Roland Kaiser, Schlagersänger, geboren in Berlin, feiert am 10.05.2022 seinen 70. Geburtstag. Carsten Koall/dpa

Der Beginn seines Lebens ist fast biblisch. Als Ronald Keiler geboren, setzt ihn seine leibliche Mutter, damals erst 16 Jahre alt,  in einem Korb vor einem Nonnenstift aus. Der, der später als Gentleman des Schlagers Frauenherzen höher schlagen lassen soll, wächst als Findelkind im Berliner Arbeiterbezirk Wedding auf. Doch zuerst macht Ronald mal was Vernünftiges, nämlich eine Lehre bei Ford. Als Autohändler hat er sein erstes Publikum.

Roland Kaiser, der Gentleman des Schlagers, hat ein spannendes Leben

Als Roland Kaiser eine halbe Stunde zu früh mit mit Weste, Einstecktuch, Jeans und Turnschuhen zum nterview in die Berliner Räume seiner Konzertagentur kommt, ist vom ehemaligen Autohändler nichts mehr übrig. Kaiser kommt direkt von einem Termin. Man wolle einen Fernsehfilm über sein Leben drehen, sagt er . Sicher keine schlechte Idee. Er selbst spricht von einem „abwechslungsreichen und spannenden Leben“ Einmal legte er sich sogar mit Erich Honecker an. 

Schlagerstar aufgewachsen im roten Wedding

Dabei ist nicht immer alles eitel Sonnenschein im Leben des Roland Kaiser:   Als Teenager sieht Kaiser mit an, wie seine Pflegemutter beim Wäscheaufhängen einen Herzinfarkt erleidet und später stirbt. Er bricht die Schule ab, beginnt die Automobilkaufmannslehre und tingelt abends als Sänger durch die Kneipen.

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1980: Der Schlagersänger Roland Kaiser bei der ZDF-Neujahrsshow „Jetzt geht die Party richtig los“. Istvan Bajzat/dpa

Das Aufwachsen im West-Berlin der Nachkriegszeit prägt Kaiser bis heute. „Meine politische Heimat ist die SPD geworden, weil sie in der Gegend, in der ich aufgewachsen bin, für alle die politische Heimat war. Der rote Wedding war SPD pur.“

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In den Berliner Kneipen und auf Hochzeiten fühlt Roland Kaiser sich wohl. Mitte der 70er Jahre wird sein  späterer Produzent Thomas Meisel auf ihn aufmerksam. Die Karriere beginnt - unter einem leicht veränderten, aber durchaus glamouröseren Künstlernamen.

Schon Kaisers zweiter Charthit, „Sieben Fässer Wein“, ist noch heute ein Renner. Das Trinklied („Sieben Fässer Wein werden uns nicht gefährlich sein“) singt der Kaiser heute nicht mehr auf Konzerten. Dafür aber seinen bis heute einzigen Nummer-Eins-Hit „Santa Maria“. Kaiser erzählt die Entstehungsgeschichte der Ballade nicht zum ersten Mal - wie so vieles in seiner langen Karriere.

Kaiser und Co-Schreiber Norbert Hammerschmidt wollen eigentlich das gleichnamige Schiff von Christoph Kolumbus besingen. Für Produzent Meisel zu intellektuell: „Wie wollen wir Emotionen transportieren, wenn wir Geschichtsunterricht geben?“. Bei einer Flasche Rotwein entwerfen die enttäuschten Autoren eine „Spaßversion“ mit völlig überdrehtem Text: „Nachts an deinen schneeweißen Stränden hielt ich ihre Jugend in den Händen“. Meisel ist begeistert, Kaiser perplex: Das Publikum liebt offenbar Herzschmerz und Zweideutigkeit

Immer mehr als Händchenhalten - Ronald Kaiser: Softpornograph des Schlagers

„Ich habe in meinen Liedern versucht, über das Händchenhalten hinauszugehen. Beziehung ist auch Sexualität. Das kann man auch aussprechen, wenn man das stilvoll macht, ohne ordinär zu werden.“

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In Kaisers Texten geht es um Verführung („Joana. Geboren, um Liebe zu geben“), heimliche Affären („Manchmal möchte ich schon mit dir, eine Nacht das Wort „Begehren“ buchstabieren“) und Begierde („Lieb mich ein letztes Mal. Lass mich dich noch einmal spür'n“). Der „Stern“ nannte ihn den „Soft-Pornograph des deutschen Schlagers“. Insgesamt 67-mal ist Roland Kaiser zu Gast in der ZDF-„Hitparade“. Seine Premiere feierte er 1976.

Roland Kaiser: aufgeknöpft bis zum Bauchnabel. kpa/ www.imago-images.de

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Kein Wunder, dass ihm auch privat die Frauenherzen zufliegen. Dreimal steht Kaiser vor dem Traualtar. Mit seiner jetzigen Frau Silvia ist Kaiser seit 26 Jahren verheiratet: „Das ist für mich der wichtigste Mensch in meinem Leben“, sagt er.

Sie steht ihm bei, als im Jahr 2000 ein Schiksalsschlag den Sänger trifft. Die Ärzte diagnostizieren dem Ex-Kettenraucher die chronische Lungenkrankheit COPD. Kaiser spricht zunächst nicht öffentlich darüber:  „Rückblickend wäre es intelligent gewesen, das direkt offen zu sagen, um Spekulationen zu vermeiden“, sagt Kaiser heute. „Ich wollte einfach nicht meine Verletzbarkeit zeigen.“

Während der OP hörten die Ärzte Roland-Kaiser-Songs

Irgendwann geht es nicht mehr, der Musiker öffnet sich auf der Bühne. Eine Transplantation rettet ihm 2010 das Leben. Seine Ärzte sagen, sie hätten während des Eingriffs Kaiser -Songs gehört. Wenige Monate später passiert etwas, was die Experten nicht für möglich halten: Kaiser steht wieder auf der Bühne und startet seine zweite Karriere.

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Mit Maite Kelly landet er 2014 auch beim jungen Publikum einen Hit. Das Duett „Warum hast du nicht nein gesagt“ zählt auf Youtube über 140 Millionen Abrufe und wird auch am Ballermann mitgesungen. Auch mit Rammstein-Sänger Till Lindemann verbindet Kaiser eine Freundschaft. Till Lindemann schreibt 2014 das Lied „Ich weiß alles“ für Roland Kaiser. „Till und ich mögen uns sehr und ich habe gefragt, ob er nicht Bock hat, mal was für mich zu schreiben“, so Kaiser.

Ohnehin ist das Publikum auf Kaisers Konzerten bunt gemischt: Hoch betagte Senioren treffen auf Kegelvereine und Abiturientinnen.

Kein Ruhestand für Roland Kaiser

An Ruhestand denkt der Schlagerstar nicht, im Gegenteil. In diesem Jahr plant er Sommer-Open-Airs, sieben Auftritte der legendären „Kaisermania“-Gigs in Dresden, ein neues Album im September und eine große Geburtstagstournee ab Herbst.

„Es ist ja nicht so, dass es mich stresst. Ich habe daran Freude“, sagt Kaiser , der mit seiner Frau Sport macht, gesund lebt und schon lange nicht mehr raucht. „Solange ich das kann, gesund bin und die Menschen im Publikum Spaß haben, mache ich das weiter.“

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Die 70 nimmt Kaiser , der bei seinen Konzerten nach wie vor elegant im Dreiteiler auftritt, gelassen. Seine Frau und drei Kinder hätten ihn zu einer Reise überredet. „Wir fahren in die Berge, sind zusammen und feiern den Tag gemeinsam - und dann ist gut.“ Besondere Wünsche habe er in seinem Leben nicht mehr. „Ich bin ein glücklicher Mensch.“