Lothar Wieler (l.) Präsident des Robert-Koch-Instituts mit Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach am Donnerstag in Berlin. imago

Deutschland steht vor einer massiven fünften Corona-Welle. Das erwarten übereinstimmend Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und der Chef des Robert-Koch-Instituts (RKI) Lothar Wieler. Während das Land noch die Auswirkungen der vierten Welle mit Hunderten Corona-Toten pro Tag, ausgelasteten Intensivstationen und Inzidenzen regional über 1000 spürt, bahnt sich ausgerechnet vor Weihnachten neues Unheil an.

Im Spiegel zeigt sich RKI-Chef Wieler angesichts der neuen Omikron-Variante besorgt: „Diese Variante wird sich sehr schnell verbreiten, die fünfte Welle wird kommen.“ Der einzige Ausweg sei, das aktuelle Niveau des Infektionsgeschehens deutlich zu senken. Doch während die Inzidenzen deutschlandweit sinken, steigen sie regional wieder an, so auch in Berlin. Eindringlich warnt Wieler warnte davor, wegen des Rückgangs der Zahlen wieder zu lockern. „In einigen Landkreisen liegt die Inzidenz immer noch bei über tausend und das ist viel zu hoch.“ Ziel müsse es vielmehr sein, die Fallzahlen deutlich zu reduzieren. Das ergäbe es die Chance, „die Omikron-Welle flach zu halten“.

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RKI fordert Kontaktbeschränkungen und Corona-Regeln zu verschärfen

Das Rezept, die fünfte Welle in Schach zu halten, sei: „Impfen, impfen, impfen, konsequent Masken tragen, Kontakte beschränken, Großveranstaltungen absagen, Hotspots wie Clubs schließen, kontrollieren, ob die 2G-Regeln eingehalten werden.“ Der Schutz für Alten- und Pflegeheime müsse „so hoch wie möglich“ gehalten werden.

In seinem Wochenbericht fordert das RKI, alle Maßnahmen – etwa die Reduktion von Kontakten, das Tragen von Masken oder das Einhalten der Hygieneregeln – aufrechterhalten oder sogar noch zu intensivieren.

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Die Zahl der gemeldeten Corona-Neuinfektionen sei zwischen dem 6. und 12. Dezember um 13 Prozent im Vergleich zur Vorwoche gesunken, heißt es in dem Bericht. Auch der Anteil positiv getesteter Proben habe sich nicht weiter erhöht und liege nun bei 19,8 Prozent (Vorwoche: 20,6 Prozent). Trotz dieser Entwicklung würden nach wie vor sehr hohe Fallzahlen verzeichnet.

Corona-Zahlen in allen Altersgruppen deutlich gesunken

Die Sieben-Tage-Inzidenz sei im Vergleich zur Vorwoche in allen Altersgruppen gesunken. Nur bei den 0- bis 4-Jährigen stagniere sie. Die höchsten Sieben-Tage-Inzidenzen werden weiterhin in den jüngeren Altersgruppen verzeichnet: Bei den 10- bis 14-Jährigen lag sie bei 905, bei den 5- bis 9-Jährigen bei 888. Schüler werden jedoch auch besonders häufig getestet.

Auch die Belastung der Krankenhäuser und Intensivstationen bleibe hoch. Die meisten Klinikeinweisungen gebe es in den Altersgruppen über 60 Jahren. Berechnungen deuten laut RKI darauf hin, dass sich die Hospitalisierungsrate auf hohem Niveau stabilisiere. 4805 Covid-19-Patienten würden momentan (Stand: 15. Dezember) auf einer Intensivstation behandelt. Mindestens 102 Patienten sind laut RKI nach dem sogenannten Kleeblatt-Konzept über Bundeslandgrenzen hinaus verlegt worden.

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Einen Zuwachs registrierte das RKI bei der Zahl der nachgewiesenen Infektionen mit der Omikron-Variante des Coronavirus. Bis zum 14. Dezember sind demnach 112 Fälle der besorgniserregenden Variante über eine Genomsequenzierung nachgewiesen. Bei 213 weiteren Fällen bestehe aufgrund eines spezifischen PCR-Tests der Verdacht darauf. Es gebe bereits erste Ausbrüche. Bis zum 7. Dezember hatte es 28 sicher nachgewiesene Infektionen mit der Omikron-Variante gegeben. Bezogen auf die Gesamtzahl der Infektion spielt die Variante allerdings in Deutschland noch kaum eine Rolle: Praktisch alle Infektionen würden zum jetzigen Zeitpunkt noch von der Delta-Variante verursacht, schreibt das RKI.

Omikron-Infektionen bislang nur mit milden Symptomen, keine Todesfälle!

Für 237 Omikron-Infektionen gebe es Informationen zu den Symptomen. Die Infektionen verliefen demnach überwiegend ohne oder mit milden Symptomen wie Schnupfen, Husten und Halsschmerzen. Todesfälle wurden bisher nicht registriert.

Um die Ausbreitung der Variante zu verlangsamen, hatte der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, am Donnerstag dazu aufgerufen, Weihnachten nur im kleinsten Kreis zu feiern. „Wir alle möchten ja die Feiertage mit Familie und Freunden verbringen, aber wir alle müssen auch gemeinsam dafür sorgen, dass Weihnachten nicht zu einem Kickstart für Omikron wird“, sagte er in Berlin. Er bat die Bürger „eindringlich“, die Feiertage so zu verbringen, dass sie „nicht für das Virus ein Fest“ würden.

Um auch die Kliniken vor der erwarteten Omikron-Welle zu entlasten, sei außer der Intensivierung der kontaktbeschränkenden Maßnahmen eine rasche Erhöhung der Impfquote dringend erforderlich, heißt es im RKI-Bericht weiter. 24 Prozent der 18- bis 59-Jährigen und 12 Prozent der über 60-Jährigen seien nach wie vor ungeimpft.

6,6 Millionen Impfungen in einer Woche

Das Tempo der Impfungen hatte zuletzt deutlich angezogen. In der vergangenen Woche hat es laut RKI mit über 6,6 Millionen Impfungen einen Höchstwert bei den Impfungen gegeben. In dieser Woche gab es am Mittwoch mit fast 1,5 Millionen Impfungen eine Tagesrekord seit Beginn der Impfkampagne. Der Großteil davon waren Auffrischungsimpfungen (fast 1,3 Millionen).

Einen drohenden Impfstoff-Mangel will Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) mit beschleunigten Lieferungen vermeiden. So sollen 35 Millionen Dosen des Moderna-Impfstoffes früher geliefert werden als ursprünglich geplant, davon 10 Millionen noch im Dezember, sagte er am Donnerstag in Berlin. Zudem gebe es Verhandlungen mit Rumänien, Bulgarien, Portugal und Polen über eine kurzfristige Übernahmen dort nicht benötigter Dosen. Die Bundesregierung hatte bereits angekündigt, zusätzliche 80 Millionen Dosen von Biontech über EU-Verträge zu kaufen.

Wie gut die Impfungen gegen die Omikron-Variante schützen, ist nach wie vor ungewiss. Am Donnerstag hatten Forscher berichtet, dass zwei Impfungen mit dem Produkt des US-Hersteller Moderna weniger gut gegen Omikron schützen als gegen bestimmte frühere Varianten. Demnach hatten Geimpfte vier Wochen nach der zweiten Dosis wesentlich weniger Antikörper gegen diese Variante im Blut als gegen andere getestete. Auch die Pharma-Unternehmen Biontech und Pfizer hatten bereits von einem nachlassenden Schutz gegenüber Omikron berichtet. Eine Booster-Impfung ließ die Zahl der schützenden Antikörper in beiden Fällen ansteigen.