 1947 in Fulda gegründet und gehörte über Jahrzehnte zu den prägenden regionalen Lebensmittelhändlern in Hessen und angrenzenden Bundesländern.
Derzeit gibt es rund 340 Tegut-Filialen in Deutschland
Anfang 2013 übernahm Migros das Unternehmen. Heute ist Tegut in sechs Bundesländern vertreten, mit dem Schwerpunkt in Hessen. Nach Angaben von Migros gibt es derzeit rund 340 Tegut-Filialen, darunter etwa 40 sogenannte Teo-Minimärkte. Rund 7500 Menschen sind bei Tegut beschäftigt.




