Ein gespendetes Organ wird einem Patienten eingesetzt.
Ein gespendetes Organ wird einem Patienten eingesetzt. dpa/Waltraud Grubitzsch

Rund 8500 Menschen warten in Deutschland auf eine Niere, ein Herz, eine Lunge oder eine Bauchspeicheldrüse, gleichzeitig sinkt die Zahl der Menschen, die bereit sind bekannt zu machen, dass ihnen nach ihrem Tod ein Organ entnommen werden darf. Dabei kann das Leben retten – ein bekanntes Beispiel ist Roland Kaiser (70), der nur wegen der vor 13 Jahren transplantierten Lunge eines Verstorbenen munter singen kann. Wegen des deutlichen Rückgangs bei Organspenden kommt die Debatte über eine erneute Reform wieder auf.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) dringt auf einen neuen Anlauf für  andere Regeln:  „Das geltende Gesetz ist gescheitert.“  Viele Menschen seien zwar zur Organspende bereit, dokumentierten das aber nicht. „Deswegen sollte der Bundestag einen erneuten Anlauf nehmen, über die Widerspruchslösung abzustimmen.“ Das bedeutet, dass man automatisch als Organspender gilt, wenn man nicht vorher widersprochen hat.  

Weniger Spender, weniger Organe

Nach Daten der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) für 2022 gab es 6,9 Prozent weniger Spenden als 2021. Im vergangenen Jahr spendeten 869 Menschen nach ihrem Tod ein oder mehrere Organe – nach 933 Spendern 2021 und 913 im Jahr 2020. Die Zahl der entnommenen Organe sank auf 2662 nach 2905 im Jahr 2021 und 2941 im Jahr 2020.  

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In Berlin sank die Zahl der gespendeten Organe von 161 im Jahr 2020 auf 127 im Jahr 2022, in Brandenburg stieg sie im gleichen Zeitraum von 35 auf 77. Ende 2022 standen 439 Berliner und 336 Brandenburger auf der Warteliste für ein neues Organ.

Nieren werden in Berlin am häufigsten verpflanzt

Mit 108 war eine Niere das 2022 in Berlin am häufigsten transplantierte Organ, gefolgt von Leber (51), Herz (40), Lunge (20) und Bauchspeicheldrüse (6). In Brandenburg gibt es kein Transplantationszentrum, deshalb werden dort gespendete Organe in der Regel in Berlin oder anderen angrenzenden Bundesländern eingepflanzt.

Berliner liegen über dem Bundesquote der Organspender

Brandenburg lag 2022 mit 9,7 Spendern pro eine Million Einwohner unter dem Bundeswert von 10,3, Berlin mit 11,5 Spendern/Million Einwohner darüber. Die höchste Quote hatte Bremen (20,6), Niedersachsen die niedrigste (7,9). 

Mögliche Gründe für den Rückgang sind laut DSO  Corona-Pandemie und daraus resultierende Personalausfälle in Kliniken. Dies habe wesentlich zu einem Einbruch der Spendezahlen um 30 Prozent im ersten Quartal 2022 beigetragen. 

Mit dem Organspendeausweis kann man seine Bereitschaft klar machen, dass man bereit ist, nach dem Tod als Organspender zu dienen.
Mit dem Organspendeausweis kann man seine Bereitschaft klar machen, dass man bereit ist, nach dem Tod als Organspender zu dienen. dpa/Hendrik Schmidt

Die restlichen Quartale hätten dann eine Stabilisierung auf dem Niveau der Vorjahre gebracht. „Dennoch stellt sich die Frage, warum es nicht gelingt, die Zahlen zu steigern“, sagte der Medizinische Vorstand der DSO, Axel Rahmel.

Häufig fehlt die Zustimmung zu einer Organspende

Der häufigste Grund, warum Organspenden nicht erfolgten, sei fehlende Einwilligung. Eine Ablehnung habe in weniger als einem Viertel der Fälle auf einem bekannten, zu Lebzeiten schriftlich (7,3 Prozent) oder mündlich (16,3 Prozent) geäußerten Willen des Verstorbenen basiert. Wenn Angehörige gefragt würden, entschieden sie sich aus Unsicherheit häufig dagegen, da sie den Wunsch der Verstorbenen nicht kennen.

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Ein erster Anlauf für eine Widerspruchslösung war vor drei Jahren gescheitert. Lauterbach und der damalige Minister Jens Spahn (CDU) hatten sich als Abgeordnete dafür eingesetzt. Stattdessen beschloss der Bundestag am Anfang 2020, dass Organspenden nur mit ausdrücklicher Zustimmung erlaubt bleiben. In aller Regel erfolgt sie über den Organspendeausweis, für den heftig geworben wurde.

Kernstück der letzten Organspende-Reform fehlt

Ein Kernstück der Reform – ein Register, in dem man Erklärungen zu seiner Spendebereitschaft online speichern kann – ist allerdings gar nicht vorhanden. Es hätte zum 1. März 2022 eingerichtet werden sollen, das wurde  verschoben. Das Ministerium Lauterbachs begründete das damit, man habe die Kliniken in der Corona-Krise mit den dafür nötigen Arbeiten nicht überlasten wollen.

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