Psychiaterin packt aus

Mord an Fabian aus Güstrow: Das verrät die Tatwaffe über das Motiv

Bald soll der Prozess gegen die Haupütverdächtige Gina H. starten. Das Motiv ist bisher unklar. Jetzt meldet sich eine Psychiaterin zu Wort.

Author - Florian Thalmann
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Der acht Jahre alte Fabian wurde im Oktober ermordet. Erst kürzlich wurde bekannt, dass ein Messer die Tatwaffe war. Was verrät das über die Tat?
Der acht Jahre alte Fabian wurde im Oktober ermordet. Erst kürzlich wurde bekannt, dass ein Messer die Tatwaffe war. Was verrät das über die Tat?Jens Büttner/dpa, Polizei

Der Fall Fabian aus Güstrow beschäftigt noch immer viele Menschen. Inzwischen ist klar, dass die Staatsanwaltschaft überzeugt von der Schuld von Gina H. ist: Die Ex-Freundin von Fabians Vater soll den Jungen mit einem Messer ermordet und seine Leiche anschließend verbrannt haben. Unklar bleibt aber das Motiv. Nun äußerte sich eine Psychiaterin zu dem Fall – und erklärt, was das Messer über den Mord an dem acht Jahre alten Jungen verraten könnte.

Fabian aus Güstrow wurde am 10. Oktober getötet

Fabian verschwand am 10. Oktober aus dem Haus seiner Mutter in Güstrow – vier Tage später wurde seine Leiche an einem Tümpel bei Klein Upahl in etwa 15 Kilometern Entfernung gefunden.

Monatelang wurde ermittelt, erst vor kurzer Zeit gaben die Behörden nun bekannt, dass Mordanklage gegen Gina H. erhoben wird. Die Ex-Freundin von Fabians Vater war es, die die Leiche des Jungen am Tümpel fand – ein scheinbarer Zufall, mit dem die sich selbst in den Kreis der Verdächtigen brachte.

Die Staatsanwaltschaft ist sicher, dass Gina H. den Jungen unter einem Vorwand aus dem Haus lockte, mit ihm dann auf das besagte Feld bei Klein Upahl fuhr, wo sich auch der Tümpel befindet.

Sie soll mit Fabian zu dem kleinen Gewässer gegangen sein und ihn dort mit mindestens sechs Messerstichen im Bereich des Oberkörpers getötet haben. Anschließend soll sie die Leiche des Jungen mit Brandbeschleuniger angezündet haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass Gina H. damit die Spuren verwischen und Beweise zerstören wollte.

Mehrfach suchten Polizisten im Umkreis des Fundortes von Fabians Leiche nach der Tatwaffe. Doch laut offizieller angaben wurde das Messer nicht gefunden.
Mehrfach suchten Polizisten im Umkreis des Fundortes von Fabians Leiche nach der Tatwaffe. Doch laut offizieller angaben wurde das Messer nicht gefunden.Bernd Wüstneck/dpa

Was bisher unklar bleibt, ist das Motiv. Warum musste Fabian aus Güstrow sterben? Zwar wird darüber spekuliert, ob es etwas mit der Trennung von Gina H. und ihrem Ex-Partner – Fabians Vater – zu tun haben könnte. Doch bis zum Prozess wird vieles unklar bleiben.

Nun meldet sich aber eine Psychiaterin zu Wort – und verrät Details, die zum Nachdenken über den Fall anregen. Sigrun Roßmanith ist forensische Psychiaterin, untersucht seit 1997 Straftäter und erstellt unter anderem Gutachten für Gerichtsprozesse. Sie äußerte sich nun etwa zur Tatwaffe.

Mord mit Messer: Dahinter stecken Spannung und Hass

Dabei soll es sich im Fall Fabian aus Güstrow laut Staatsanwaltschaft um ein Messer gehandelt haben. „Hinter einer Tötung mit dem Messer stecken sehr viel Wut, Spannung und Hass“, sagt Roßmanith. „Womöglich die Folge einer Kränkung, die den Selbstwert grundlegend erschüttert hat.“ Ein Hinweis auf die Trennung?

Zum Fall Fabian kann die Expertin im Interview nichts Konkretes sagen – wohl aber zu ihren Erfahrungen im Umgang mit Straftätern. „Wenn Frauen nach einer Trennung töten, stellt sich die Frage, wie sehr die Trennung sie in ihren Grundfesten erschüttert hat“, sagt sie.

Festnahme Wochen nach dem Mord: Gina H. verlässt in Begleitung von Polizeibeamten ihr Wohnhaus.
Festnahme Wochen nach dem Mord: Gina H. verlässt in Begleitung von Polizeibeamten ihr Wohnhaus.Philip Dulian/dpa

Eine Trennung, die auch als massive Kränkung erlebt wurde, könne „eine zerstörerische Dynamik entwickeln“, sagt die forensische Psychiaterin. „Derjenige, der einen verlassen hat, erscheint dann nicht mehr nur als der Mensch, den man mal geliebt hat, sondern als jemand, der alles zerstört und einen selbst zutiefst verletzt und erniedrigt hat.“

Während sich die Wut in vielen Fällen gegen den Ex-Partner wendet, kann es in anderen Fällen auch dazu kommen, dass sie sich gegen etwas anderes richtet. Etwa gegen ein Kind, das dem Ex-Partner sehr wichtig ist. „Es wird dann etwas zerstört, was den Ex-Partner mitten ins Herz trifft, in Analogie zu dem, wie man selbst von ihm verletzt wurde“, erklärt die Psychiaterin.

Fabian aus Güstrow: Prozess gegen Gina H. soll bald starten

Ob wirklich die Trennung hinter dem Mord an Fabian aus Güstrow steckt – und ob Gina H. überhaupt dafür verantwortlich ist? Das wird sich erst im Prozess zeigen. Bis zur Verurteilung gilt für die 29-Jährige die Unschuldsvermutung.

Das Hauptverfahren gegen sie soll Mitte bis Ende April eröffnet werden, teilte eine Sprecherin des zuständigen Landgerichts Rostock auf Nachfrage gegenüber dem KURIER mit. Wann und wie viele Verhandlungstage angesetzt werden, ist Stand jetzt noch unklar.

Haben Sie den Fall Fabian verfolgt? Schicken Sie uns Ihre Meinung zum Thema per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!