Der Mullah Abdul Ghani Baradar (53) könnte als politischer Führer der Taliban neuer Staatschef Afghanistans werden.  AFP/Karim Jaafar

Ein Mann, der im arabischen Katar im Exil lebte, könnte der neue Staatschef eines islamischen „Emirats“ Afghanistan werden: Mullah Abdul Ghani Baradar (53). Er war  besser bekannt geworden, weil er als Leiter des politischen Büros der Taliban in Katar bei Verhandlungen immer dabei war. Im Februar 2020 unterzeichnete er das Abkommen mit den USA unter anderem über ein Ende des US-geführten Militäreinsatzes in Afghanistan. Baradar sprach mit dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump und traf mehrmals Ex- Außenminister Mike Pompeo.

Baradar war 2010 in Pakistan festgenommen und 2018 auf Druck der USA unter Trump wieder freigelassen worden. Er gilt neben dem 2013 verstorbenen Mullah Omar als Mitbegründer der Taliban. An seiner Seite soll der Mann aus dem Süden Afghanistan bereits gegen die Sowjetunion gekämpft haben, die Afghanistan 1979 besetzt hatte. Mit der Machtübernahme der Taliban 1996 wurde er Vize-Verteidigungsminister.

Nach der US-Intervention 2001 in Folge des 11. September flüchtete er ins benachbarte Pakistan, führte von dort den Krieg in seinem Heimatland. Er wurde von US-Agenten 2010 aufgespürt, festgenommen und in Pakistan ins Gefängnis gesteckt. Die USA drängten 2018 auf seine Entlassung, damit er an Friedensgesprächen teilnehmen konnte.

Jetzt verkündete er in einer Videobotschaft: „Wir versichern allen, dass Allah uns solche großen Siege geschenkt hat – wir werden mit all unseren Fähigkeiten und Ressourcen daran arbeiten, Recht und Ordnung aufrechtzuerhalten und ein besseres Leben zu gewährleisten.“

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Baradar, offiziell Vize-Chef der Taliban, wird zunächst am Mittwoch als Leiter einer zehnköpfigen Delegation nach Moskau reisen, schrieb der Sprecher des politischen Büros der Taliban in Doha auf Twitter.

Russland will bei dem kurzfristig angesetzten Treffen mit Vertretern unter anderem aus den USA, China und Pakistan einen weiteren Anlauf für eine friedliche Lösung des Afghanistan-Konflikts nehmen. Die entmachtete afghanische Regierung hatte bereits am Wochenende eine Teilnahme zugesagt.  

Guter Freund des Terrorführers von al-Qaida 

Mullah Haibatullah Achundsada gilt als eigentlicher Anführer der Taliban, jedoch eher im religiösen Sinne. AFP/Afghanische Taliban

Nachdem sein Vorgänger Mullah Mansur 2016 bei einem US-Angriff getötet wurde, trifft allerdings Mullah Haibatullah Achundsada als sogenannter „Anführer der Gläubigen“ die endgültigen Entscheidungen über politische, religiöse und militärische Angelegenheiten der Taliban. Auch er gehört zur Gründergeneration der Bewegung. In Quellen wird der heute etwa 60-Jährige, der ebenfalls aus dem Süden Afghanistans stammt, als ehemaliger Oberster Richter der Taliban oder als dessen Stellvertreter beschrieben. 

 11. September 2001: Vollbesetzte Passagierflugzeuge rasen in die Twin Towers von New York. Ein drittes Flugzeug stürzt ins Pentagon. AFP/Seth McAllister

Als Erfolg wird dem geschätzt 60-jährigen Achundsana zugeschrieben, die zeitweilig zerstrittenen Taliban geeint zu haben. Bei ihnen war es nicht gut angekommen, dass der Tod von Mullah Omar 2013 bis 2015 geheim gehalten worden war.

Er soll sich auch ein Vertrauensverhältnis zu Ayman al-Zawahiri (70) gesichert haben, dem bis heute flüchtigen Anführer des Terrornetzwerks al-Qaida nach dem Tod von Osama bin Laden, dem Organisator des Terrors vom 11. September 2001 mit über 3000 Toten. Al-Zawahiri nannte ihn „Emir der Gläubigen“.