Wie geht es weiter im Fall Fabian aus Güstrow? Nachdem die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Gina H. erhoben hat, die Ex-Freundin von Fabians Vater, wartet nun das ganze Land auf den Prozess. Hat die 29-Jährige wirklich etwas mit dem Tod des acht Jahre alten Jungen zu tun oder haben sich die Ermittler geirrt? In einem Interview verrät jetzt auch eine Psychiaterin, warum der Mord an dem kleinen Fabian ein sehr ungewöhnlicher Fall ist.
Hat Gina H. Fabian getötet? Ermittler sind überzeugt
Die Ermittler sind überzeugt davon, dass Gina H. den kleinen Fabian getötet hat. Sie soll ihn am 10. Oktober 2025 unter einem Vorwand aus dem Haus seiner Mutter gelockt haben. Laut Behörden fuhr sie dann mit ihm zu einem Feld bei Klein Upahl, soll ihn dort am Ufer eines kleinen Tümpels mit mindestens sechs Messerstichen im Bereich des Oberkörpers umgebracht haben. Der Verdacht: Nach der Tat soll sie versucht haben, die Leiche von Fabian mit Grillanzünder in Brand zu stecken.
Es ist eine Tat, die vor allem durch ihre Brutalität schockt. Jeder fragt sich: Wer bringt es übers Herz, einen kleinen Jungen wie Fabian mit einem Messer zu erstechen und seine Leiche anschließend zu verbrennen? Die unglaubliche Gewalt macht den Fall zu etwas Besonderem.
Auch Sigrun Roßmanith äußerte sich in einem Interview mit dem Magazin Stern – sie ist forensische Psychologin, erstellt seit Jahrzehnten Gutachten zu Straftätern für Gerichtsprozesse. Sie kann sich zwar nicht im Detail zum Fall Fabian äußern, berichtete dem Magazin aber aus ihrem Erfahrungsschatz.

Ihrer Erfahrung nach sei es sehr selten, dass Frauen körperliche Gewalt anwenden, sagte sie dem Blatt. „Die Domäne der Frau ist eher die emotionale und die verbale Gewalt. Eine Frau, die ein Kind ersticht, ist sehr ungewöhnlich“, berichtet die Psychiaterin. Frauen hätten andere Mechanismen, um Probleme zu bewältigen.
„Frauen wenden viel häufiger die aggressive Spannung gegen sich selbst. Sie neigen in Konfliktsituationen zu selbstdestruktivem Verhalten, zu Depressionen und Sucht.“ Körperliche Gewalt durch Frauen sei selten. Aber: „Wenn sie schwere Gewalt anwenden, stehen sie der Brutalität der Männer aber in nichts nach“, sagt Roßmanith.
Toter Fabian aus Güstrow: Spekulationen zum Motiv
Allerdings richten sich von Frauen begangene Verbrechen oft gegen Bekannte. „Frauen sind Beziehungstäterinnen, sie kennen in den meisten Fällen ihre Opfer“, sagt die forensische Psychiaterin. Das können Kinder sein, Partner und Ex-Partner, Eltern und Freunde. „Eine Frau, die ein Zufallsopfer auf der Straße tötet, ist entweder psychotisch oder schwerstbetrunken.“
Über ein mögliches Motiv von Gina H. für den Mord an dem kleinen Fabian aus Güstrow wurde bereits spekuliert: Es gibt die Theorie, dass das Ende der Beziehung zu Fabians Vater sie zu der schrecklichen Tat angetrieben haben könnte. Bis zu einer Verurteilung gilt für die 29-Jährige aber die Unschuldsvermutung.

Die außergewöhnliche Brutalität im Fall Fabian sorgte auch schon bei anderen Experten für Irritationen. Dr. Gilda Giebel ist forensische Psychologin, sagte gegenüber der Berliner Morgenpost: „Es ist absolut selten, dass Frauengewalt so zerstörerisch ist.“
Mörderinnen wählen demnach nicht nur sanftere Methoden wie Gift, sondern gehen auch viel kreativer vor als Männer. Das Töten von Kindern sei ein Tabuthema. „Und wenn sie es tun, dann sind es eher ihre eigenen“, sagt Giebel. Die Eifersucht aufgrund der engen Bindung zwischen Vater und Kind brachte auch sie als Motiv auf den Tisch. „Nach dem Motto: Wenn ich dich nicht haben kann, sollst du auch nicht glücklich sein.“
Fabian aus Güstrow: Prozess gegen Gina H. startet bald
Ob Gina H. wirklich etwas mit dem Mord an Fabian aus Güstrow zu tun hat, ist aktuell vollkommen unklar. Auch einen Zeitpunkt für den Beginn des Verfahrens steht noch nicht fest.
Eine Sprecherin des zuständigen Landgericht Rostock sagte dem KURIER auf Nachfrage, dass das Hauptverfahren gegen Gina H. bis Ende April eröffnet werden soll. Termine für den Prozessbeginn wurden bisher aber noch nicht angesetzt.


