Es gibt Menschen, die holen ein frisches Brot aus dem Ofen und stecken es anschließend noch einmal in den Toaster. Nicht, weil es noch warm sein soll, sondern weil sie es noch knuspriger haben wollen: Je lauter es beim Reinbeißen kracht, desto besser. Für viele ist genau dieses Knacken der perfekte Biss. Ich bekomme dabei schon vom Zuschauen Gänsehaut. Jetzt mal Hand aufs Herz: Warum mag man knuspriges Essen? Ich verstehe es einfach nicht.
Wenn schon der erste Biss unangenehm ist
Stellen Sie sich das Szenario vor: Familienfrühstück, im ganzen Haus duftet es nach Kaffee und frischen Brötchen. Den Geruch mag ich, aber vor dem Essen graut es mir. Mein Vater sitzt am Küchentisch und beißt genüsslich in seine Schrippe rein. Mir läuft es kalt den Rücken runter. Ich frage mich: Willst du mich ärgern, du kennst doch meine Macke?

Denn genau dieses Gefühl kann ich nicht ausstehen. Wenn sich die Zähne erst mühsam durch eine harte Kruste graben müssen oder das Brot beim Kauen an den Zähnen entlangschabt. Oh Gott, da bäumen sich alle meine Haare auf. Für die einen ist es der perfekte Biss, für mich der Moment, in dem ich am liebsten vom Tisch aufspringen und gehen will.
Sollten Sie mein Empfinden noch nicht verstehen können, möchte ich Ihnen ein anderes, vergleichbares Beispiel nennen: Wissen Sie noch, wenn ein Lehrer oder Mitschüler mit seinen Fingernägeln an der Tafel gekratzt hat? Ja, genauso grausam ist es für mich mit knusprigem Essen.
Es gibt sogar eine offizielle wissenschaftliche Erklärung für dieses anscheinend weltweit beliebte Phänomen: „Crunch“ (Englisch für knirschen oder knacken). Das Wort meint nämlich genau dieses körperlich spürbare und hörbare Knuspern beim Abbeißen oder Kauen.
Mein persönlicher Endgegner: die Schrippe
Mein Endgegner: Schrippen. Vor allem die mit der tief eingeritzten, besonders knusprigen Kruste. Diese harten Ecken schaben bei jedem Bissen über die Zähne und den Gaumen und zerfetzen mir das Zahnfleisch. Viele lieben genau das, ganz vorne dabei meine Familie. Ich frage mich jedes Mal, wie man das freiwillig genießen kann. Mein Wolke-7-Moment beim Essen: Wenn ich ein saftiges Bauernbrot auf meinem Teller liegen sehe. Keine harte Kruste, kein Knacken, einfach purer softer Genuss im Mund.
Auch der blanke Horror: Croutons! Erst sind sie steinhart und nach ein paar Sekunden werden sie im Dressing ganz weich, glibberig und ziemlich unappetitlich. Von haarsträubender knuspriger Deko zu einer ziemlich matschigen Pampe, bravo.

Kekse? Gehen so. Die Konsistenz ist zwar erträglicher, aber kaufen würde ich sie mir nicht. Auch hier fehlt mir das Gefühl, entspannt hineinbeißen zu können, ohne danach Staub im Mund zu haben.
Mit Chips komme ich dagegen erstaunlich gut klar – das überrascht selbst mich. Sie knacken zwar, sind aber so dünn, dass sie nicht dieses unangenehme Kratzen an den Zähnen verursachen. Ich merke: Mich stört nicht das Geräusch, sondern das Gefühl beim Essen knuspriger Sachen.
Warum viele den „Crunch“ lieben
Spannend: Die Sensorik spielt hier eine wichtige Rolle. Ein abwechslungsreiches Mundgefühl, also der Wechsel von knusprigen und weichen Elementen, macht das Essen fürs Gehirn erst richtig spannend. Und: Das laute Kauen verstärkt die Konzentration auf den Essvorgang. Studien deuten sogar darauf hin, dass Menschen, die ihr Essen bewusster wahrnehmen, sich oft schneller satt fühlen und dadurch kleinere Portionen essen


