Selbstbedienung

Supermarkt-Kette hat Sonntagsverkaufsverbot umgangen: Bald auch in Brandenburg?

Sonntags einkaufen trotz Verbot? In Brandenburg sollen automatisierte Supermärkte bald rund um die Uhr öffnen dürfen. Verdi warnt.

Author - Mariella Mandurino
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Symbolbild: Eine Kundin geht in einen kleinen Supermarkt in Rheurdt (NRW). Solche Smart Stores soll es auch in Brandenburg geben.
Symbolbild: Eine Kundin geht in einen kleinen Supermarkt in Rheurdt (NRW). Solche Smart Stores soll es auch in Brandenburg geben.Markus Weißenfels/Imago

Sonntags einkaufen? Eigentlich verboten. Doch ein Unternehmer aus Bremen hat dafür längst einen cleveren Trick gefunden und könnte damit bald auch in Brandenburg durchstarten.

24/7-Öffnung nur ohne Personal möglich

In einem kleinen Ort wie Wustrau (Ostprignitz-Ruppin) funktioniert das System schon heute. Der Supermarkt hat rund um die Uhr geöffnet, auch am Sonntag. Möglich macht das ein automatisiertes Konzept. Kunden kommen mit Zugangskarten rein, scannen ihre Einkäufe selbst und bezahlen bargeldlos. Personal ist meist nicht vor Ort.

Genau mit diesem Modell hat das Bremer Unternehmen „Tante Enso“ bislang eine rechtliche Grauzone genutzt. Denn eigentlich dürfen Geschäfte sonntags nicht öffnen. Doch weil kein klassisches Verkaufspersonal eingesetzt wird, wird das Verbot faktisch umgangen.

Für viele Dörfer ist das ein Segen: Künftig soll es auch endlich hier die Möglichkeit geben, sonntags noch schnell das Nötigste zu besorgen. Unternehmer Norbert Hegmann (51) sieht in dem Konzept ein großes Potenzial. Wie der rbb24, berichtet, sagt er: „Der Bedarf ist relativ groß.“

Gerade in ländlichen Regionen sei das Konzept ein echter Gewinn. Die Läden seien „für die dörfliche Region ein Zugewinn“ und „für die Aufwertung der Orte ganz entscheidend“. Neben der Versorgung entstehe wieder ein Treffpunkt für die Menschen.

Voraussetzung für die Eröffnung ist jedoch, dass sich Anwohner beteiligen: In Wustrau mussten sich mindestens 300 Menschen mit jeweils 100 Euro an einer Ladengenossenschaft beteiligen.

Brandenburg will Gesetz ändern, Verdi übt Kritik

Jetzt will die Landesregierung aus SPD und CDU nachziehen und das Modell offiziell erlauben. Geplant ist eine Änderung des Ladenöffnungsgesetzes. Geschäfte mit bis zu 250 Quadratmetern sollen künftig rund um die Uhr öffnen dürfen, auch an Sonn- und Feiertagen. Die Voraussetzung ist allerdings, dass der Betrieb ohne Personal funktionieren muss.

Die Smart Stores sind alle videoüberwacht. Nur so funktioniert das Konzept.
Die Smart Stores sind alle videoüberwacht. Nur so funktioniert das Konzept.Markus Weißenfels/Imago

Für die Politik geht es dabei um mehr als nur bequemes Einkaufen. Staatssekretär Johannes Wagner (43) betont, Ziel sei die „Aufrechterhaltung gleichwertiger Lebensverhältnisse“. Wagner hält die geplante Regelung für ausgewogen.

Doch nicht alle sind überzeugt. Die Gewerkschaft Verdi warnt vor versteckter Sonntagsarbeit. Denn auch wenn die Läden automatisiert sind, müsse im Hintergrund Personal einspringen, wenn Technik ausfällt. Gewerkschafterin Franziska Foullong fragt deshalb kritisch: „Was mache ich eigentlich, wenn ich am Ende bezahlen möchte und die Technik versagt?“ Ihrer Ansicht nach werde so der Schutz von Arbeitnehmern ausgehöhlt.

Tatsächlich zeigt die Praxis, dass es nicht ganz ohne Menschen geht. Auch in Wustrau muss gelegentlich jemand einspringen. Doch trotz der Kritik treibt Brandenburg das Vorhaben voran.

Und auch Unternehmer Hegmann will expandieren. Noch schreibt sein Unternehmen zwar keine schwarzen Zahlen, doch mit rund 40 weiteren Läden könnte sich das ändern. Schon in einem Jahr könnten deutlich mehr dieser rund um die Uhr geöffneten Märkte entstehen.

Würden Sie so einen Smart Store nutzen? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com