100 Jahre Messe

Der vergessene Gründer der Grünen Woche – sein tragisches Ende

Die Grüne Woche feiert 100 Jahre – doch ihr Gründer Hans‑Jürgen von Hake starb tragisch in DDR‑Haft. Die erschütternde Geschichte.

Author - Sharone Treskow
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Hans-Jürgen von Hake ist der Mann hinter der Grünen Woche.
Hans-Jürgen von Hake ist der Mann hinter der Grünen Woche.Nationalmuseet Danmark, Stefan Zeitz/imago

Die Grüne Woche feiert ihren 100. Geburtstag – doch der Mann, der sie erfand, ist heute nahezu ausgelöscht aus der Erinnerung. Hier kommt die traurige Geschichte von Hans‑Jürgen von Hake, die kaum jemand kennt.

Der Mann hinter der Grünen Woche

Hans‑Jürgen von Hake, 1897 in Potsdam geboren, brachte 1925 die Idee zur Messe, die heute Millionen kennen. Damals arbeitete er in der Berliner Fremdenverkehrswerbung, kämpfte um jede Unterstützung – und musste sich sogar anhören: „… denn niemand wusste ja nicht recht, was ist die Grüne Woche Berlin und was kann man aus ihr machen“, zitiert ihn die Bild-Zeitung.

Doch seine Vision setzte sich durch. Schon 1930 führte er persönlich Reichspräsident Hindenburg durchs Messegelände. Ein Pionier, ein Macher – und am Ende ein tragischer Verlorener.

Von Hake als angeblicher Spion verurteilt

Im Krieg ging von Hake nach Kopenhagen, wurde UFA‑Direktor, möglicherweise auch Teil der Abwehr. Was genau er tat, bleibt im Nebel der Geheimdienste. Sicher ist: 1946 lief er in eine perfide Falle. Sein früherer Kontaktmann Hans Kemritz – ein sowjetischer Doppelagent – lockte ihn in sein Büro im Ost-Sektor.

Die weltgrößte Messe für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau in Berlin feiert ihr 100-jähriges Bestehen.
Die weltgrößte Messe für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau in Berlin feiert ihr 100-jähriges Bestehen.Sebastian Gollnow/dpa

Dort wurde von Hake verhaftet, verschleppt und als angeblicher Spion verurteilt. Die Welt beschrieb seinen Leidensweg später schonungslos: „Sein Weg führte in den Ost-Berliner NKWD-Keller, von dort in das Zuchthaus Torgau und dann weiter in das KZ Sachsenhausen.“

Grüne-Woche-Gründervater starb im DDR-Gefängnis

Im sowjetischen Speziallager Sachsenhausen ist seine Haft belegt. 1946 bekam er zehn Jahre – ein Urteil ohne Rechtsstaatlichkeit. 1950, nur 52 Jahre alt, starb der Gründer der Grünen Woche im DDR-Gefängnis Luckau. Keine Kinder, nur seine Frau Elli blieb zurück. Ein Großneffe erinnert sich heute noch an ihn: „In der Familie wurde mein Großonkel Heggi genannt“, sagte er Bild.

Auch in diesem Jahr stürmen die Besucher die Grüne Woche. Wer sie vor 100 Jahren gegründet hat, weiß kaum jemand.
Auch in diesem Jahr stürmen die Besucher die Grüne Woche. Wer sie vor 100 Jahren gegründet hat, weiß kaum jemand.Sebastian Gollnow/dpa

Seine Witwe Elli kämpfte später vor Gericht, erstritt Schadenersatz und eine Rente. Doch selbst dieses Urteil wurde gestoppt. Der Doppelagent blieb unbehelligt. Heggi, der Mann, der Berlin eine ihrer größten Messen schenkte, hingegen – verschwand aus den Geschichtsbüchern.

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