SPD, Grüne und Linke wollen ein Tempolimit für deutsche Autobahnen.  imago/Christian Ohde

Es ist ein politischer Dauerbrenner und angekommen im Bundestagswahlkampf: Soll auf deutschen Autobahnen wie in allen anderen europäischen Ländern ein generelles Tempolimit kommen, über das seit Jahrzehnten erbittert gestritten wird? SPD, Grüne und Linke machen sich mit dem Argument Klimaschutz dafür stark . Union, FDP und AfD sind weiter  dagegen.  

Verkehrsminister Andreas Scheuer  (CSU) zog eine Abwehrlinie: „Die Argumentation für ein generelles Tempolimit ist ein politisches Kampfinstrument, für manche sogar ein Fetisch.“

Befürworter eines Tempolimits wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) argumentieren, um die Klimaziele für 2030 zu erreichen, müsse vor allem im Verkehr massiv Kohlendioxid (CO2) eingespart werden. Und die Maßnahme mit dem höchsten Einsparpotenzial sei ein Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen, 80 außer- und 30 innerorts. Dem schließt sich die Linke an. Außerdem erhöhe ein Tempolimit die Verkehrssicherheit durch weniger Unfälle.

Grafik: dpa/A. Brühl, Redaktion: dpa/M. Lorenz

Scheuer: Durchschnittstempo auf Autobahnen bei 117 km/h

Scheuer kontert: „Die deutschen Autobahnen sind die sichersten Straßen der Welt. Wir haben eher Probleme   auf Landstraßen.“ Überhaupt gebe es auf etwa einem Drittel des Autobahnnetzes schon jetzt Tempolimits, die Durchschnittsgeschwindigkeit liege bei Tempo 117.  

Das war mal ein schicker Lamborghini - bis der Fahrer die „freie Fahrt“ auf der A7 ausnutzte ... imago/onw-images

Dazu komme die technologischen Entwicklung: „Mit alternativen Antrieben, Automatisierung und autonomem Fahren wird die Durchschnittsgeschwindigkeit ohnehin sinken. Ein Fahrer eines Elektroautos weiß ganz genau: Wer zu oft das Tempo wechselt oder zu sehr Höchstgeschwindigkeiten fährt, ist schnell mit der Reichweite seines Auto am Ende.“ CDU-Chef und Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet hatte ein generelles Limit von 130 abgeschmettert. „Warum soll ein Elektro-Fahrzeug, das keine CO2-Emissionen verursacht, nicht schneller als 130 fahren dürfen? Das ist unlogisch.“  

130-Schilder sind wie hier in der Autobahnmeisterei Birkenwerder bei Berlin ausreichend vorhanden. imago/photothek

Die SPD hält dagegen: „Wir werden ein Tempolimit von 130 km/h auf Bundesautobahnen einführen. Das schützt die Umwelt und senkt die Unfallzahlen deutlich.“ Die Grünen wollen das Verhältnis von Regel und Ausnahmen umkehren, um mehr Sicherheit zu erreichen: Innerorts solle  30 die Regel sein, auf Autobahnen ein „Sicherheitstempo“ von 130 gelten.  

Die Länge der Strecken, auf denen gerast werden darf, wird ohnehin regelmäßig kürzer. So gilt beispielsweise seit Dezember 2019 auf einer 62,5 Kilometer langen Strecke der A13 Berlin-Dresden zwischen Schönefelder Kreuz und Dreieck Spreewald Tempo 130 (aktuell oft 80 wegen Baustellen). Die Begrenzung auf Anordnung des brandenburgischen Landesregierung ging auf eine Empfehlung der Autobahn-Unfallkommission zurück, nachdem es 2018 auf der Strecke rund 650 Unfälle mit zwei Toten und mit der seit 2014 höchsten Zahl von 144 Verletzten gegeben hatte.

Brandenburg: Auf mehr als der Hälfte der Autobahnen gelten Tempolimits 

Mit der Einführung des Tempolimits durfte auf rund 54 Prozent der 806 Kilometer Brandenburger Autobahnen nicht mehr unbeschränkt schnell gefahren werden.

Dass eine Geschwindigkeitsbegrenzung wirkt, zeigt das Vorbild der A24 zwischen den Autobahndreiecken Havelland und Wittstock. Auf den 62 Kilometern durfte bis Ende 2002 so schnell gefahren werden, wie man wollte. Dann kam Tempo 130, und eine 2007 erstellte Studie zeigte: In den drei Jahren 2000 bis 2002 gab es 654 Unfälle mit Personen- oder schwerem Sachschaden, in den drei Jahren von 2004 bis 2006 nur noch 337, ein Minus von 48 Prozent. Die Zahl der verletzten oder getöteten Menschen sank von 838 auf 362 (minus 57 Prozent).