Wie soll Deutschland sich US-Präsident Donald Trump gegenüber verhalten? Ganz klar: Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. Bundeskanzler Friedrich Merz steht unter großem Druck.
Fassungslosigkeit bei Lanz über Trump
In der jüngsten „Markus Lanz“-Runde dominierte die Fassungslosigkeit über Donald Trumps offen formulierten Machtanspruch auf Grönland. CDU‑Politiker Claus Ruhe Madsen sprach von etwas „total Verrücktem“ und schilderte die tiefe Betroffenheit in Dänemark, das Grönland „in seiner DNA“ trage. Die USA, einst „großer Bruder“, wirkten nun wie ein Partner, der plötzlich „in den Rücken fällt“.

Während Madsen klare Gegenmaßnahmen der EU forderte, warnte die Journalistin Kerstin Münstermann vor Eskalation. Ein Einbinden der USA sei nötig – schließlich stehe die Ukraine „mit dem Rücken zur Wand“ und brauche Washington dringend. Ein Handelskrieg, so ihre Einschätzung, wäre fatal.
Die heikle Rolle von Kanzler Merz
Besonders Bundeskanzler Friedrich Merz geriet indirekt in den Fokus der Kritik. Er hatte betont, Deutschland wolle nicht Spielball der Weltmächte sein – doch laut Münstermann gehört die deutsche Grönlandpolitik zu den größten Herausforderungen seines Amts.
Die Entsendung von 15 Bundeswehrsoldaten nach Grönland, gedacht als politisches Signal, wurde in der Runde nahezu einhellig als Fehler bewertet. In den USA sei sie als Provokation verstanden worden.

Münstermann erinnerte daran, dass diese Mission „nach hinten losging“ – und damit auch Merz’ Anspruch auf strategische Souveränität untergrub. Lanz selbst sprach von einem „aufgescheuchten Hühnerhaufen“, der überhastet reagiere, nur um 48 Stunden später wieder abzuziehen.
„Sollen wir US‑Flugzeuge abschießen?“
Politologe Peter Neumann formulierte es noch schärfer: Die europäische Kommunikation sei schlecht abgestimmt gewesen, und gerade Deutschland habe den Eindruck vermittelt, als reagiere es impulsiv statt strategisch. Für Merz bedeutet das: Er muss den Balanceakt schaffen zwischen transatlantischer Treue und europäischer Selbstbehauptung – während jede unbedachte Bewegung in Washington als Affront gelesen wird.
Neumann warnte eindringlich vor militärischen Provokationen der USA, sollte Trump seine Drohungen ernst machen: niedrige Überflüge von US‑Jets über Grönland, Manöver im Nato‑Grenzraum. Europa habe darauf „keine Antwort“. Münstermann brachte die brennende Frage auf den Punkt: „Sollen wir US‑Flugzeuge abschießen?“ – ein Satz, der die strategische Hilflosigkeit der EU schlaglichtartig beleuchtete.

Am Ende stand Lanz’ düstere Schlussfrage: „Gerät die Welt unter die Räder, wenn wir nicht aufpassen?“ Für Kanzler Merz war diese Sendung ein Warnsignal: Die Grönlandkrise entwickelt sich zum ersten großen Härtetest seiner außenpolitischen Führungsrolle.



