Lebensmittelkonzern

Rewe will diese 40 Filialen übernehmen: Kartellamt muss noch zustimmen

Dieser Plan könnte die deutsche Lebensmittelbranche drastisch verändern. Dabei spielt auch Edeka eine Rolle.

Author - Sebastian Krause
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Rewe und Edeka wollen einen Großteil der Tegut-Filialen in Deutschland übernehmen. Der Schweizer Handelskonzern Migros will sich aus Deutschland zurückziehen.
Rewe und Edeka wollen einen Großteil der Tegut-Filialen in Deutschland übernehmen. Der Schweizer Handelskonzern Migros will sich aus Deutschland zurückziehen.Malin Wunderlich/dpa

Jetzt ist es offiziell: Rewe greift nach Tegut – und zwar nach einem ganzen Schwung an Märkten! Der Lebensmittelhändler plant, bis zu 40 Filialen der Supermarktkette zu übernehmen. Wie das Unternehmen der Deutschen Presse-Agentur mitteilte, wurde dafür bereits ein Vertrag mit dem Mutterkonzern Genossenschaft Migros Zürich unterschrieben, der sich aus Deutschland zurückziehen und seine Filialen verkaufen will.

Bundeskartellamt muss noch zustimmen

Doch bevor irgendwo neue Schilder hängen, muss erst das Bundeskartellamt zustimmen – die Transaktion steht unter dem Vorbehalt der Freigabe.

Rewe will Märkte selbst betreiben, Teil geht an Penny

Wenn die Behörde grünes Licht gibt, will Rewe den Großteil der Tegut-Märkte selbst betreiben, der Rest soll an die Discountertochter Penny gehen. Zum Kaufpreis sagt Rewe nichts. Auch welche Standorte genau betroffen sind, bleibt offen.

Für die Beschäftigten gibt es immerhin eine Zusage: Rewe will ihnen ein Jobangebot machen. Die meisten Tegut-Filialen liegen in Hessen – dort dürfte die Nachricht besonders genau verfolgt werden.

Die Rewe-Gruppe will bis zu 40 Filialen von Tegut übernehmen.
Die Rewe-Gruppe will bis zu 40 Filialen von Tegut übernehmen.Thomas Banneyer/dpa

Auch Edeka übernimmt einen Großteil der Tegut-Filialen

Der Rewe-Deal ist aber nur ein Teil eines viel größeren Ausverkaufs. Denn Migros hatte kürzlich angekündigt, sich aus Deutschland zurückzuziehen und Tegut verkaufen zu wollen.

Der große Brocken ist schon verplant: Rund 200 der etwa 300 Supermärkte der Kette will Edeka übernehmen. Zusätzlich gehören das Tegut-Logistikzentrum in Michelsrombach (Landkreis Fulda) sowie die rund 40 „Teo“-Minimärkte zum Paket. Auch dieses Geschäft muss das Kartellamt erst abnicken.

Eine Untersagung der Übernahme durch Edeka und andere große deutsche Lebensmitteleinzelhändler hätte gravierende Folgen für die Versorgung der Verbraucher sowie für Tausende Arbeitsplätze, da Standortschließungen drohen.

Rolf Lange, Sprecher der Edeka-Zentrale

Aldi Nord wird ein Interesse an Standorten nachgesagt

Und es gibt noch mehr Interessenten am Tegut-Kuchen: Aldi Nord soll sich nach dpa-Informationen ebenfalls für einzelne Standorte interessieren. Migros hatte außerdem bereits im März bekannt gegeben, dass man mit Rewe verhandelt.

Tegut, wie man es kennt, soll verschwinden. Die Marke soll aufgegeben werden. Wie viele Märkte am Ende überhaupt bestehen bleiben, ist aber noch unklar. In den Unterlagen des Konzerns heißt es dazu wörtlich: „Die Filialen werden zu größten Teilen an andere Lebensmitteleinzelhändler verkauft“, heißt es im Jahresabschluss der Genossenschaft Migros Zürich.

Marktmacht der Konzerne wird noch größer

Doch genau hier beginnt der Zoff – denn Rechtsexperten sehen die geplanten Übernahmen kritisch. Kartellrechtler Rupprecht Podszun (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) beklagt eine zu hohe Marktmacht der großen Handelsketten in Deutschland und rechnet mit einer besonders intensiven Prüfung durch das Kartellamt. Er hält es für möglich, dass die Behörde die Vorhaben ganz oder teilweise untersagt.

Edeka hält dagegen. Das Unternehmen warnt vor einem Dominoeffekt, falls das Kartellamt Nein sagt. Der Sprecher der Edeka-Zentrale, Rolf Lange, meint: „Eine Untersagung der Übernahme durch Edeka und andere große deutsche Lebensmitteleinzelhändler hätte gravierende Folgen für die Versorgung der Verbraucher sowie für Tausende Arbeitsplätze, da Standortschließungen drohen.“

Edeka will rund 200 der etwa 300 Supermärkte der Tegut-Kette übernehmen.
Edeka will rund 200 der etwa 300 Supermärkte der Tegut-Kette übernehmen.Thomas Banneyer/dpa

Ausländische Investoren spielen keine Rolle

Realistisch kämen für eine Übernahme der Tegut-Märkte nur die großen deutschen Lebensmitteleinzelhändler in Betracht. Und Lange schiebt nach: „Ausländische Investoren scheuen den Markteintritt in den deutschen Markt, da dieser so wettbewerbsintensiv und von niedrigen Margen geprägt ist“, sagt er.

Warum zog Migros überhaupt die Reißleine? Der Schweizer Konzern konzentriere sich wieder auf den Heimatmarkt, in Deutschland habe sich das Umfeld verschärft. Tegut sei mit seiner Positionierung und Größe langfristig wirtschaftlich nicht zukunftsfähig. Nach Angaben des Konzerns gibt es etwa 340 Tegut-Filialen, inklusive der „Teo“-Minimärkte; knapp 7500 Menschen sind bei Tegut beschäftigt.

Wie ist Ihre Meinung zu den Plänen? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com