Sonntags einkaufen? Eigentlich verboten. Doch ein Unternehmer aus Bremen hat dafür längst einen cleveren Trick gefunden und könnte damit bald auch in Brandenburg durchstarten.
24/7-Öffnung nur ohne Personal möglich
In einem kleinen Ort wie Wustrau (Ostprignitz-Ruppin) funktioniert das System schon heute. Der Supermarkt hat rund um die Uhr geöffnet, auch am Sonntag. Möglich macht das ein automatisiertes Konzept. Kunden kommen mit Zugangskarten rein, scannen ihre Einkäufe selbst und bezahlen bargeldlos. Personal ist meist nicht vor Ort.
Genau mit diesem Modell hat das Bremer Unternehmen „Tante Enso“ bislang eine rechtliche Grauzone genutzt. Denn eigentlich dürfen Geschäfte sonntags nicht öffnen. Doch weil kein klassisches Verkaufspersonal eingesetzt wird, wird das Verbot faktisch umgangen.
Für viele Dörfer ist das ein Segen: Künftig soll es auch endlich hier die Möglichkeit geben, sonntags noch schnell das Nötigste zu besorgen. Unternehmer Norbert Hegmann (51) sieht in dem Konzept ein großes Potenzial. Wie der rbb24, berichtet, sagt er: „Der Bedarf ist relativ groß.“
Gerade in ländlichen Regionen sei das Konzept ein echter Gewinn. Die Läden seien „für die dörfliche Region ein Zugewinn“ und „für die Aufwertung der Orte ganz entscheidend“. Neben der Versorgung entstehe wieder ein Treffpunkt für die Menschen.
Voraussetzung für die Eröffnung ist jedoch, dass sich Anwohner beteiligen: In Wustrau mussten sich mindestens 300 Menschen mit jeweils 100 Euro an einer Ladengenossenschaft beteiligen.
Brandenburg will Gesetz ändern, Verdi übt Kritik
Jetzt will die Landesregierung aus SPD und CDU nachziehen und das Modell offiziell erlauben. Geplant ist eine Änderung des Ladenöffnungsgesetzes. Geschäfte mit bis zu 250 Quadratmetern sollen künftig rund um die Uhr öffnen dürfen, auch an Sonn- und Feiertagen. Die Voraussetzung ist allerdings, dass der Betrieb ohne Personal funktionieren muss.

Für die Politik geht es dabei um mehr als nur bequemes Einkaufen. Staatssekretär Johannes Wagner (43) betont, Ziel sei die „Aufrechterhaltung gleichwertiger Lebensverhältnisse“. Wagner hält die geplante Regelung für ausgewogen.
Doch nicht alle sind überzeugt. Die Gewerkschaft Verdi warnt vor versteckter Sonntagsarbeit. Denn auch wenn die Läden automatisiert sind, müsse im Hintergrund Personal einspringen, wenn Technik ausfällt. Gewerkschafterin Franziska Foullong fragt deshalb kritisch: „Was mache ich eigentlich, wenn ich am Ende bezahlen möchte und die Technik versagt?“ Ihrer Ansicht nach werde so der Schutz von Arbeitnehmern ausgehöhlt.




