Prozess startet diese Woche

Mord an Fabian aus Güstrow: Diese Rätsel soll der Prozess jetzt klären

Der Mordprozess um den kleinen Fabian aus Güstrow startet vor dem Landgericht Rostock. Viele zentrale Fragen sind bis heute ungeklärt.

Author - Florian Thalmann
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Am Dienstag beginnt am Landgericht Rostock der Prozess im Fall des getöteten Fabian aus Güstrow. Es gibt noch viele offene Fragen, die in dem Verfahren geklärt werden müssen.
Am Dienstag beginnt am Landgericht Rostock der Prozess im Fall des getöteten Fabian aus Güstrow. Es gibt noch viele offene Fragen, die in dem Verfahren geklärt werden müssen.Jens Büttner/dpa

Der Tod des kleinen Fabian aus Güstrow – er wird ab dieser Woche wieder eine große Rolle spielen. Der Grund: Am Dienstag startet im Landgericht Rostock der Prozess gegen die Hauptverdächtige Gina H., die Ex-Partnerin von Fabians Vater. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass sie den acht Jahre alten Jungen am 10. Oktober an einem Tümpel bei Klein Upahl tötete. Vorerst sind 17 Verhandlungstage angesetzt – viele wichtige Fragen müssen in der Zeit geklärt werden. Wir fassen zusammen, was im Fall Fabian bis jetzt noch rätselhaft ist.

Viele offene Fragen im Mordfall Fabian aus Güstrow

Für die Staatsanwaltschaft ist die Lage im Fall Fabian aus Güstrow klar. Schon vor Wochen wurde seitens der Behörden gegen die 30 Jahre alte Gina H. Anklage erhoben. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie den kleinen Fabian unter einem Vorwand aus dem Haus lockte, mit ihm auf ein Feld bei Klein Upahl fuhr. Dort soll sie ihn mit mindestens sechs Messerstichen im Bereich des Oberkörpers getötet haben, dann zündete sie den Leichnam laut Anklage mit Brandbeschleuniger an.

Bis zu einer Verurteilung gilt für Gina H. die Unschuldsvermutung. Der Prozess, der am Dienstag am Landgericht Rostock startet, soll die ganze Wahrheit ans Licht bringen. Denn im Fall Fabian gibt es – obwohl es sich um einen der wichtigsten Kriminalfälle der aktuellen Zeit handelt – viele offene Fragen. Es ist unklar, wo die Mordwaffe ist, wie die mutmaßliche Täterin Fabian aus dem Haus lockte – und auch über ihr Motiv konnte bisher nur spekuliert werden. Die wichtigsten Fragen im Fall Fabian aus Güstrow.

Vor dem Landgericht Rostock startet am Dienstag der Prozess im Fall Fabian aus Güstrow.
Vor dem Landgericht Rostock startet am Dienstag der Prozess im Fall Fabian aus Güstrow.Bernd Wüstneck/dpa

Was ist das Motiv der mutmaßlichen Täterin?

Noch ist unklar, ob Gina H. wirklich etwas mit dem Mord an Fabian zu tun hat. Vor allem über ein mögliches Motiv wurde in den vergangenen Wochen heftig spekuliert. Eine Theorie, die dabei immer wieder in den Fokus gerät: Steckt das sogenannte Medea-Syndrom dahinter?

Darüber mutmaßte unter anderem Profiler Axel Petermann. Das Medea-Syndrom bezeichnet die Tötung von Kindern mit dem Ziel, dem Partner oder Ex-Partner Schmerz zuzufügen. Im Fall von Gina H. könnte sich der Racheakt gegen ihren Ex – Fabians Vater – richten. Ob das die richtige Erklärung ist, ist momentan allerdings unklar.

Anfang November wurde Gina H. festgenommen. Seit dem 7. November sitzt sie in Untersuchungshaft.
Anfang November wurde Gina H. festgenommen. Seit dem 7. November sitzt sie in Untersuchungshaft.Philip Dulian/dpa

Wie lockte die mutmaßliche Täterin Fabian aus dem Haus?

Auch das gehört zu den bisher größten Rätseln im Fall Fabian. Der zum Zeitpunkt seines Todes acht Jahre alte Junge sollte an jenem Freitag, als er verschwand, eigentlich das Haus nicht verlassen. Denn er hatte am Tag davor an Nasenbluten gelitten, sollte den Tag zu Hause verbringen und sich ausruhen. Schon früh war spekuliert worden, ob jemand aus seinem näheren Umfeld hinter der Tat steckt – und auf das Vertrauen des Jungen setzte.

Die Staatsanwaltschaft gab bekannt, dass Gina H. Fabian unter einem Vorwand aus dem Haus gelockt haben soll. Nur: Unter welchem? „Den Vorwand kannten vermutlich nur zwei Personen“, sagte der zuständige Staatsanwalt Harald Nowack. „Die eine will ihn nicht nennen, und der andere kann ihn nicht mehr nennen.“

Wo ist die Tatwaffe im Fall Fabian aus Güstrow?

Die Staatsanwaltschaft gab bereits bei der Anklageerhebung bekannt, dass der Junge mit mindestens sechs Stichen im Bereich des Oberkörpers getötet wurde. Als Tatwaffe wurde ein Messer angegeben. Nur: Wo steckt die Waffe?

Schon nach dem Fund der Leiche wurde der Tümpel, an dem Fabians sterbliche Überreste lagen, ausgepumpt. Polizisten suchten mit Metalldetektoren nach der Waffe. Doch sie konnte laut aktuellster Informationen nicht gefunden werden. Anfang Dezember gab es eine weitere Untersuchung rund um den Fundort der Leiche, erneut suchten Polizisten unter anderem im Gebüsch nach der Waffe. Ohne Erfolg.

Anfang Dezember gab es die letzten Durchsuchungen der Polizei. Doch die Suche nach der Tatwaffe blieb ohne Erfolg.
Anfang Dezember gab es die letzten Durchsuchungen der Polizei. Doch die Suche nach der Tatwaffe blieb ohne Erfolg.Bernd Wüstneck/dpa

Wurden im Auto von Gina H. Spuren gefunden?

Vor der Festnahme von Gina H. gab es auch Durchsuchungen durch die Polizei. Ein Geländewagen aus ihrem Besitz wurde sichergestellt und für Untersuchungen abgeschleppt. Bis heute ist nicht klar, ob die Ermittler in dem Wagen Spuren gefunden haben.

Das Magazin „Spiegel“ berichtete von einer Küchenrolle, an der sich Blutspuren von Fabian befunden haben sollen. Allerdings ist bisher nicht klar, wie und wann der Spritzer an das Küchenpapier kam. Es könne auch nicht ausgeschlossen werden, dass das Blut von einer älteren Verletzung Fabians stammte. Auch weitere Ergebnisse der Untersuchungen sind bisher nicht an die Öffentlichkeit gedrungen.

Stimmen die Zeugenaussagen im Fall Fabian?

Laut Medienberichten meldeten sich mehrere Zeugen bei den Ermittlern, gaben teilweise auch Interviews in der Presse. Besonders brisant: Ein Zeuge gab gegenüber RTL an, Gina H. habe ihn schon am Tag vor dem eigentlichen Fund der Leiche zum Tümpel geführt, um ihm Fabians sterbliche Überreste zu zeigen. Der Zeuge habe geäußert, er fühle sich benutzt – er hegte den Verdacht, die ganze Aktion sollte seine DNA an den Tatort bringen. Ob die Zeugenaussage wahr ist: unklar.

Auch weitere Aussagen lassen rätseln. So gab der Inhaber einer Dönerbude an, Fabian noch am Tag seines Verschwindens gesehen zu haben. Der Junge habe Blätter mit den Füßen auf dem Gehweg verteilt – und er sei aus dem Laden gegangen, um ihm zu sagen, dass er damit aufhören soll. Deshalb habe er sich so genau an die Szene erinnert. Doch Staatsanwalt Harald Nowack wiegelte ab. „Aus unserer Sicht gibt es keine Anhaltspunkte, dass er gesehen wurde.“

Haben Sie den Fall Fabian verfolgt? Schicken Sie uns Ihre Meinung zum Thema an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!