Vor Landtagswahlen im Osten

Wagenknecht blockt Koalitionen ab und will „Bürgerregierung“

Die Parteigründerin schließt für das BSW Koalitionen aus. Das könnte die Regierungsbildung sehr schwierig machen.

Author - Stefan Doerr
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Sahra Wagenknecht will eine neue Form der Regierung in Deutschland.
Sahra Wagenknecht will eine neue Form der Regierung in Deutschland.dts Nachrichtenagentur/Imago

Ein halbes Jahr vor den entscheidenden Landtagswahlen im Osten sorgt Sahra Wagenknecht für einen politischen Paukenschlag: Eine Regierungsbeteiligung ihres Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW) schließt sie kategorisch aus. Damit stellt sie die ohnehin komplizierte Mehrheitsbildung in mehreren Bundesländern zusätzlich auf die Probe.

Neues Regierungsmodell mit der AfD

„Nach der Wahl wird das BSW weder für eine Koalition mit der AfD noch für eine weitere Brandmauer-Koalition gegen die AfD zur Verfügung stehen“, sagte Wagenknecht der Deutschen Presse-Agentur. Die bisherigen Bündnisse nach den Wahlen 2024 in Thüringen und Brandenburg bezeichnet sie rückblickend als „schweren Anfängerfehler“.

Doch die 56-Jährige belässt es nicht bei der Absage. Stattdessen bringt sie ein alternatives Regierungsmodell ins Spiel und schärft damit eine Idee nach, die sie bereits im Bundestagswahlkampf 2025 angedeutet hatte.

Von einer Brandmauer gegen die AfD hält Sahra Wagenknecht (r.), hier mit AfD-Chefin Alice Weidel, wenig.
Von einer Brandmauer gegen die AfD hält Sahra Wagenknecht (r.), hier mit AfD-Chefin Alice Weidel, wenig.Kay Nietfeld/dpa

Nun spricht sie von sogenannten Bürgerregierungen unabhängig von Parteizugehörigkeit. Wagenknecht: „Kennzeichen einer Bürgerregierung ist ein überparteilicher Ministerpräsident und das Prinzip: Kompetenz vor Parteibuch. Ihr sollten anerkannte Persönlichkeiten aus dem jeweiligen Bundesland angehören.“

Die Idee dahinter: eine Regierung jenseits klassischer Parteigrenzen. Entscheidungen sollen nicht durch feste Koalitionen getragen werden, sondern durch wechselnde Mehrheiten im Parlament. „Eine solche Regierung sollte dann im Parlament mit Sachargumenten um Mehrheiten werben und könnte mit wechselnden Mehrheiten regieren“, erklärt Wagenknecht.

Wagenknecht: Das Modell wäre eine Art Runder Tisch 2.0

Dabei denkt sie ausdrücklich auch an eine Beteiligung aller politischen Kräfte im parlamentarischen Prozess, inklusive der AfD. „Das Modell wäre eine Art Runder Tisch 2.0“, meint Wagenknecht. „Der Osten könnte damit zum Vorreiter einer neuen politischen Kultur in ganz Deutschland werden.“

Die Realität könnte allerdings kompliziert aussehen. Im September wird in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gewählt. Besonders in den beiden ostdeutschen Flächenländern liegt die AfD in Umfragen deutlich vorn. Doch die Rechtspopulisten haben weiterhin keine klaren Koalitionsoptionen. Das BSW wiederum bewegt sich derzeit um die Fünf-Prozent-Marke. Sollte der Einzug in die Parlamente gelingen, gleichzeitig aber jede Koalition ausgeschlossen bleiben, droht eine politische Pattsituation.

Sven Schulze (CDU) hält im Januar seine erste Rede als neuer Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Am 6. September wird der Landtag neu gewählt.
Sven Schulze (CDU) hält im Januar seine erste Rede als neuer Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Am 6. September wird der Landtag neu gewählt.Michael Taeger/imago

Das von Wagenknecht vorgeschlagene Modell ist in Deutschland bislang unbekannt. Zwar gab es in Europa vereinzelt sogenannte Expertenregierungen, etwa in Italien oder während der Finanzkrise in Griechenland. Im deutschen politischen System spielen Parteien jedoch eine zentrale Rolle. Das Grundgesetz formuliert klar: „Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit.“

Genau hier beginnt die Kritik an Wagenknechts Vorschlag. Denn offen bleibt, wie ein überparteilicher Ministerpräsident bestimmt werden soll und wer über die Zusammensetzung eines solchen Kabinetts entscheidet. Auch für Wähler dürfte das Modell erklärungsbedürftig sein: Sie wählen Parteien und Spitzenkandidaten. Doch am Ende könnten ganz andere Personen regieren.

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