Im Schema stellen die großen Körperchen die T-Zellen, die kleineren die Viruspartikel dar. imago

Bereits im Januar, so haben Corona-Modellierer ausgerechnet, könnte die neue Omikron-Variante die bisher in Deutschland vorherrschende Delta-Variante verdrängen. Was das genau für Folgen haben wird, darin sind sich Virologen und Epidemiologen noch unschlüssig. So viel ist sicher: Omikron ist hochansteckend und hat in Südafrika bereits die Delta-Variante verdrängt. In Großbritannien und Dänemark droht dasselbe innerhalb weniger Tage: Vor allem im Großraum London sind die Corona-Zahlen explodiert. Wie viele Fälle in Deutschland vorliegen ist unklar: Offiziell sind bislang gerade einmal 100 Infektionen bekannt, doch die Dunkelziffer könnte viel größer sein.

Die Hoffnung besteht darin, dass die Krankheitsverläufe mit Omikron milder sein sollen, aber dafür gibt es noch keine soliden Daten. Besorgnis erregt hingegen die Beobachtung, dass mehr Kinder Krankheitssymptome zeigen, die auch zu Krankenhaus-Einweisungen führen.

Auch bei Geimpften greift der Immunschutz gegen Omikron nicht wie erhofft

Das größte Problem: Labortests haben gezeigt, dass die zahlreichen Mutationen der Omikron-Variante dazu führen, dass der Immunschutz gegen Corona selbst bei Geimpften nicht richtig greift. Zwei Impfdosen hält der Berliner Virologe Christian Drosten nicht mehr für ausreichend. Eine Booster-Impfung erhöht den Schutz gegen Omikron deutlich, doch unklar ist, wie lange dieser Schutz vorhält.

Die Hersteller der mRNA-Impfstoffe Moderna und Biontech/Pfizer haben bereits reagiert und wollen ihre Vakzine an die neue Variante anpassen. Doch frühestens ab März könnten die ersten Paletten mit dem angepassten Impfstoff verfügbar sein. Bis dahin könnten sich Millionen Deutsche mit der neuen Corona-Variante angesteckt haben!

Doch nun kommen von mehreren Seiten her Hinweise, dass die Corona-Wirkungen doch einen höheren Schutz gegen Omikron bieten als bisher angenommen. Zum einen zeigen Daten aus Südafrika, dass die Vakzine, selbst das hier kaum noch verwendete Mittel von Johnson & Johnson, gegen schwere Verläufe hilft.

Zweite Säule der Immunabwehr: Wo die Antikörper versagen, sind die T-Zellen zur Stelle

Zum anderen unterläuft Omikron zwar einen wichtigen Teil des Immunsystems, nämlich die Antikörper. Doch die menschliche Immunantwort ist komplex und beinhaltet eine sogenannte zweite Säule: die T-Zellen. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von weißen Blutzellen, auch T-Lymphozyten. Die Fachärztin für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie Jana Schroeder weist daraufhin, dass es bisher zwar noch keinerlei Daten gebe, wie gut die Impfung bei einer Omikron-Infektion noch vor schweren Verläufen schütze: „Von den dafür wichtigen T-Zellen ist aber bekannt, dass sie im Vergleich zu Antikörpern stabiler auch auf Varianten reagieren.“ Das heißt: Auch gegen Omikron wird ein Schutz vor schweren Verläufen angenommen.

Schroeder rät davon ab, auf die potenzielle Verfügbarkeit eines angepassten Impfstoffs in einigen Monaten zu spekulieren. Noch habe Deutschland ein Problem mit der Delta-Variante. „Die Impfung wirkt gegen sie deutlich besser als gegen Omikron. Es ist momentan auch noch unklar, ob Omikron Delta völlig verdrängen wird.“ Also: Impfen und Boostern hilft in jedem Fall, wenn auch in anderer Weise als zunächst angenommen.