In Kabul war es am Montag zu Chaos am Flughafen gekommen. Afghanen, die vor den Taliban fliehen wollten, rannten auf das Flugfeld.  AP/dpa

Es sind unfassbare Bilder, die derzeit aus Kabul um die Welt gehen. Bilder von Menschen in Angst und Panik. Bilder von Zivilisten, die verzweifelt versuchen, ihr Land zu verlassen. Und Bilder von Menschen, die Regeln brechen, um zu helfen.

Ein Flugzeug der US-Luftwaffe hat mit einem einzigen Flug rund 640 afghanische Zivilisten in Sicherheit gebracht. Die Internetseite „Defense One“ veröffentlichte am Montag ein Foto des vollgepackten Innenraums der Transportmaschine vom Typ C-17, in dem die Afghanen auf dem Boden sitzen - der vor lauter Menschen nicht mehr zu sehen ist.

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Demnach hatten panische Afghanen sich in Kabul über die halboffene Rampe ins Flugzeug gezogen. Die Besatzung habe sich entschieden zu fliegen, statt die Menschen wieder von Bord zu zwingen. Aus Sicherheitskreisen habe es geheißen, nach der Landung in Katar seien 640 Zivilisten aus der Maschine ausgestiegen. Nach Angaben des Herstellers Boeing ist die Frachtmaschine eigentlich für bis zu 134 Passagiere ausgelegt.

In Kabul war es am Montag zu Chaos am Flughafen gekommen. Afghanen, die vor den Taliban fliehen wollten, rannten auf das Flugfeld, um in Sicherheit gebracht zu werden. Der Flugverkehr musste zeitweise eingestellt werden. 

Bundeswehr rettet nur sieben Menschen

Auch deshalb kam es bei der Bundeswehr zu Problemen bei der Evakuierung. Ein Airbus kreiste stundenlang über Kabul, ehe er landen konnte. Im Vergleich mit der Aktion der amerikanischen Kollegen muss sie sich dennoch die Frage gefallen lassen, warum ein deutsches Flugzeug mit nur sieben Geretteten an Bord dort abheben konnte. „Wir können bestätigen, dass in der Nacht mit einem Flug aus Kabul sieben Personen evakuiert wurden“, erklärte das Auswärtige Amt am Dienstag. Dabei handelte es sich um fünf Deutsche, einen Niederländer und eine afghanische Ortskraft.

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Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU)  rechtfertigte das. „Wir haben eine sehr unübersichtliche, gefährliche, komplexe Situation am Flughafen, vor allem durch die Menschenmengen“, sagte sie am Dienstag im ARD-„Morgenmagazin“. „Wir haben es gestern geschafft, in einer wirklich halsbrecherischen Landung unsere Maschine zu Boden zu bringen“, fügte die Ministerin hinzu. Und: „Wir hatten nur ganz wenig Zeit und deswegen haben wir nur die mitgenommen, die jetzt wirklich auch vor Ort waren. Und die konnten gestern wegen der chaotischen Situation noch nicht in einer größeren Zahl am Flughafen sein.“  

Der CDU-Außenpolitiker Johann Wadephul sagte im Deutschlandfunk, die Maschine habe nach einer halben Stunde wieder starten müssen. „Und wir konnten nur die mitnehmen, die jetzt da waren. Es wäre auch unverantwortlich gewesen, weil gar nicht sicher war, dass die Maschine landen konnte, mehr Menschen dort jetzt schon zum Flughafen zu bringen.“

Schießereien am Flughafen, nur eine halbe Stunde Zeit

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte: „Aufgrund der chaotischen Umstände am Flughafen und regelmäßiger Schusswechsel am Zugangspunkt war gestern Nacht nicht gewährleistet, dass weitere deutsche Staatsangehörige und andere zu evakuierende Personen ohne Schutz der Bundeswehr überhaupt Zugang zum Flughafen erhalten würden.“

Mehr Menschen hätten die Maschine auf dem Rollfeld nicht erreichen können. Ein Zugang von Personen, die sich am zivilen Teil des Flughafens aufgehalten hätten, sei „von den Partnern, die die Sicherheitsverantwortung am Flughafen ausüben, nicht ermöglicht“ worden, erklärte der Sprecher weiter. Mit den Partnern dürften US-Soldaten gemeint sein.

Das Flugzeug habe den Flughafen außerdem nach kurzer Zeit wieder verlassen müssen. „Aufgrund der gerade abends und nachts äußerst gefährlichen Lage auf den Zufahrtswegen zum Flughafen wäre es ein untragbares Risiko für Leib und Leben der Menschen vor Ort gewesen, die zu Evakuierenden vor Erteilung der Landeerlaubnis und vor Sicherung des Zugangs durch Bundeswehrkräfte aufzurufen, sich zum Flughafen zu begeben.“

Die Bundeswehr hatte mit dieser ersten Maschine die Fallschirmjäger der für Evakuierungsaktionen speziell ausgebildeten Division Schnelle Kräfte nach Kabul bringen können. „Mit Unterstützung der jetzt in Kabul eingetroffenen Kräfte der Bundeswehr arbeiten wir unter Hochdruck daran, dies im Laufe der nächsten Stunden für erste Evakuierungsgruppen zu ermöglichen“, erklärte der Sprecher.